13.12.2025

Reibeplätzchen aus dem Airfryer – Mein Weg zu knusprigen Kartoffelträumen ohne Fettgestank, ohne Stress und mit ganz vielen Erinnerungen

Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann einmal Reibeplätzchen im Airfryer machen würde. Für mich war dieses Gericht immer etwas, das untrennbar mit einer schweren Gusseisenpfanne, viel Öl, rauchigen Fenstern und einem Küchentisch voller Zeitungspapier verbunden war, auf dem meine Mutter die frisch gebratenen Plätzchen abtropfen ließ. Reibeplätzchen gehörten zu den Momenten, die man nicht einfach „kochte“, sondern erlebte. Es war eine kleine Zeremonie, halb Familienfest, halb Chaos, aber immer voller Wärme und nostalgischem Duft. Dass ich all das irgendwann einmal mit einem modernen Küchengerät verbinden würde, hätte ich mir früher niemals ausmalen können. Doch wie so oft im Leben kommt man zu bestimmten Dingen erst mit der Zeit, mit Erfahrung – und manchmal aus ganz praktischen Gründen.

Ich erinnere mich noch daran, wie skeptisch ich war, als mein Mann vor ein paar Jahren mit einem Airfryer nach Hause kam. „Was soll ich denn damit?“, dachte ich. „Noch so ein Gerät, das erstmal cool wirkt und dann jahrelang irgendwo verstaubt.“ Ich hatte schon genug solcher Staubfänger: einen Sandwichmaker, der nur dann benutzt wurde, wenn die Kinder Freunde zum Übernachten hatten; eine Saftpresse, die angeblich mein Leben revolutionieren sollte; und einen Reiskocher, den ich bis heute eher als Dekoartikel sehe. Aber der Airfryer – nein, der hat mich wirklich überrascht. Und zwar nachhaltig.

Am Anfang habe ich nur Kleinigkeiten damit ausprobiert: Pommes, Chicken Nuggets, Brötchen aufbacken, mal ein paar Gemüsespieße. Nichts Spektakuläres. Aber irgendwann kam dieser Moment, an dem ich mich fragte: „Warum eigentlich nicht? Wenn man Kartoffeln frittieren kann, warum dann nicht auch Reibeplätzchen?“ Und das war der Anfang einer ganz neuen Reibeplätzchen-Ära bei uns zuhause, einer Ära, in der ich endlich keine Lust mehr verlor, Reibeplätzchen zu machen, obwohl ich sie liebe – weil sie im Airfryer eben so viel leichter und so sauberer gelingen.

Dabei muss ich gleich sagen: Es ist nicht das Gleiche wie in der Pfanne. Aber es ist auch nicht schlechter. Es ist anders – und dieses „anders“ hat für mich inzwischen einen ganz eigenen Reiz. Ich sage immer: Wenn die klassischen Reibeplätzchen ein Wochenende auf dem Weihnachtsmarkt sind, dann sind Airfryer-Reibeplätzchen ein guter, gemütlicher Dienstagabend nach einem langen Arbeitstag. Weniger Drama, mehr Alltagstauglichkeit.

Was mir als erstes auffiel: die Küche bleibt sauber. Kein Spritzen, kein beißender Fettgeruch, kein hektisches Drehen und kein Angstschweiß, weil ein schlecht platzierter Kartoffelpuffer auf einmal beschließt, im heißen Fett Samba zu tanzen. Stattdessen mische ich heute meine Kartoffelmasse morgens oder am Nachmittag in Ruhe, stelle sie in den Kühlschrank, kümmere mich um andere Dinge und schiebe später einfach kleine, flache Plätzchen in meinen Airfryer. Und ja, sie werden knusprig. Und ob! Vor allem, wenn man ein paar Tricks kennt.

Aber bevor ich auf diese Tricks eingehe, möchte ich noch erzählen, wie überrascht meine Familie beim ersten Mal war. Meine Kinder – notorische Reibeplätzchenfans und gleichzeitig extrem kritisch, wenn ich „ihre“ Klassiker abwandle – standen skeptisch neben mir, als ich die ersten Airfryer-Portionen herausnahm. Sie rochen anders. Nicht schlechter, aber weniger „bratpfannig“. Ich legte ihnen die Plätzchen vor, sie probierten, sahen sich an und sagten: „Die schmecken wie Reibeplätzchen… nur irgendwie leichter.“ Das war für mich das schönste Kompliment, denn genau so fühlten sie sich auch für mich an. Und seitdem gibt es in unserer Familie zwei Sorten Reibeplätzchen: die „für besondere Anlässe“ aus der Pfanne und die „für jeden Tag“ aus dem Airfryer.

