Es gibt Dinge, die lernt man nicht aus Büchern, sondern aus dem Leben, und manchmal auch ein bisschen aus der Not heraus. Ich erinnere mich noch gut an einen Sommer vor einigen Jahren, als wir einen riesigen Korb voller sonnengereifter Tomaten vom Markt nach Hause schleppten. Die Kinder halfen mir, die roten, prallen Früchte in die Küche zu tragen, und die ganze Wohnung duftete plötzlich nach Sommer. Es war dieses süßlich-frische Aroma, das nur Tomaten haben, die in der Sonne gereift sind und nicht im kalten Regal eines Supermarktes. Doch so sehr ich mich freute, ich wusste auch: So viele Tomaten können wir niemals in ein paar Tagen essen. Und genau in diesem Moment erinnerte ich mich an meine Oma. Sie hatte damals immer im Spätsommer ihre Küche in eine kleine Konservenfabrik verwandelt. Auf dem Tisch standen Gläser, auf dem Herd dampfte es, und überall lagen Kräuter, Knoblauchzehen und natürlich Tomaten.
Damals dachte ich als Kind: „Warum so viel Arbeit, wenn man im Laden doch einfach eine Dose Tomaten kaufen kann?“ Heute, viele Jahre später, weiß ich die Antwort. Weil keine Dose dieser Welt jemals so schmeckt wie selbstgemachte Vorräte. Und weil das Gefühl, mitten im Winter ein Glas zu öffnen und den Duft des Sommers wieder in der Nase zu haben, unbezahlbar ist.
Dieses Rezept, das ich hier aufschreibe, habe ich im Laufe der Jahre immer wieder ausprobiert, verändert, manchmal auch verpatzt. Aber genau das macht es so echt. Denn es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern darum, ein Stück Sommer einzufangen. Und das Beste daran: Man braucht keinen Essig, kein Wasserbad, keine komplizierten Gerätschaften. Nur gute Tomaten, etwas Öl, Kräuter, Knoblauch, Salz und ein wenig Geduld.
Zutaten für ca. 3 Gläser (600 ml)
5 kg kleine, fleischige Tomaten
30 ml Olivenöl pro Glas
1 Knoblauchzehe pro Glas
etwas frischer Thymian oder Rosmarin
Salz nach Gefühl
Zubereitung – Schritt für Schritt, mit allen kleinen Umwegen
Zuerst nehme ich mir die Tomaten vor. Ich wähle immer die, die schön fest, aber gleichzeitig aromatisch sind. Zu weiche Tomaten zerfallen im Ofen zu schnell, und die ganz harten verlieren später den Geschmack. Ich halbiere sie, entferne den Strunk und schneide sie in Spalten. Früher habe ich sie manchmal zu grob gelassen, und dann passten sie nicht gut ins Glas. Also habe ich gelernt, dass etwas kleinere Stücke besser sind, damit man sie später schön schichten kann.
Dann breite ich die Tomatenspalten auf Backblechen aus, die ich vorher mit Backpapier belege. Es sieht fast aus wie ein roter Teppich voller kleiner Sonnen. Ich streue großzügig Salz darüber, gebe Thymian und Rosmarin dazu und schiebe das Ganze bei 200 °C in den Ofen. Eine Stunde lang dürfen sie dort bleiben, und in dieser Zeit verwandelt sich die Küche in ein kleines Paradies. Der Duft, der sich verbreitet, ist so intensiv, dass meine Kinder jedes Mal fragen: „Mama, wann gibt’s Pizza?“
Während die Tomaten im Ofen sind, bereite ich den Knoblauch vor. Ich weiche die Zehen kurz in Wasser ein, damit sich die Schale leichter löst. Dann hacke ich sie grob, nicht zu fein, damit später im Glas noch kleine Stückchen zu sehen sind. Das gibt beim Essen diesen besonderen Biss.
Nach einer Stunde hole ich die Tomaten aus dem Ofen. Sie sind jetzt geschrumpft, leicht karamellisiert und voller Geschmack. Manchmal passiert es, dass ich sie zu lange drin lasse und die Ränder etwas schwarz werden – das ist nicht schlimm, solange man die verbrannten Stücke entfernt.
Jetzt kommen die Gläser ins Spiel. Ich wasche sie gründlich mit heißem Wasser aus und lasse sie trocknen. Einmal habe ich den Fehler gemacht und die Gläser nicht richtig abgetrocknet – das Ergebnis war, dass sich später Wassertröpfchen bildeten, und die Haltbarkeit war dahin. Seitdem bin ich penibel.
In jedes Glas gebe ich ein bisschen Knoblauch, Thymian oder Rosmarin, dann eine Schicht Tomaten. Dann wieder Knoblauch, Kräuter, Tomaten. So, bis das Glas voll ist. Zum Schluss gieße ich 30 ml Olivenöl pro Glas darüber, sodass die Tomaten gut bedeckt sind. Dieses Öl ist später fast genauso wertvoll wie die Tomaten selbst – es schmeckt wunderbar aromatisch und eignet sich zum Verfeinern von Pasta oder Salaten.
Die Gläser verschließe ich fest, stelle sie für 10 Stunden auf den Kopf und lasse sie so stehen. Es sieht vielleicht etwas merkwürdig aus, wenn in der Küche plötzlich ein paar kopfstehende Gläser auf dem Tisch stehen, aber genau das sorgt dafür, dass sie sich vakuumieren. Nach der Zeit drehe ich sie wieder um und lagere sie an einem kühlen, trockenen Ort.
Tipps, Fehler und kleine Geheimnisse
- Nicht geizen mit Salz. Einmal habe ich versucht, besonders sparsam zu sein, weil ich dachte, es wäre gesünder. Das Ergebnis: Die Tomaten hielten nicht lange. Salz ist hier ein natürlicher Konservierer.
- Thymian oder Rosmarin? Beide funktionieren wunderbar. Rosmarin macht den Geschmack etwas kräftiger, Thymian ist milder. Ich mische manchmal beides.
- Aufbewahrung: Im Keller oder in einem dunklen Schrank halten die Gläser locker den ganzen Winter. Manche sagen sogar bis zu einem Jahr.
- Resteverwertung: Wenn Tomaten übrig bleiben, kann man sie einfach in eine Schale legen, mit grobem Salz bestreuen und in der Sonne trocknen. Dann in Beutel füllen und im Kühlschrank aufbewahren – perfekt als Snack oder für Pasta.
- Olivenöl: Nehmt wirklich ein gutes Öl. Billiges Öl verdirbt den Geschmack, und wenn man schon so viel Arbeit investiert, sollte man hier nicht sparen.
Es geht nicht nur darum, Tomaten haltbar zu machen. Es geht darum, ein Stück Sommer einzufangen. Wenn ich mitten im Winter ein Glas öffne und die Tomaten in die Pfanne gebe, dann riecht es sofort nach Sonne, nach Wärme, nach langen Tagen im Garten. Meine Familie liebt diese Tomaten zu Pasta, auf Pizza oder einfach als Beilage zu Fleisch oder Fisch. Und jedes Mal sagen sie: „Das ist so viel besser als aus der Dose.“
Für mich ist es auch ein Stück Verbindung zu meiner Oma. Sie hätte nie gedacht, dass ich einmal ihre Methoden übernehmen würde. Aber heute stehe ich da, mit meinen Kindern, und wir machen es gemeinsam. Sie legen die Tomaten aufs Blech, streuen Salz, lachen, wenn etwas daneben fällt. Und ich weiß: Diese Momente sind genauso haltbar wie die Tomaten selbst.
