Auch das spart Arbeitszeit.
Das gleiche Prinzip findet man an der Kasse wieder.
Jede Bewegung, die nicht notwendig ist, kostet Zeit.
Ein guter Kassierer greift deshalb nicht erst nach dem Produkt, dreht es dreimal in der Hand, sucht den Barcode, hält es über den Scanner und legt es anschließend vorsichtig ab.
Bei vielen Produkten reicht eine einzige fließende Bewegung.
Greifen.
Über die Scannerfläche ziehen.
Ablegen.
Das passiert nach einigen Monaten praktisch automatisch.
Die Verpackungen helfen beim schnellen Scannen
Hier liegt eines der interessantesten Geheimnisse, das viele Kunden gar nicht bemerken.
Schaut euch beim nächsten Einkauf einmal einige Eigenmarkenprodukte eines Discounters genauer an.
Bei manchen Verpackungen befindet sich der Barcode nicht nur an einer winzigen Stelle.
Er kann besonders groß gedruckt sein oder mehrfach auf der Verpackung erscheinen.
Manchmal verläuft er sogar über einen größeren Bereich.
Der Hintergrund ist simpel: Die Kassiererin soll das Produkt möglichst selten drehen müssen.
Ein traditioneller Barcode auf einer kleinen Fläche funktioniert nur dann schnell, wenn genau diese Seite zum Scanner zeigt.
Befinden sich mehrere Codes auf der Verpackung oder ist die bedruckte Fläche besonders groß, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Scanner ihn bereits beim ersten Versuch erkennt.
Das spart vielleicht nur eine Sekunde.
Aber wieder gilt: Tausende Produkte ergeben Tausende eingesparte Sekunden.
Auch moderne Scanner spielen dabei eine große Rolle.
Früher musste ein Barcode relativ genau über eine bestimmte Stelle geführt werden.
Bei heutigen Kassensystemen erfassen mehrere Scanlinien beziehungsweise Kameras den Code aus unterschiedlichen Winkeln.
Deshalb sieht man erfahrene Mitarbeiter häufig nur eine kurze Bewegung machen.
Das Produkt muss nicht exakt positioniert werden.
Es bewegt sich durch den Scanbereich – und schon ertönt das Piepen.
Für einen Kunden wirkt das manchmal beinahe so, als hätte der Mitarbeiter den Barcode überhaupt nicht angesehen.
Oft hat er das tatsächlich nicht.
Nach genügend Erfahrung weiß man bei vielen Produkten ohnehin automatisch, wie man sie greifen muss.
Ein Liter Milch wird täglich dutzende Male verkauft.
Dasselbe gilt für Butter, Nudeln, Käse oder Getränke.
Nach einigen Wochen an der Kasse entwickelt sich eine Routine, die von außen erstaunlich aussieht.
Es ist ähnlich wie beim Tippen auf einer Tastatur.
Am Anfang sucht man jede Taste.
Später denkt man nicht mehr darüber nach.
Warum die Ablage hinter der Kasse oft so klein ist
Genau hier entsteht für viele Kunden der größte Stress.
Bei manchen klassischen Supermärkten gibt es hinter der Kasse eine relativ große Fläche, auf der sich die gescannten Produkte sammeln können.
Bei Discountern ist dieser Bereich oft deutlich kleiner.
Man könnte meinen, eine größere Ablage wäre angenehmer.
Das stimmt aus Kundensicht durchaus.
Aber eine kleine Ablage hat einen bestimmten Effekt: Die Produkte müssen unmittelbar weggenommen werden.
Dadurch entsteht praktisch ein kontinuierlicher Fluss.
Ware kommt vom Band.
Sie wird gescannt.
Der Kunde nimmt sie direkt weg.
Der nächste Artikel folgt.
Würde hinter dem Kassierer ein riesiger Bereich zur Verfügung stehen, könnten dort erst einmal zwanzig oder dreißig Produkte liegen. Das würde den Kunden weniger dazu bringen, sofort einzupacken.
Eine kompakte Kassenzone hält dagegen den gesamten Ablauf in Bewegung.
Bei Aldi ist dieses Prinzip traditionell besonders bekannt. Nach dem Bezahlen wird der Einkauf häufig nicht gemütlich direkt an der Kasse sortiert, sondern möglichst schnell in den Einkaufswagen gelegt.
Anschließend kann man an einer separaten Ablagefläche in Ruhe Taschen packen.
Das klingt im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber effizient.
Ich habe mir deshalb irgendwann angewöhnt, bei größeren Einkäufen gar nicht erst zu versuchen, alles perfekt direkt in die Tasche zu sortieren.
Schwere Sachen unten, empfindliche oben, Tiefkühlware zusammen – theoretisch klingt das schön.
Wenn allerdings alle zwei Sekunden das nächste Produkt kommt, wird daraus schnell Sport.
Also landet erst einmal alles halbwegs vernünftig im Wagen.
Später kann man sortieren.
Das macht den Kassiervorgang deutlich entspannter.
Die Kassierer lernen bestimmte Bewegungen
Bei erfahrenen Mitarbeitern sieht man häufig, dass ihre Bewegungen fast identisch aussehen.
Das ist kein Zufall.
