12.07.2026

Omas einfaches Labskaus – Bremerhavener Art – Eine Prise Lecker

Omas einfaches Labskaus – Bremerhavener Art – Eine Prise Lecker

Vorgeschichte:

Manchmal passieren die schönsten kulinarischen Entdeckungen ganz zufällig, fast so, als hätte das Leben selbst einen kleinen Geheimtipp für einen parat. So ging es mir mit dem Rezept für Omas einfaches Labskaus – Bremerhavener Art. Es war an einem dieser Tage, an denen ich unbedingt etwas Leckeres, Herzliches und zugleich unkompliziertes für meine Familie auf den Tisch bringen wollte. Der Tag war lang gewesen, die Kinder müde und trotz allem hungrig. Ich durchstöberte alte Notizen, Rezepthefte und sogar ein paar Zettel, die ich irgendwo lose herumliegen sah. Doch nichts sprach mich so recht an. Und dann, ganz unvermittelt, fiel mir bei einer Stöberrunde im Internet eine einfache Variante von Labskaus ins Auge. Ich kannte das Gericht bisher nur vom Hörensagen oder aus Geschichten von Freunden, die an der Nordseeküste oder im Bremer Raum lebten. Labskaus klang spannend, bodenständig, ein bisschen rustikal, aber mit viel Herz.

Ich muss ehrlich sagen, ich war zunächst skeptisch, denn die Kombination aus Rote Bete, gepökeltem Fleisch und Kartoffeln schien mir ungewöhnlich. Doch genau diese Mischung wollte ich ausprobieren. Als ich dann das Rezept aufmerksam gelesen hatte, fühlte ich mich sofort an die Zeiten erinnert, als meine Oma noch gekocht hat – ihre Küche war immer ein Ort voller Wärme und Gemütlichkeit, und die Gerichte waren nie kompliziert, aber immer sättigend und mit ganz viel Liebe gemacht. Dieses Labskaus versprach für mich genau diese Omas-Genauigkeit.

Der erste Versuch begann schon früh am Samstagvormittag, damit das Essen rechtzeitig bereit war. Ich schnitt das Gemüse zusammen, bereitete die Kartoffeln vor, und langsam begann sich in meiner Küche der Duft zu verbreiten, den man von guten, hausgemachten Gerichten kennt – dabei so behaglich und einladend, dass ich immer neugieriger wurde. Als das Labskaus schließlich auf dem Teller lag, verströmte es einen wunderbar erdigen, herzhaften Geruch, der meine Familie sofort angelockt hat. Der erste Bissen war für alle eine kleine Überraschung: Die Kombination aus salzigem Corned Beef, süßlicher Roter Bete und cremigen Kartoffeln harmonierte viel besser als erwartet. Die Kinder waren begeistert, und mein Mann lobte die rustikale Note, die so viel mehr Leben auf den Tisch brachte als die üblichen Gerichte.

Seit diesem Tag ist dieses Rezept ein echter Schatz in unserer Küche. Besonders, wenn alle es eilig haben, aber trotzdem etwas Schmackhaftes und Traditionelles wollen, steht es ganz oben auf unserer Liste. Was mich immer wieder fasziniert, ist, wie dieses einfache Gericht so viele verschiedene Aromen verbindet und doch so bodenständig und ehrlich bleibt – genau wie das Essen bei Oma. Gerade an kühlen Tagen oder wenn es draußen ungemütlich ist, ist es für uns wie ein kleines Stück Heimat und eine Umarmung aus der eigenen Küche. Darum will ich euch heute genau dieses Labskaus-Rezept weitergeben, so einfach und lecker, wie es bei uns zu Hause auf den Tisch kommt – Bremerhavener Art, mit ganz viel Herz.

Zutaten:

– 500 g Kartoffeln, mehligkochend
– 300 g Corned Beef, in Stücken
– 200 g Rote Bete, vorgekocht und gewürfelt
– 1 Zwiebel, fein gehackt
– 2 Gewürzgurken
– 2 Eier
– 100 ml Rinderbrühe oder Gemüsebrühe
– 2 EL Rapsöl oder Butterschmalz
– Salz und Pfeffer nach Geschmack
– 1 TL Senf
– 1 TL Zucker (optional)
– 2 EL Butter
– Frischer Dill zum Garnieren (optional)
– 1 Bund Gewürzgurken, zusätzlich für die Beilage
– 1 Dose Heringsfilets in Öl (optional)

Zubereitung:

