Kuchen, die man einmal ausprobiert und danach nie wieder vergisst. Genau so war es bei mir mit diesem wunderbar luftigen Engelskuchen. Dabei hatte ich ursprünglich gar nicht vor, etwas Besonderes zu backen. Es war ein ganz gewöhnlicher Samstagnachmittag, draußen war es grau und ungemütlich, und ich hatte eigentlich nur Lust auf eine gemütliche Tasse Kaffee. Doch wie das manchmal so ist, bekam ich plötzlich Appetit auf etwas Süßes.
Zutaten & Zubereitung
Zutaten und Anleitung auf Seite 2
Ich öffnete den Kühlschrank, schaute in den Vorratsschrank und stellte fest, dass ich nicht besonders viel im Haus hatte. Ein paar Eier, etwas Zucker, Öl und eine angebrochene Packung Speisestärke. Butter war keine mehr da, und für einen aufwendigen Kuchen fehlte mir ohnehin die Geduld.
Da fiel mir ein altes Rezeptheft ein, das schon seit Jahren in meiner Küchenschublade liegt. Zwischen handgeschriebenen Rezepten für Apfelkuchen, Marmorkuchen und Vanillekipferl entdeckte ich eine kleine Notiz: „Engelskuchen – besonders weich, ganz ohne Mehl.“
Ich musste zweimal hinschauen. Ein Kuchen ohne gewöhnliches Mehl? Nur mit Speisestärke? Ob das wirklich funktionieren konnte?
Neugierig geworden, beschloss ich, es einfach auszuprobieren. Schließlich hatte ich alle Zutaten bereits zu Hause. Und wenn der Kuchen nichts werden sollte, hätte ich wenigstens etwas Neues gelernt.
Schon beim Aufschlagen der Eier merkte ich, dass dieser Teig anders war als mein gewöhnlicher Rührteig. Er wurde wunderbar hell und luftig. Als ich die Speisestärke vorsichtig unterhob, entstand eine feine, fast seidige Masse.
Wenig später stand die Springform im Backofen. Nach und nach verbreitete sich ein herrlicher Vanilleduft in der Küche. Die Oberfläche ging langsam auf und bekam eine wunderschöne goldbraune Farbe.
Als ich den Kuchen schließlich aus dem Ofen holte, war ich überrascht. Er sah aus wie ein kleiner Kuchen aus einer traditionellen Konditorei. Außen leicht gebräunt, innen weich und zart.
Mein Mann kam gerade in die Küche, als ich den Kuchen mit Puderzucker bestäubte.
„Was riecht denn hier so gut?“, fragte er.
Ich antwortete nur: „Ein neues Rezept. Mal sehen, ob es schmeckt.“
Wir warteten, bis der Kuchen ausreichend abgekühlt war, und schnitten das erste Stück an. Schon beim Schneiden konnte man sehen, wie weich die Krume geworden war.
Mein Mann nahm einen Bissen, schaute mich an und sagte: „Den kannst du ab jetzt öfter machen.“
Ich musste lachen. Denn genau das sagt er normalerweise nur bei seinen absoluten Lieblingskuchen.
Am Abend war mehr als die Hälfte verschwunden. Am nächsten Morgen gab es die letzten Stücke zum Frühstückskaffee. Und eine Woche später kam tatsächlich die Frage, ob ich diesen Kuchen noch einmal backen könnte.
Seitdem gehört das Rezept zu meinen liebsten einfachen Kuchen. Besonders dann, wenn ich wenig Zeit habe oder überraschend Besuch bekomme.
Das Schöne daran ist, dass man keine ausgefallenen Zutaten benötigt. Und trotzdem entsteht ein Kuchen, der so fein und zart schmeckt, als hätte man viel mehr Mühe hineingesteckt.
Warum dieser Engelskuchen etwas Besonderes ist
Viele klassische Kuchen werden mit Weizenmehl, Butter und manchmal auch Milch zubereitet. Bei diesem Rezept ist das anders. Hier spielt die Speisestärke die Hauptrolle.
