Man fährt jeden Tag an unzähligen Straßenlaternen vorbei. Man achtet auf Ampeln, Verkehrsschilder, Fußgänger und andere Fahrzeuge – aber auf einen kleinen farbigen Streifen an einem Laternenmast?
Wahrscheinlich eher selten.
Genau deshalb sorgt das rot-weiße Band an manchen deutschen Straßenlaternen immer wieder für erstaunte Gesichter. Viele Autofahrer haben es schon einmal gesehen, ohne zu wissen, warum es dort angebracht wurde.
Ich hätte früher vermutlich ebenfalls gedacht, dass es sich um eine Markierung für Elektriker, Stadtwerke oder Wartungsarbeiten handelt.
Doch tatsächlich hat die Kennzeichnung mit der Straßenbeleuchtung zu tun.
Und für Autofahrer kann diese Information vor allem dann interessant werden, wenn das Fahrzeug über Nacht an einer solchen Straße abgestellt wird.
Denn nicht jede Straßenlaterne leuchtet die komplette Nacht.
Das klingt heute vielleicht ungewöhnlich. In vielen Städten sind wir daran gewöhnt, dass Straßen und Gehwege auch tief in der Nacht beleuchtet sind. Moderne LED-Technik und intelligente Steuerungen haben ebenfalls einiges verändert.
Trotzdem gibt es Straßenlaternen, die während bestimmter Nachtstunden abgeschaltet werden.
Und genau darauf kann diese Markierung hinweisen.
Die Idee dahinter ist eigentlich ziemlich logisch:
Ein Autofahrer stellt sein Fahrzeug am Abend am Straßenrand ab. Die Laternen sind eingeschaltet und das Auto ist dadurch gut sichtbar.
Einige Stunden später wird die Straßenbeleuchtung jedoch abgeschaltet.
Plötzlich steht dasselbe Fahrzeug im Dunkeln.
Je nach Straße und konkreter Situation kann dann die vorgeschriebene Fahrzeugbeleuchtung relevant werden.
Das kleine Schild beziehungsweise Band soll Autofahrer deshalb darauf aufmerksam machen, dass sie sich nicht darauf verlassen dürfen, dass diese Laterne die gesamte Nacht eingeschaltet bleibt.
Was mich daran besonders überrascht: Solche Hinweise gehören zu den Dingen, die viele Menschen irgendwann einmal in der Fahrschule gesehen haben dürften – und danach jahrelang nicht mehr bewusst wahrnehmen.
Das ist auch nachvollziehbar.
Während der Führerscheinausbildung lernt man innerhalb relativ kurzer Zeit eine enorme Menge an Regeln, Zeichen und Ausnahmen. Später begegnet man manchen davon ständig.
Andere vielleicht jahrelang überhaupt nicht.
Das rot-weiße Laternenzeichen gehört für viele eindeutig zur zweiten Kategorie.
Was bedeutet das rote Band tatsächlich?
Die Kennzeichnung weist auf eine Straßenlaterne hin, die nicht während der gesamten Dunkelheit eingeschaltet ist.
Traditionell handelt es sich dabei um ein rot-weiß-rotes Kennzeichen am Laternenmast.
Zusätzlich kann angegeben sein, zu welchen Zeiten die Laterne ausgeschaltet wird.
Das ist für Fußgänger zunächst nur eine Information.
Für jemanden, der sein Fahrzeug dort abstellt, kann sie jedoch wesentlich interessanter sein.
Denn die Straßenverkehrsregeln unterscheiden bei der Beleuchtung haltender beziehungsweise parkender Fahrzeuge unter anderem danach, ob das Fahrzeug innerhalb oder außerhalb geschlossener Ortschaften steht und ob es durch die vorhandene Straßenbeleuchtung ausreichend sichtbar ist.
Innerhalb geschlossener Ortschaften müssen abgestellte Fahrzeuge nicht in jeder Situation die ganze Nacht mit eigener Beleuchtung stehen.
Eine ausreichende Straßenbeleuchtung kann dafür sorgen, dass zusätzliche Fahrzeugbeleuchtung nicht notwendig ist.
Doch genau hier entsteht das Problem mit einer Laterne, die später ausgeschaltet wird.
Als man das Auto abgestellt hat, war die Straße hell.
Um zwei Uhr nachts ist sie es vielleicht nicht mehr.
Der Fahrer sollte deshalb wissen, dass er die nächtliche Beleuchtungssituation nicht ausschließlich anhand des Moments beurteilen kann, in dem er sein Auto abstellt.
Das erklärt auch, warum die Markierung überhaupt existiert.
Sie sagt im Grunde:
Achtung, diese Laterne leuchtet nicht die ganze Nacht.
Das ist deutlich weniger geheimnisvoll als manche Beiträge im Internet vermuten lassen – aber für Autofahrer trotzdem eine nützliche Information.
Interessant wird es bei der Frage, was man anschließend mit dieser Information anfangen soll.
Denn daraus folgt nicht automatisch, dass jedes Auto neben einer markierten Laterne zwingend die ganze Nacht mit Standlicht stehen muss.
Entscheidend ist die tatsächliche Situation.
Ist das abgestellte Fahrzeug auch ohne diese Laterne ausreichend sichtbar?
Gibt es andere Beleuchtung?
Wo genau steht das Fahrzeug?
Befindet man sich innerhalb einer geschlossenen Ortschaft?
Solche Details spielen eine Rolle.
Deshalb sind pauschale Aussagen wie „Rotes Band gesehen = Standlicht einschalten“ etwas zu einfach.
Der grundlegende Gedanke bleibt aber richtig: Wird eine für die Sichtbarkeit wichtige Straßenlaterne nachts abgeschaltet, darf man nicht so tun, als wäre das Fahrzeug weiterhin automatisch ausreichend beleuchtet.
Standlicht oder Parklicht – was ist eigentlich der Unterschied?
Auch diese beiden Begriffe werden häufig durcheinandergebracht.
Das Standlicht beziehungsweise Begrenzungslicht macht das Fahrzeug bei Dunkelheit sichtbar.