Die Zubereitung von Labskaus ist für mich eine Art Ritual geworden, das sich beim Kochen wunderbar anfühlt. Auch wenn das Gericht simpel erscheint, gibt es einige wichtige Schritte, die das Ergebnis besonders machen. Wir beginnen ganz klassisch: Zuerst schälen wir die Kartoffeln gründlich und schneiden sie in gleichmäßige Stücke, denn so garen sie gleichmäßig und lassen sich später leichter stampfen. Die Kartoffeln werden in einem großen Topf mit leicht gesalzenem Wasser zum Kochen gebracht und sollten so lange garen, bis sie weich sind – das dauert ungefähr 20 Minuten. Wenn ihr sie mit einer Gabel leicht einstechen könnt und sie fast zerfallen, sind sie genau richtig.

Während die Kartoffeln kochen, könnt ihr schon einmal die Zwiebeln vorbereiten. Ich schneide die Zwiebel in kleine Würfel und brate sie in einer großen Pfanne mit einem Esslöffel Butter und dem Rapsöl sanft an, bis sie glasig und leicht golden sind. Der Duft, der dabei entsteht, ist bereits verlockend und macht Lust auf mehr. Jetzt kommt das Corned Beef ins Spiel: Es wird grob gehackt oder mit einer Gabel zerrupft, je nachdem, wie fein ihr es wünscht. Wer es intensiver mag, kann das Fleisch kurz mit in die Pfanne geben und leicht anbraten – das bringt Röstaromen. Ich persönlich mache das oft, weil das Fleisch dann für meinen Geschmack noch mehr Charakter bekommt.

Ist die Zwiebel schön glasig, rühre ich das Corned Beef vorsichtig unter und lasse alles zusammen ein paar Minuten schmurgeln, ohne dass es zu trocken wird. Die vorgekochte Rote Bete wird in kleine Würfel geschnitten. Wichtig ist, dass sie nicht zu fein wird, damit sie im fertigen Labskaus sichtbar bleibt und dem Gericht nicht die Farbe nimmt, sondern für einen schönen Kontrast sorgt. Gebt die Rote Bete zum Schluss unter die Fleischmischung in die Pfanne.

Zwischenzeitlich sind die Kartoffeln gar und können abgegossen werden. Gießt sie nicht zu lange aus, etwas Kochwasser helfe ich später noch bei der Konsistenz des Labskaus. Anschließend werden die Kartoffeln mit einem Kartoffelstampfer zerstampft und mit Butter, Senf, einem kleinen Teelöffel Zucker, Salz und Pfeffer gewürzt. Eine Prise Zucker kann die leicht erdige Rote Bete wunderbar ausgleichen. Jetzt mischt ihr die Fleisch-Rote-Bete-Zwiebel-Mischung vorsichtig unter die gestampften Kartoffeln. Gebt nach und nach die Brühe dazu – nicht auf einmal –, sodass die Masse schön sämig wird aber nicht zu flüssig. Das Labskaus soll saftig, aber nicht suppig sein.

An dieser Stelle kann man schon eine kleine Kostprobe wagen, um die Würze anzupassen. Salz, Pfeffer, eventuell noch etwas Senf oder Butter – je nach Geschmack. Wenn euch der typische norddeutsche Geschmack gefällt, seid ihr hier genau richtig. Damit das Ganze etwas mehr Frische bekommt, schneide ich meist noch zwei Gewürzgurken in feine Würfel und gebe sie dazu. Sie verleihen dem Gericht diese gewisse Säure, die das Zusammenspiel von Fleisch und Kartoffelpüree besonders macht.

Die Eier werden separat in einer kleinen Pfanne in ordentlich Butter knusprig als Spiegeleier gebraten, mit einer leicht knackigen weißen Seite und noch flüssigem Dotter. Dazu serviere ich die Eier gern auf dem Labskaus, denn diese Kombination ist typisch und bringt nochmal eine cremige, satte Note dazu.

Wenn alles fertig ist, richte ich das Labskaus auf tiefen Tellern an, verteile darauf die Spiegeleier und garniere das Gericht optional mit etwas frischem Dill oder Petersilie. Für den echten Bremerhavener Touch dürfen Gewürzgurken nicht fehlen. Manchmal serviere ich auch noch eingelegte Heringsfilets dazu, die ich in Öl eingelegt habe – das ist eine schöne Ergänzung und bringt gleichzeitig noch einmal ein kräftiges Aroma hinein.

