Nun zur Zubereitung, die bei uns immer schon ein kleines Ritual war. Zuerst kommt die Hefe dran. Oma hat sie nie einfach so in den Teig gegeben, sie hat ihr Leben eingehaucht. Ein bisschen Zucker, etwas lauwarme Milch, und die Hefe durfte an einem warmen Ort blubbern und schäumen. Ich weiß noch, wie ich als Kind staunend davor saß, weil es so aussah, als würde die Hefe tanzen. Wenn sich nach zehn Minuten Blasen bildeten, sagte Oma immer: „Jetzt ist sie wach.“ Genau das ist der richtige Moment, um sie zum Mehl zu geben.
Das Mehl siebte sie vorher sorgfältig in eine große Schüssel und machte eine Mulde in der Mitte. „Damit die Hefe ein Nest hat“, erklärte sie mir. Also kam die Hefemischung in die Mulde, dazu die restliche Milch und das Olivenöl. Das Salz streute sie immer extra an den Rand, niemals direkt auf die Hefe, weil das sonst den Gärprozess bremst. Dann begann das Kneten. Damals mit den Händen, kräftig, ausdauernd, fast meditativ. Heute mache ich es oft mit der Küchenmaschine, aber wenn ich Zeit habe, dann knete ich noch von Hand – einfach, weil es sich echter anfühlt. Der Teig muss glatt und elastisch werden, nicht zu klebrig, nicht zu trocken. Falls er klebt, kann man ein wenig Mehl hinzufügen, wenn er zu trocken ist, hilft ein Schuss Milch. Nach etwa zehn Minuten fühlt er sich an wie ein weiches Kissen, das man am liebsten nicht mehr loslassen möchte.
Dann durfte der Teig ruhen. Oma legte ihn in eine leicht geölte Schüssel, deckte ihn mit einem Küchentuch ab und stellte ihn an einen warmen Ort. Ich erinnere mich, wie ich immer wieder heimlich unter das Tuch linsen wollte, um zu sehen, ob er schon gewachsen war. Nach einer Stunde war er meist doppelt so groß, luftig und weich. Dieses Warten war immer die größte Herausforderung, besonders für ein ungeduldiges Kind. Aber genau diese Geduld macht den Unterschied, denn nur so werden die Knoblauchecken fluffig.
Während der Teig ging, bereitete Oma die Knoblauchbutter vor. Dafür ließ sie die Butter sanft schmelzen, gab die gepressten Knoblauchzehen hinein und rührte frische Petersilie unter. Der Duft, der sich dabei in der Küche verbreitete, war unbeschreiblich. Ich weiß noch, dass mein Opa dann regelmäßig in die Küche kam und neugierig fragte: „Sind sie schon fertig?“ Dabei wusste er genau, dass es noch eine Weile dauern würde.
Nach der Gehzeit wurde der Teig ausgerollt, etwa einen halben Zentimeter dick. Dann schnitt Oma Dreiecke daraus, wie kleine Pizzastücke. Jedes Dreieck wurde mit der Knoblauchbutter bestrichen und zu einer Ecke aufgerollt, wie kleine Hörnchen. Sie legte sie dicht an dicht auf ein Backblech, manchmal bestreute sie sie noch mit etwas Käse, wenn wir besonders verwöhnt werden sollten. Dann ging es ab in den Ofen, bei 180 Grad für etwa 20 Minuten, bis sie goldbraun und knusprig waren.
Und dann kam der schönste Moment: wenn das Blech dampfend aus dem Ofen geholt wurde, die Knoblauchecken glänzten und die ganze Küche nach Butter und Knoblauch duftete. Oma ließ uns nie sofort zugreifen, sie bestand darauf, dass sie erst ein wenig abkühlen mussten. „Sonst verbrennst du dir die Zunge und schmeckst gar nichts mehr“, sagte sie. Aber schon nach wenigen Minuten konnten wir endlich zugreifen. Außen leicht knusprig, innen fluffig weich, mit der aromatischen Knoblauch-Petersilien-Füllung – es war jedes Mal ein Fest.
Heute backe ich diese Knoblauchecken oft selbst, manchmal für Freunde, manchmal einfach so für mich und meine Familie. Sie sind eine wunderbare Beilage zu Salaten, Suppen oder Grillgerichten, aber auch solo ein Genuss. Und jedes Mal, wenn ich sie esse, habe ich das Gefühl, ein Stück Kindheit wiederzufinden.
