Ein weiteres Zeichen kam ganz plötzlich. Ich hatte auf einmal Haarausfall. Richtig schlimm. Ganze Strähnen im Abfluss, beim Kämmen, auf dem Kopfkissen. Ich hatte Panik. Ich googelte alles – von hormonellen Schwankungen bis Autoimmunerkrankungen. Und dann fiel mir auf, dass ich in den letzten Monaten sehr einseitig gegessen hatte. Viel Brot, wenig Eiweiß, kaum frisches Gemüse. Einfach, weil ich müde war, keine Lust hatte zu kochen, und sowieso irgendwie „durchhing“. Ich fing an, mehr Nährstoffe einzubauen. Eier, Hülsenfrüchte, Haferflocken, Nüsse. Und ich kaufte mir ein gutes Haar-Vitamin, mit Biotin, Eisen, Zink. Es dauerte Wochen, aber dann wurde es besser. Und wieder dachte ich: Wie oft gibt uns der Körper Hinweise – wir müssen nur bereit sein, sie ernst zu nehmen.
Und dann war da noch der Schlaf. Oder eher: der Nicht-Schlaf. Ich war oft abends total müde, freute mich auf mein Bett – und lag dann trotzdem wach. Mein Kopf machte weiter. Ich grübelte, wälzte mich, wachte nachts auf und konnte nicht mehr einschlafen. Ich nahm es hin, dachte, es sei eben so. Aber irgendwann merkte ich: Mein ganzer Rhythmus war gestört. Ich war abends noch am Handy, las Mails, scrollte durch Social Media. Ich trank abends Wein, dachte, das hilft beim Runterkommen. Aber es half nicht – im Gegenteil. Ich schlief unruhiger, träumte komisch, wachte wie gerädert auf. Also stellte ich um. Kein Handy ab 21 Uhr. Kein Alkohol unter der Woche. Stattdessen Tee, Buch, vielleicht ein paar Zeilen Tagebuch. Und siehe da: Ich schlief besser. Es war kein Wunderheilmittel. Aber mein Körper hatte mir längst gesagt: So wie bisher – das funktioniert nicht.
All diese Dinge, diese kleinen und größeren Warnzeichen – sie kamen nicht über Nacht. Sie waren nicht laut, nicht dramatisch. Aber sie waren da. Und je länger ich sie ignorierte, desto schlimmer wurden sie. Aber das Gute ist: Der Körper verzeiht. Er will mit uns arbeiten. Er will gesund sein. Und wenn wir anfangen, hinzuhören, mit ihm zu kooperieren statt ihn zu übergehen – dann passieren echte Wunder. Keine magischen. Aber ehrliche. Mein Weg war nicht perfekt. Ich hab auch Rückfälle. Ich ess wieder zu viel Zucker, ich vergesse mein Vitamin D, ich trink abends doch ein Glas Wein zu viel. Aber ich merke es jetzt schneller. Und ich weiß, wie ich gegensteuern kann.
Ich glaub, das Wichtigste, was ich gelernt hab: Gesundheit beginnt nicht beim Arzt. Sie beginnt mit Aufmerksamkeit. Mit einem inneren „Moment mal – irgendwas passt hier nicht.“ Und mit der Entscheidung, das ernst zu nehmen. Nicht später. Jetzt.
Wenn du das hier liest und dich irgendwo wiedererkennst – in der Müdigkeit, im Blähbauch, im Heißhunger – dann ist das vielleicht dein Zeichen. Vielleicht bist du auch an dem Punkt, wo du merkst: Mein Körper schreit leise. Und vielleicht ist es Zeit, endlich hinzuhören.