Insgesamt ergibt dieses Gericht eine herzhafte Portion, die wirklich satt und glücklich macht. Es duftet dabei wunderbar nach Kartoffeln, Butter und Roter Bete, und man fühlt sich gleich an die traditionsreichen norddeutschen Küstenküchen versetzt. Auch wenn Labskaus einem keine elegante Tafel bieten möchte – es vermittelt Wärme, Verbundenheit und den Geschmack von Heimat. Ich finde, gerade deshalb lohnt sich seine Zubereitung.

Tipps und Varianten:

Wenn ihr Labskaus zum ersten Mal kocht, nehmt euch ruhig die Zeit und probiert die verschiedenen Schritte aus. Manchmal kann es passieren, dass Labskaus zu trocken wird – in dem Fall gebt beim Stampfen ein bisschen mehr Brühe oder sogar etwas Kartoffelwasser hinzu, bis die Konsistenz stimmt. Es soll eine homogene Masse werden, die sich gut auf dem Teller anrichten lässt, aber nicht zu flüssig ist. Zu viel Flüssigkeit kann das Gericht schnell verwässern und den Geschmack verlieren.

Wer es etwas feiner mag, kann das Corned Beef ein wenig kleiner schneiden oder sogar grob durch den Fleischwolf drehen, um eine fast pastenähnliche Struktur zu bekommen. Das macht das Essen besonders cremig. Mögt ihr es lieber rustikal, lasst die Stücke etwas größer, dadurch bleibt die Struktur interessanter.

Anstelle von Corned Beef kann man auch gepökeltes Rindfleisch nehmen – da ist die Geschmacksrichtung ähnlich. Für Vegetarier habe ich das Rezept bislang nicht ausprobiert, aber eine Variante mit geräuchertem Tofu und Rote Bete könnte funktionieren, wenn die Brühe dann auf Gemüsebrühe basiert. Der Charakter von Labskaus besteht jedoch ganz klar in seiner herzhaften Fleischigkeit, die macht das Gericht aus.

Das Gericht passt super zu kalten Wintertagen oder wenn man sich nach einem langen Tag etwas Deftiges wünscht. Für gemütliche Sonntage mit der Familie ist es außerdem ideal, weil es keine haute cuisine ist, sondern gutes, ehrliches Essen mit Geschichte. Man kann Labskaus auch sehr gut vorbereiten und am nächsten Tag in der Pfanne noch einmal aufwärmen – dabei einfach etwas Butter oder Öl dazugeben, damit es saftig bleibt und nicht anbrennt.

Beim Servieren ist es schön, das Labskaus mit frisch gebratenen Spiegeleiern zu versehen – das gehört zum Original einfach dazu. Für ganz experimentierfreudige Hobbyköche passt auch noch ein Schuss Gewürzgurkenwasser oder ein wenig Meerrettich darüber. So bekommt das Gericht einen zusätzlichen Pfiff.

Wer Gäste eingeladen hat und etwas Traditionelles servieren möchte, findet in Labskaus eine gute Alternative zu üblichen Eintöpfen und Suppen – es ist rustikal, erzählt eine Geschichte und wird meist mit Staunen angenommen, wenn man es vorher erklärt. Die Kombination aus Salz, Süße und herzhafter Würze wird fast jedem schmecken, der Deftiges mag.

Für das Aufbewahren ist Labskaus gut geeignet – in einer luftdichten Dose hält es sich im Kühlschrank problemlos zwei bis drei Tage. Beim Aufwärmen am besten langsam und mit etwas Flüssigkeit, dann bleibt die Konsistenz erhalten. Manchmal lässt sich so ein großer Topf Labskaus sogar einfrieren; dann empfehle ich, es portionsweise einzufrieren, damit man nicht zu große Mengen auf einmal auftauen muss.

Kleine Fehler, die ich zu Beginn gemacht habe, waren oft zu grobe Kartoffelstücke, die das Stampfen erschwerten, oder zu viel Brühe, sodass das Ganze sehr flüssig wurde. Auch zu viel Salz kann schnell dominieren – lieber erst abschmecken, wenn alles zusammengefügt ist.

Zusammengefasst ist Labskas Bremerhavener Art für mich nicht nur eine Mahlzeit, sondern ein Stück gelebte Tradition und ein Symbol für die Herzlichkeit in der norddeutschen Küche. Es lohnt sich, es einmal auszuprobieren, gerade wenn man nach einem einfachen, dennoch besonderen Rezept sucht. Meine Familie und ich genießen es immer wieder aufs Neue – und ich bin sicher, es wird auch in eurer Küche ganz schnell zu einem Lieblingsrezept werden. Einfach, bodenständig und voller Geschmack – eben wie bei Oma.

Guten Appetit!