Dadurch bekommt der Kuchen eine besonders feine, leichte Krume. Während ein gewöhnlicher Rührkuchen eher kompakt und saftig ist, wirkt dieser Engelskuchen fast wie eine Mischung aus Biskuit und einem zarten Sandkuchen.
Der wichtigste Unterschied liegt aber nicht nur in den Zutaten, sondern auch in der Zubereitung.
Die Eier werden zusammen mit dem Zucker mehrere Minuten aufgeschlagen. Dabei gelangt Luft in die Masse, die später zur lockeren Struktur beiträgt. Deshalb lohnt es sich, bei diesem Schritt nicht ungeduldig zu werden.
Auch das vorsichtige Unterheben der Speisestärke ist entscheidend. Wer den Teig zu kräftig oder zu lange verrührt, verliert einen Teil der zuvor eingeschlagenen Luft.
Das klingt vielleicht komplizierter, als es tatsächlich ist. In Wirklichkeit braucht man nur etwas Geduld und einen Handmixer.
Und das Beste: Der Kuchen schmeckt schon mit etwas Puderzucker wunderbar. Man benötigt weder eine aufwendige Creme noch eine Glasur.
Zutaten für den fluffigen Engelskuchen
Für eine Springform mit etwa 20–22 cm Durchmesser:
3 Eier
100 g Zucker
1 TL Vanillezucker
90 ml neutrales Pflanzenöl
200 g Speisestärke (Maisstärke)
15 g Backpulver
1 Prise Salz
Puderzucker zum Bestäuben
Optional:
etwas abgeriebene Zitronenschale
einige Tropfen Vanilleextrakt
frische Beeren zum Servieren
etwas geschlagene Sahne
Die Zutatenliste ist wirklich überschaubar. Genau deshalb liebe ich dieses Rezept so sehr. Fast alles davon habe ich normalerweise ohnehin im Vorratsschrank.
Welche Zutaten sind besonders wichtig?
Die Eier: Sie bilden die Grundlage für die luftige Konsistenz. Am besten verwendet man Eier mit Zimmertemperatur, da sie sich besonders gut aufschlagen lassen.
Der Zucker: Er sorgt nicht nur für die angenehme Süße, sondern hilft auch dabei, die aufgeschlagene Eiermasse zu stabilisieren.
Das Pflanzenöl: Es macht den Kuchen geschmeidiger. Ich verwende am liebsten Sonnenblumenöl oder ein anderes neutrales Öl, damit der feine Vanillegeschmack im Vordergrund bleibt.
Die Speisestärke: Sie ersetzt in diesem Rezept das gewöhnliche Mehl. Dadurch entsteht eine besonders feine, zarte Krume. Wichtig ist, die Stärke vor der Verwendung zu sieben.
Das Backpulver: Es unterstützt den Teig beim Aufgehen. Die angegebene Menge stammt aus dem ursprünglichen Rezept. Wer einen weniger kräftigen Backpulvergeschmack bevorzugt, kann auch eine etwas kleinere Menge ausprobieren; dadurch kann sich allerdings die Höhe des Kuchens verändern.
Der Vanillezucker: Er verleiht dem Kuchen das vertraute Aroma, das so wunderbar zu Kaffee und Tee passt.
Zubereitung – Schritt für Schritt zum perfekten Kuchen
1. Den Backofen und die Backform vorbereiten
Zuerst den Backofen auf 170 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.
Eine Springform mit einem Durchmesser von ungefähr 20–22 cm vorbereiten. Den Boden mit Backpapier auslegen und den Rand leicht einfetten.
Ich nehme für diesen Kuchen am liebsten eine kleinere Springform. Dadurch wird er etwas höher und bekommt beim Anschneiden eine besonders schöne Form.
Wer eine größere Form verwendet, erhält einen flacheren Kuchen. In diesem Fall kann sich auch die Backzeit verkürzen.
Wichtig ist, die Backform schon vor dem Anrühren des Teiges bereitzustellen. Denn sobald die Eiermasse fertig ist, sollte der Teig möglichst zügig in den Ofen kommen.
2. Eier und Zucker richtig aufschlagen
Die drei Eier in eine große Rührschüssel geben.
