Es gibt diese Momente, die wahrscheinlich fast jeder kennt, der schon einmal Kontakt mit einem Hund hatte. Man steht irgendwo – vielleicht bei Freunden, vielleicht im Park oder sogar beim ersten Kennenlernen – und plötzlich kommt ein Hund auf einen zu, schnuppert kurz an der Hand… und dann passiert es: Er richtet seine Aufmerksamkeit genau auf einen Bereich, den man am liebsten sofort schützen würde. Für uns Menschen ist das oft unangenehm, manchmal peinlich, und viele fragen sich in genau diesem Moment: „Warum macht er das jetzt ausgerechnet hier?“
Ich muss ehrlich sagen, früher habe ich genauso gedacht. Ich fand es irritierend, fast schon respektlos, obwohl ich wusste, dass Hunde natürlich keine bösen Absichten haben. Aber dieses Verhalten wirkt einfach so direkt und ungefiltert, dass man automatisch versucht, es irgendwie menschlich zu bewerten. Und genau da liegt eigentlich der Denkfehler.
Denn Hunde funktionieren komplett anders als wir. Während wir unsere Umwelt hauptsächlich mit den Augen wahrnehmen, leben Hunde in einer Welt, die zu einem großen Teil aus Gerüchen besteht. Für sie ist die Nase das wichtigste Sinnesorgan – viel wichtiger als das, was sie sehen oder hören. Und wenn man das einmal wirklich versteht, dann wirkt dieses Verhalten plötzlich gar nicht mehr so seltsam.
Ein Hund, der einen Menschen beschnüffelt, versucht nicht, unhöflich zu sein. Er versucht schlicht und einfach, Informationen zu sammeln. Und zwar auf die Art und Weise, die für ihn am natürlichsten ist. So wie wir jemanden anschauen, seine Mimik lesen oder seine Stimme hören, so „liest“ ein Hund gewissermaßen den Geruch.
Was viele nicht wissen: Der menschliche Körper gibt über verschiedene Bereiche ständig Duftstoffe ab. Besonders intensiv geschieht das über sogenannte apokrine Schweißdrüsen. Diese befinden sich vor allem unter den Achseln und im Intimbereich. Für uns sind diese Gerüche oft kaum wahrnehmbar oder sogar komplett unbemerkt. Für Hunde hingegen sind sie extrem interessant und aussagekräftig.
Man kann sich das ein bisschen so vorstellen, als würde ein Hund eine Art unsichtbaren „Steckbrief“ lesen. Dieser Steckbrief enthält Informationen darüber, wer man ist, wie man sich fühlt, ob man gestresst ist oder entspannt, vielleicht sogar, ob man krank ist oder hormonelle Veränderungen durchläuft. Das klingt für uns fast unglaublich, aber für Hunde ist das Alltag.
Wenn ein Hund also genau diesen Bereich beschnüffelt, dann tut er das nicht aus einer Art „unangemessenem Interesse“, sondern weil dort die meisten Informationen verfügbar sind. Es ist für ihn die direkteste und effektivste Quelle, um herauszufinden, mit wem er es zu tun hat.
Ein weiterer Punkt, den viele vergessen: Für Hunde ist dieses Verhalten völlig normal. Untereinander begrüßen sie sich oft genau so. Das gegenseitige Beschnüffeln gehört bei ihnen zur sozialen Kommunikation dazu. Es ist vergleichbar mit einem Händedruck oder einem kurzen Gespräch bei uns Menschen. Nur eben auf ihre eigene Art.
Und wenn ein Hund dieses Verhalten auf Menschen überträgt, dann zeigt das eigentlich nur, dass er uns in gewisser Weise in seine soziale Welt einordnet. Er behandelt uns wie einen Teil seiner Umgebung, den er verstehen möchte. Auch wenn sich das für uns manchmal seltsam anfühlt, steckt dahinter also nichts Negatives.
Was ich persönlich besonders interessant finde, ist die Tatsache, dass Hunde nicht nur Informationen aufnehmen, sondern auch darauf reagieren. Sie können zum Beispiel merken, ob jemand nervös ist, Angst hat oder entspannt wirkt. Und genau das beeinflusst ihr Verhalten. Ein Hund, der merkt, dass jemand unsicher ist, wird oft vorsichtiger oder aufmerksamer. Ein entspannter Mensch wirkt dagegen meist einladender.
Das erklärt auch, warum manche Menschen häufiger von Hunden beschnüffelt werden als andere. Es liegt nicht daran, dass mit ihnen „etwas nicht stimmt“, sondern einfach daran, dass sie für den Hund in diesem Moment interessanter erscheinen. Vielleicht riechen sie anders, vielleicht sind sie neu in der Umgebung oder vielleicht senden sie unbewusst Signale, die der Hund wahrnimmt.
