Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, an dem ich auf das Rezept von Oma Rosi gestoßen bin. Es war einer dieser grauen Sonntage, an denen ich irgendwie Lust auf einen Kuchen hatte, aber keine große Lust, stundenlang in der Küche zu stehen. Die Kinder hatten Besuch von ein paar Freunden, und ich suchte nach etwas, das schnell geht, nicht zu kompliziert ist, aber trotzdem allen schmecken würde. Überhaupt bin ich ja immer auf der Suche nach Rezepten, die sich unkompliziert in den Familienalltag einfügen lassen, denn zwischen Schule, Haushalt und Beruf hat man keine Zeit für große Show-Küche.
Zutaten & Zubereitung
Zutaten und Anleitung auf Seite 2
Ich blätterte also an diesem Tag in einer alten Rezeptmappe, die ich von meiner Mutter geerbt habe – sie war voller handgeschriebener Zettel und kleiner Notizen, manche aus der Zeit meiner Oma Rosi. Das Rezept fiel mir sofort ins Auge, weil es mit gerade einmal wenigen Zutaten auskam und etwas versprach, was ich bisher selten probiert hatte: einen Käsekuchen ohne Boden. Normalerweise bin ich ja ein großer Freund von schön knusprigem Boden, doch dieses Rezept klang spannend, weil es irgendwie leichter und fluffiger wirkte. Schon die Vorstellung eines cremigen Kuchens, der nicht schwer ist, hat mich neugierig gemacht.
Beim ersten Versuch war ich ganz vorsichtig – ich wollte ja nicht, dass der Kuchen zu lasch wird oder zu fest und trocken. Die Küche füllte sich schnell mit einem wunderbaren Duft von Vanille und leicht zitronigen Aromen. Aber nicht diese aufdringliche, künstliche Note, sondern genau die angenehme Wärme, die einem sofort das Gefühl gibt, es wird schon gut. Es war schön zuzusehen, wie die Sahne sachte stockte und die Masse beim Backen langsam Farbe annahm.
Als der Kuchen endlich abgekühlt war und angeschnitten wurde, schaute die ganze Familie mir gespannt über die Schulter. Anfangs war die Skepsis bei meinen Kindern groß – kein Boden? Wie soll das denn schmecken? Doch der erste Bissen brachte ein breites Lächeln und ein fast ehrfürchtiges „Wow, der ist aber lecker!“ von meinem Sohn. Meine Tochter konnte gar nicht genug bekommen, und mein Mann lobte die saftige Konsistenz und die feine Säure. Seitdem steht das Rezept bei uns ziemlich regelmäßig auf dem Tisch – ob als spontaner Kuchen für den Nachmittagskaffee oder als Nachtisch nach dem Sonntagsessen. Es ist so herrlich unkompliziert, dass ich es auch oft einfach mal zwischendurch backe. Manchmal peppe ich es mit frischen Beeren auf oder bestäube die Oberfläche nur mit etwas Puderzucker, ganz je nach Lust und Laune.
Dieses Rezept ist für mich ein kleines Stück Familiengeschichte geworden – ein einfacher und liebevoller Kuchen, der ohne viel Aufwand Freude macht und bei dem wirklich jeder gerne zugreift. Oma Rosis Käsekuchen ohne Boden erinnert mich immer daran, wie schön es ist, wenn das Backen ganz ohne viel Schnickschnack auskommt und trotzdem alle begeistert sind. Und ich hoffe, dass auch ihr beim Nachbacken ein Stück dieses Wohlfühl-Gefühls bekommt!
Zutaten:
– 1 kg Quark (Magerquark oder 20 % Fett, je nach Vorliebe)
– 250 g Zucker
– 1 Päckchen Vanillezucker
– 4 Eier (Größe M)
– 100 g Butter, weich
– 3 EL Speisestärke (alternativ: Mehl)
– Saft und Abrieb einer halben unbehandelten Zitrone
– 200 ml Schlagsahne
– 1 Prise Salz