Dabei muss man fairerweise sagen: Die Zubereitung ist etwas anders, und wer glaubt, man könne die rohe Kartoffelmasse einfach hineinklatschen wie Teig in ein Waffeleisen, der wird enttäuscht sein. Aber auch das habe ich schnell gelernt – oft aus Fehlern, die ich heute fast liebe, weil sie mich näher an das perfekte Resultat geführt haben. Ich habe viele Versionen ausprobiert: mit weniger Ei, mit mehr Ei, mit Kartoffelstärke, ohne Kartoffelstärke, mit Zwiebeln, ohne Zwiebeln, mit eingeweichten Haferflocken, sogar eine Variante ganz ohne Mehl. Jede hatte ihren eigenen Charakter, aber nicht jede war wirklich für den Airfryer geeignet.

Heute habe ich eine Mischung gefunden, die ich immer wieder mache – und die fast immer gelingt. Aber wenn ich sie hier teile, dann tue ich das nicht so, wie ein starres Rezept im Kochbuch das tun würde, sondern so, wie ich es von meiner Mutter, meiner Oma und eigentlich allen Frauen in meiner Familie kenne: als eine Mischung aus Erfahrung, Gefühl und ein paar Regeln, die man nicht brechen sollte.

Ich fange meistens damit an, dass ich verschiedene Kartoffelsorten mische. Das ist schonmal der erste Trick. Ich nehme etwa zwei Drittel festkochende Kartoffeln und ein Drittel mehligkochende. Warum? Weil die einen Struktur geben und die anderen für die Bindung sorgen. Wenn man Reibeplätzchen im Airfryer macht, braucht man mehr Bindung, denn das Öl übernimmt ja nicht den Job, kleine Schwachstellen im Teig auszubügeln.

Ich reibe die Kartoffeln inzwischen meistens grob. Fein ist schwieriger im Airfryer, weil die Masse zu viel Flüssigkeit freisetzt und schneller auseinanderfällt. Grob ergibt kleine Mini-Kartoffel-Stränge, die wunderbar bräunen. Dann gebe ich geriebene Zwiebeln dazu – aber nicht zu viele. Für 1,5 Kilo Kartoffeln nehme ich eine mittelgroße Zwiebel. Zuviel Zwiebel macht die Masse zu wässrig.

Dann kommt das Thema Flüssigkeit. Ich habe irgendwann gelernt, dass Geduld hier alles ist. Ich lasse die Masse immer 5–7 Minuten stehen und gieße dann die Flüssigkeit ab. Und wenn ich sage „gießen“, meine ich eigentlich „ausdrücken“, denn wer schon einmal Reibeplätzchen gemacht hat, weiß, dass Kartoffelwasser sich gerne unten versteckt wie ein kleiner Saboteur, der nur darauf wartet, die Plätzchen im Airfryer zu einem matschigen Fladen mutieren zu lassen. Ich gebe die Masse daher in ein sauberes Geschirrtuch und drücke sie fest aus. Früher fand ich das nervig, heute mache ich es fast schon meditativ. Es ist ein bisschen wie die Vorbereitung auf etwas Schönes – man weiß, es lohnt sich.

Dann kommen Salz, Pfeffer und Eier dazu. Auch hier habe ich vieles ausprobiert, aber ich bin immer wieder bei vier bis fünf Eiern gelandet. Weniger macht die Masse bröselig, mehr lässt sie zu weich werden. Dann das Mehl – ein Klassiker, aber im Airfryer nehme ich etwas mehr als in der Pfanne. Ich nehme meistens 3–4 Esslöffel Mehl oder ersetze 1–2 Esslöffel davon durch Kartoffelstärke. Das ist ein Geheimtipp, den ich lange unterschätzt habe. Kartoffelstärke macht die Plätzchen innen schön weich und außen knuspriger. Es ist, als würde sie sagen: „Keine Sorge, ich halte alles zusammen.“

Dann forme ich die Plätzchen. Früher habe ich das mit einem Löffel direkt über der Pfanne gemacht. Heute forme ich sie in der Hand, drücke sie gut fest und lege sie auf ein Backpapier. Denn – hier kommt der nächste wichtige Punkt – im Airfryer darf man sie nicht zu dick machen. Ich drücke sie flach, so etwa 1 Zentimeter. Das ist die perfekte Dicke, damit sie durchgaren, ohne zu verbrennen.

Ich sprühe die Oberflächen leicht mit Öl ein. Man könnte das weglassen, aber das bisschen Öl sorgt für eine bessere Bräunung, und es sind im Vergleich zur Pfanne vielleicht drei Prozent von dem, was man sonst benutzen würde. Es ist also absolut vertretbar.