Zucker, Vanillezucker und eine kleine Prise Salz hinzufügen.
Nun alles mit dem Handmixer etwa 5–7 Minuten auf hoher Stufe schlagen.
Anfangs ist die Mischung noch relativ flüssig und gelb. Nach einigen Minuten wird sie deutlich heller, dicklicher und voluminöser.
Genau diese Veränderung möchten wir erreichen.
Wenn man die Rührbesen aus der Masse hebt, sollte der Teig kurz in einer Art Band zurück in die Schüssel fließen.
Früher habe ich bei solchen Rezepten häufig zu früh aufgehört zu rühren. Ich dachte immer, dass zwei Minuten schon ausreichen würden. Inzwischen weiß ich, dass sich ein wenig Geduld an dieser Stelle wirklich lohnt.
Die gut aufgeschlagene Eiermasse ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Kuchen später schön locker wird.
3. Das Öl langsam hinzufügen
Jetzt das Pflanzenöl langsam zur Eiermasse gießen.
Dabei den Mixer auf eine niedrige Stufe stellen und nur so lange rühren, bis sich das Öl gleichmäßig verteilt hat.
Es ist nicht notwendig, die Mischung erneut minutenlang aufzuschlagen.
Das Öl sorgt dafür, dass der Kuchen nicht zu trocken wirkt und eine angenehm weiche Konsistenz bekommt.
Ich verwende hier bewusst keine Butter. Das macht die Zubereitung besonders unkompliziert, denn man muss nichts schmelzen oder lange weich werden lassen.
4. Speisestärke und Backpulver vorbereiten
In einer zweiten Schüssel die Speisestärke mit dem Backpulver vermischen.
Anschließend die Mischung durch ein feines Küchensieb geben.
Diesen Schritt sollte man nicht auslassen.
Speisestärke bildet manchmal kleine Klümpchen, die sich später nur schwer vollständig im Teig verteilen lassen. Durch das Sieben wird die Mischung besonders fein.
Wenn ich Lust auf eine etwas frischere Geschmacksnote habe, gebe ich an dieser Stelle noch etwas fein abgeriebene Zitronenschale dazu.
Das ist natürlich kein Muss. Schon die einfache Vanillevariante schmeckt wunderbar.
5. Die trockenen Zutaten vorsichtig unterheben
Nun die gesiebte Speisestärke nach und nach zur Eiermasse geben.
Am besten arbeitet man in zwei oder drei Portionen.
Mit einem Teigschaber die trockenen Zutaten vorsichtig unterheben. Dabei von unten nach oben arbeiten und die Schüssel zwischendurch etwas drehen.
Der Teig soll möglichst luftig bleiben.
Deshalb sollte man jetzt nicht mehr minutenlang mit dem Handmixer arbeiten.
Sobald keine trockenen Stärkereste mehr sichtbar sind, ist der Teig fertig.
Er sollte eine gleichmäßige, relativ dickflüssige und feine Konsistenz haben.
6. Den Teig in die Form füllen
Den fertigen Teig vorsichtig in die vorbereitete Springform geben.
Mit dem Teigschaber die Oberfläche leicht glatt streichen.
Die Form anschließend sofort in den vorgeheizten Backofen stellen.
Wer möchte, kann die Form einmal ganz leicht auf die Arbeitsfläche klopfen, um besonders große Luftblasen zu lösen. Dabei aber nicht zu kräftig vorgehen, denn wir möchten die luftige Struktur möglichst erhalten.
7. Den Engelskuchen goldbraun backen
Den Kuchen auf der mittleren Schiene ungefähr 30–40 Minuten backen.
Die genaue Backzeit hängt vom Backofen und von der verwendeten Springform ab.
Während des Backens beginnt die Oberfläche langsam aufzugehen. Nach und nach entsteht eine schöne goldbraune Kruste.
Besonders wichtig: Die Backofentür während der ersten 25 Minuten möglichst geschlossen halten.
Wenn man die Tür zu früh öffnet, kann der empfindliche Kuchen zusammenfallen.
Nach ungefähr 30 Minuten lohnt sich ein erster Blick durch die Ofenscheibe.
