Jetzt braucht man vor allem Geduld.
Das Papier sollte während dieser Zeit feucht bleiben, darf aber nicht dauerhaft tropfnass sein. Zu viel Feuchtigkeit kann Schimmel begünstigen. Deshalb kontrolliere ich die Kerne regelmäßig und entferne Exemplare, die unangenehm riechen oder deutliche Schimmelspuren entwickeln.
Manche Samen beginnen relativ schnell zu keimen, andere benötigen deutlich länger. Deshalb sollte man sich nicht darauf verlassen, dass nach genau sieben Tagen bei jedem Kern bereits ein großer Keim sichtbar ist.
Sobald eine kleine Wurzel erscheint
Jetzt beginnt der eigentlich interessante Teil. Sobald ein Kern deutlich gekeimt hat und eine kleine Wurzel zu erkennen ist, kann er vorsichtig eingepflanzt werden.
Dafür reicht zunächst ein kleiner Blumentopf mit Abflusslöchern. Zitronen mögen keine dauerhaft nasse Erde, deshalb ist eine lockere und gut durchlässige Mischung sinnvoll.
Den gekeimten Samen vorsichtig in die Erde setzen und nur leicht bedecken. Dabei besonders behutsam mit der jungen Wurzel umgehen – sie lässt sich sehr leicht beschädigen.
Anschließend die Erde etwas anfeuchten und den Topf an einen hellen, warmen Standort stellen. In den nächsten Wochen sollte die Erde leicht feucht gehalten werden, aber niemals ständig nass sein.
Mit etwas Glück erscheint bald der erste kleine grüne Trieb.
Was danach wichtig ist
Eine junge Zitronenpflanze benötigt viel Licht. Gerade während der dunkleren Monate kann ein Platz direkt an einem hellen Fenster sinnvoll sein. Gleichzeitig sollte die Pflanze nicht ständig zwischen sehr warmen und sehr kalten Standorten wechseln.
Beim Gießen gilt eher: kontrollieren statt nach einem festen Kalender arbeiten. Ist die obere Erdschicht noch deutlich feucht, braucht die Pflanze normalerweise nicht sofort neues Wasser. Staunässe sollte vermieden werden.
Wenn die Wurzeln den kleinen Topf zunehmend ausfüllen, kann die Pflanze später in ein größeres Gefäß umgesetzt werden.
So kann aus einem Kern, den man normalerweise innerhalb weniger Sekunden weggeworfen hätte, nach und nach eine hübsche kleine Zimmerpflanze entstehen.
Wird daraus wirklich ein Zitronenbaum mit Früchten?
Theoretisch kann eine aus Samen gezogene Zitruspflanze später blühen und Früchte bilden. Praktisch ist dafür jedoch viel Geduld nötig. Sämlinge können viele Jahre benötigen, bis sie überhaupt die entsprechende Reife erreichen.
Außerdem sind Zitronen nicht immer sortenecht aus Samen. Das bedeutet: Selbst wenn irgendwann Früchte entstehen, müssen sie nicht exakt dieselben Eigenschaften wie die ursprüngliche Zitrone besitzen.
Wer möglichst schnell einen zuverlässig fruchtenden Zitronenbaum möchte, ist mit einer veredelten Pflanze aus einer Gärtnerei besser beraten.
Wer dagegen einfach Freude daran hat, selbst etwas wachsen zu lassen, sollte die Kerne ruhig einmal ausprobieren.
Gerade darin liegt für mich der Reiz dieses kleinen Tricks: Man braucht weder besondere Ausrüstung noch teures Saatgut. Eine Zitrone, ein paar Kerne, etwas Erde und Geduld reichen bereits aus.
Beim nächsten Auspressen einer Zitrone also vielleicht nicht automatisch alle Kerne in den Müll werfen. Ein oder zwei davon aufzuheben kostet nichts – und wenige Wochen später könnte daraus bereits eine kleine Zitronenpflanze auf der Fensterbank geworden sein.
