Wer regelmäßig bei Lidl oder Aldi einkauft, kennt wahrscheinlich dieses kleine Gefühl von Stress an der Kasse. Man legt seine Sachen noch ganz entspannt auf das Band, greift nach der Einkaufstasche – und plötzlich piept es im Sekundentakt. Milch, Brot, Gemüse, Joghurt, Käse: Kaum hat man sich versehen, liegt der halbe Einkauf schon hinter dem Scanner und man versucht nur noch, alles irgendwie rechtzeitig einzupacken.
Ich habe mich dabei schon öfter gefragt, wie die Mitarbeiter das eigentlich schaffen. Man selbst sucht manchmal zehn Sekunden lang nach dem Barcode auf einer Packung, während erfahrene Kassierer einen Artikel nach dem anderen über die Scannerfläche ziehen, ohne sichtbar darüber nachzudenken.
Gerade bei Discountern fällt dieses Tempo besonders auf. In Berichten über den Einzelhandel ist immer wieder von hohen Scanleistungen die Rede, teilweise von ungefähr 30 Artikeln pro Minute. Solche Zahlen können je nach Land, Filiale, Kassensystem und internen Vorgaben unterschiedlich sein. Das Entscheidende ist aber sowieso nicht die exakte Zahl. Auffällig ist: Das schnelle Kassieren gehört bei Discountern ganz bewusst zum Geschäftsmodell.
Doch dahinter steckt wesentlich mehr als einfach nur „schnelle Hände“.
Die gesamte Kasse, die Verpackungen, die Arbeitsabläufe und sogar die Platzierung der Barcodes sind darauf ausgelegt, möglichst wenig Zeit pro Produkt zu verlieren.
Warum Geschwindigkeit für Discounter so wichtig ist
Der Grundgedanke eines Discounters ist relativ einfach: möglichst viele alltägliche Produkte zu günstigen Preisen verkaufen und dabei die laufenden Kosten niedrig halten.
Dazu gehört auch Personal.
Eine Supermarktkasse verursacht Kosten, solange sie besetzt ist. Wenn innerhalb einer Stunde deutlich mehr Kunden abgefertigt werden können, steigt die Produktivität der Filiale.
Ein schneller Kassenvorgang bedeutet außerdem kürzere Warteschlangen.
Das klingt zunächst nach einem reinen Vorteil für die Kunden. Und natürlich wartet niemand gerne zehn Minuten an der Kasse. Aber aus Sicht des Unternehmens steckt noch mehr dahinter.
Wenn eine Kassiererin beispielsweise einen Einkauf in zwei Minuten statt in drei Minuten abwickelt, macht diese eine Minute bei einem einzelnen Kunden kaum einen Unterschied.
Bei Hunderten Einkäufen pro Tag summieren sich solche Sekunden allerdings gewaltig.
Genau deshalb werden Arbeitsabläufe bei Discountern sehr genau organisiert.
Das beginnt lange vor dem eigentlichen Scannen.
Viele Waren bleiben beispielsweise direkt in ihren Lieferkartons im Regal. Statt jedes einzelne Produkt aufwendig einzuräumen, wird eine komplette Verpackung geöffnet und hingestellt.