Schnelles Kassieren besteht nicht daraus, hektisch mit den Armen zu arbeiten.
Im Gegenteil.
Wer unnötige Bewegungen macht, wird langsamer und ermüdet schneller.
Effizienz bedeutet, möglichst wenig Weg mit den Händen zurückzulegen.
Ein Produkt wird aufgenommen und in einer möglichst geraden Bewegung über den Scanner geführt.
Der nächste Artikel wartet bereits direkt dahinter.
Gleichzeitig muss der Mitarbeiter den Bildschirm im Blick behalten, mögliche Fehler erkennen, Alterskontrollen durchführen, lose Backwaren identifizieren und teilweise Obst- oder Gemüsesorten eingeben.
Und dann kommt noch der Kunde dazu.
„Ich habe noch einen Gutschein.“
„Die Butter war aber im Angebot.“
„Moment, ich habe es passend.“
„Kann ich doch mit Karte zahlen?“
„Ach, ich brauche noch eine Tüte.“
Genau deshalb ist die Arbeit an einer Kasse viel komplexer, als sie von außen manchmal wirkt.
Schnelles Scannen ist nur ein Teil davon.
Mitarbeiter müssen trotzdem aufmerksam bleiben.
Ein doppelt gescannter Artikel muss erkannt werden.
Rabatte müssen stimmen.
Bei bestimmten Waren muss das Alter geprüft werden.
Die Zahlung muss korrekt abgeschlossen werden.
Und währenddessen wartet möglicherweise bereits eine lange Schlange.
Nach einigen Monaten entsteht dabei zwangsläufig Routine.
Viele erfahrene Kassierer erkennen sogar Obst und Gemüse auf einen Blick und kennen die entsprechenden Nummern auswendig.
Ein neuer Mitarbeiter muss vielleicht noch nach der richtigen Sorte suchen.
Jemand mit Erfahrung tippt den Code ein, bevor der Kunde überhaupt merkt, dass das Produkt keinen Barcode trägt.
Sind wirklich 29 bis 32 Artikel pro Minute vorgeschrieben?
Solche konkreten Zahlen tauchen immer wieder in Berichten über Discounter auf.
Man sollte sie allerdings nicht als universelle Regel verstehen, die an jeder deutschen Kasse exakt gleich gilt.
Leistungskennzahlen können je nach Unternehmen, Region, Filiale und Zeitraum unterschiedlich aussehen.
Außerdem ist nicht jeder Kassenvorgang vergleichbar.
Ein Kunde mit dreißig identischen Joghurtbechern lässt sich anders abrechnen als jemand mit vielen Backwaren, Obstsorten, Gutscheinen und Rückfragen.
Auch bargeldloses Bezahlen kann anders lange dauern als jemand, der mehrere Minuten Kleingeld sucht.
Deshalb wäre es zu einfach zu sagen: Jeder Kassierer muss exakt eine bestimmte Anzahl Produkte pro Minute erreichen.
Klar ist aber, dass Geschwindigkeit und Produktivität im Discountgeschäft traditionell eine wichtige Rolle spielen.
Die Mitarbeiter werden nicht zufällig so schnell.
Kassensystem, Verpackungen, Training und Arbeitsorganisation unterstützen dieses Tempo.
Und wenn man jeden Tag mehrere Stunden kassiert, entwickelt sich die Geschwindigkeit automatisch weiter.
Warum Aldi und Lidl dabei besonders auffallen
Der Discountmarkt funktioniert anders als ein klassischer großer Supermarkt.
Ein Vollsortimenter kann zehntausende verschiedene Artikel anbieten.
Ein Discounter arbeitet traditionell mit einem stärker begrenzten Sortiment.
Weniger unterschiedliche Produkte bedeuten auch, dass Mitarbeiter dieselben Waren häufiger sehen.
Das verbessert wiederum die Routine.
Wenn ein Kassierer ein bestimmtes Produkt hundertmal pro Woche in der Hand hat, muss er irgendwann nicht mehr darüber nachdenken, wo der Barcode sitzt.
Dazu kommen viele Eigenmarken.
Der Händler hat bei eigenen Produkten mehr Einfluss auf Verpackungsdesign und Barcodeplatzierung.
Auch die gesamte Filiale ist auf Effizienz ausgelegt.
Man sieht das bereits beim Einräumen.
Große Kartons, klare Regalstrukturen und relativ einfache Präsentationen sparen Zeit.
Das gleiche Konzept zieht sich bis zur Kasse durch.
Daher entsteht diese typische Discount-Erfahrung: rein, einkaufen, schnell bezahlen, raus.
Natürlich unterscheiden sich moderne Filialen heute teilweise deutlich von den einfachen Discountern früherer Jahrzehnte. Backstationen, größere Frischebereiche, digitale Apps und Selbstbedienungskassen haben vieles verändert.
Das Grundprinzip hoher Effizienz bleibt aber bestehen.
Selbstbedienungskassen verändern den Ablauf
Interessanterweise lässt sich an Selbstbedienungskassen sehr gut erkennen, wie schnell professionelle Kassierer tatsächlich arbeiten.
Wer dort seinen eigenen Einkauf scannt, merkt plötzlich, dass 30 Artikel pro Minute gar nicht so einfach sind.