Nun kommen sie in den Airfryer – aber nicht alle auf einmal. Das ist ein Fehler, den ich anfangs oft gemacht habe. Man darf sie nicht stapeln, nicht zu eng legen. Luft muss zirkulieren. Ich backe sie bei 180 Grad für etwa 10 Minuten, dann wende ich sie und gebe ihnen noch einmal 6–8 Minuten. Je nachdem, wie dick sie sind und wie viel Feuchtigkeit die Kartoffeln hatten, kann die Zeit etwas schwanken. Manchmal brauchen sie 20 Minuten, manchmal nur 15. Ich öffne zwischendurch den Airfryer und schaue nach, denn ich verlasse mich inzwischen mehr auf meine Augen als auf Zahlen.

Und dann – wenn sie fertig sind – sind sie wirklich fantastisch. Sie werden gleichmäßig knusprig, ohne Ölsee, ohne Spritzer, ohne Stress. Und sie schmecken leichter, frischer und ehrlicher, als man es vielleicht erwartet. Sie sind nicht ganz so fettig wie die aus der Pfanne, aber genau das macht sie alltagstauglicher. Vor allem für Menschen, die gerne Reibeplätzchen essen, sich aber nicht jedes Mal danach fühlen möchten wie nach einem kleinen Fettfestival.

Ich esse sie oft einfach pur, manchmal mit Kräuterquark, manchmal auch mit Apfelmus – ja, Apfelmus geht auch bei der Airfryer-Version wunderbar. Meine Kinder lieben sie mit Lachs und Meerrettichcreme. Mein Mann mag sie mit einem Spiegelei obendrauf. Und meine beste Freundin, die immer behauptet, sie sei „Team Gesundheitsbewusst“, isst sie am liebsten mit einem leichten Kräuterjoghurt.

Es gibt aber auch Tage, an denen ich experimentiere. Ich mische Zucchini hinein, wenn ich etwas Gemüse verstecken möchte. Ich gebe ein wenig Muskat dazu, wenn ich Lust auf eine winterliche Note habe. Ich mische geriebenen Käse in die Masse, wenn ich etwas Deftigeres möchte. Und manchmal mache ich sogar eine Version mit Süßkartoffeln und Haferflocken – die ist zwar nicht klassisch, aber unglaublich lecker.

Der Airfryer hat mir aber nicht nur das Kochen erleichtert. Er hat mir auch die Angst genommen, Reibeplätzchen spontan zu machen. Früher brauchte ich dafür Zeit, Lust und idealerweise ein Wochenende. Heute mache ich sie auch mal an einem Mittwochabend nach einem langen Tag, wenn ich mich nach etwas Warmem und Beruhigendem sehne. Und manchmal mache ich sie morgens frisch, packe sie meinen Kindern in die Brotdose – und sie kommen jedes Mal glücklich zurück.

Das Schönste daran ist aber vielleicht, dass ich das Gefühl habe, eine alte Tradition in eine neue Zeit geholt zu haben. Meine Mutter würde lachen, wenn sie sehen könnte, wie ich heute Reibeplätzchen mache. Sie würde den Kopf schütteln, vielleicht meckern, dass das doch „nicht dasselbe“ sei, und dann würde sie nach dem zweiten Bissen sagen: „Also gut. Die sind wirklich gut.“ Und ich würde stolz grinsen, weil ich weiß, dass sie recht hätte.

Und jetzt, nachdem ich viel erzählt habe, hier mein persönliches Rezept, so wie ich es immer wieder mache:

Airfryer-Reibeplätzchen – mein Familienrezept

1,5 kg Kartoffeln
1 große oder 2 kleine Zwiebeln
4–5 Eier
3–4 EL Mehl oder 2 EL Mehl + 1–2 EL Kartoffelstärke
Salz, Pfeffer
Etwas Öl zum Sprühen
Optional: Muskat, Knoblauchgranulat, geriebene Möhren oder Zucchini

Kartoffeln grob reiben, mit Zwiebeln mischen, kurz stehen lassen und Flüssigkeit ausdrücken. Eier, Mehl, Salz und Pfeffer hinzufügen. Flache Plätzchen formen, mit etwas Öl besprühen und im Airfryer bei 180 Grad 15–20 Minuten backen, zwischendurch wenden.

Jedes Mal, wenn ich sie aus dem Airfryer hole, denke ich: Tradition muss nicht an Geräten hängen. Tradition lebt in den Erinnerungen, in den Händen, die kochen, und in den Menschen, die am Tisch sitzen und gemeinsam essen. Und manchmal auch in einem modernen Gerät, das uns den Alltag leichter macht, ohne die Seele des Rezepts zu zerstören.