Zartes Rindergulasch – Gulasch Rezept – emmikochteinfach.de
Vorgeschichte:
Manchmal sind es gerade die kleinen Zufälle, die in der Küche für große Überraschungen sorgen. So ging es mir mit diesem Rezept für zartes Rindergulasch. Eigentlich suchte ich an einem kühlen Herbstabend nach etwas, das die ganze Familie wärmt und satt macht – etwas, das herrlich duftet und nach Zuhause schmeckt. Während ich beim Sortieren alter Kochhefte und handschriftlicher Zettel meiner Mutter in den Schubladen meiner Küche stöberte, fiel mir ein vergilbtes Notizblatt mit dem Titel „Rindergulasch“ in die Hände. Das Papier war fast schon spröde, die Tinte leicht verblasst, doch der neugierige Funke war entfacht.
Ich erinnere mich noch genau, wie ich das Rezept zum ersten Mal ausprobierte. Die Küche wurde mit einem verführerischen Duft nach Paprika, Zwiebeln und langsam geschmortem Fleisch erfüllt, der sofort eine wohlige Stimmung schuf. Während das Gulasch vor sich hin köchelte, entfalteten sich die Aromen, die mich an gemütliche Sonntage bei meiner Oma erinnerten, wo wir uns alle am großen Holztisch versammelten und erwartungsvoll auf das Essen warteten.
Meine Kinder waren anfänglich skeptisch, denn Rindergulasch kannten sie bisher nur vom Essen her, wenn wir mal auswärts waren. Doch kaum hatten sie den ersten Löffel probiert, leuchteten ihre Augen auf. Für sie war dieser Geschmack ein Genuss, der einfach nur „Lecker“ bedeutete. Auch mein Mann, der normalerweise eher ein Fan von unkomplizierten Gerichten ist, war so begeistert, dass er gleich nach dem zweiten Teller fragte.
Seit diesem Abend wird dieses Rezept immer wieder gern gekocht. Was es für mich besonders macht, ist, wie es mit relativ einfachen Zutaten möglich ist, ein Gericht auf den Teller zu zaubern, das so viele schöne Erinnerungen weckt und gleichzeitig neuen Platz für eigene Geschichten schafft. Dieses Gulasch hat sich zu einem kleinen Familienklassiker entwickelt, der an kalten Tagen zur besten Seelennahrung wird.
Zutaten:
– 800 g Rindfleisch (am besten Schulter oder Wade, gut zum Schmoren geeignet)
– 3 mittelgroße Zwiebeln
– 3 Knoblauchzehen
– 2 rote Paprikaschoten
– 2 EL Tomatenmark
– 2 EL Paprikapulver edelsüß
– 1 TL Paprikapulver rosenscharf (je nach Geschmack mehr oder weniger)
– 500 ml Rinderbrühe
– 200 ml trockener Rotwein (optional, kann durch Brühe ersetzt werden)
– 3 EL Pflanzenöl oder Butterschmalz zum Anbraten
– 2 Lorbeerblätter
– 1 TL Majoran getrocknet
– Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
– 1 Prise Zucker
– 1 EL Mehl (zum Andicken)
– Frische Petersilie (zum Garnieren)
Zubereitung:
Zunächst einmal ist es ganz wichtig, das Rindfleisch in gleichmäßige Würfel von etwa 3 cm Kantenlänge zu schneiden. Dabei nimmt man Stücke, die etwas mehr Bindegewebe haben – genau die werden nach langem Schmoren richtig zart und saftig. Das Fleisch sollte auf Zimmertemperatur gebracht werden, damit es nicht eiskalt in die Pfanne kommt und somit flüssige Brühe austritt, sondern schön anbrät.
Als nächstes bereitet man das Gemüse vor: Die Zwiebeln werden geschält und in feine Würfel geschnitten, ebenso der Knoblauch, der ganz fein gehackt wird, sodass er später kaum störend auffällt, aber seine aromatische Würze perfekt verteilt. Die Paprikaschoten werden entkernt und in mundgerechte Stücke geschnitten, die später dem Gericht etwas Biss und Frische verleihen.
In einem großen schweren Topf oder Bräter erhitzt man das Öl oder das Butterschmalz. Sobald es richtig heiß ist, wird das Fleisch portionsweise hineingesetzt. Es sollte nicht auf einmal reingeworfen werden, damit das Fleisch genügend Raum hat und nicht einfach nur dämpft, sondern kräftig anbrät. Dabei entstehen diese wunderbaren Röstaromen, die für den Geschmack des Gulaschs so wichtig sind. Die Fleischwürfel sollten rundherum eine goldbraune Kruste bekommen. Hat man alle Portionen angebraten, legt man sie kurz auf einen Teller zur Seite.
Im gleichen Topf lässt man nun die Zwiebeln bei mittlerer Hitze glasig werden. Das kann gut 10 Minuten dauern – Geduld ist hier gefragt, denn eine langsam angebratene Zwiebel entwickelt einen intensiven, süßlichen Geschmack, der sich im fertigen Gulasch wunderbar bemerkbar macht. Wenn die Zwiebeln schön weich und durchsichtig sind, gibt man den gehackten Knoblauch hinzu und brät ihn kurz mit an, bis er anfängt zu duften.
Jetzt kommt das Tomatenmark dazu, das ebenfalls kurz mitgeröstet wird, damit es nicht roh schmeckt. Anschließend werden die Paprikapulver sorgfältig untergerührt – sowohl die edelsüße als auch die rosenscharfe Variante, je nachdem wie würzig man es möchte. Das Paprikapulver entfaltet sein Aroma viel besser, wenn es kurz angeröstet wird, bevor Flüssigkeit dazugegeben wird.
Dann gibt man die angebratenen Fleischstücke zurück in den Topf, rührt alles gut durch und löscht mit dem Rotwein ab. Wer keinen Wein nehmen möchte, kann ihn natürlich einfach durch Rinderbrühe ersetzen. Mit einem Holzlöffel löst man alle angebrannten Stückchen vom Topfboden, denn genau darin steckt der Geschmack des Gulaschs. Nun gießt man die restliche Brühe hinzu und gibt die Lorbeerblätter und den Majoran dazu. Ein wenig Salz und Pfeffer sorgen für die Grundwürze, und eine Prise Zucker sorgt dafür, dass die Säure der Tomaten und des Paprikapulvers gut ausbalanciert wird.
Jetzt heißt es: Zeit lassen! Das Gulasch muss bei kleiner bis mittlerer Hitze mindestens 90 Minuten lang schmoren, besser sogar zwei Stunden. Das langsame Köcheln bei geschlossenem Deckel macht das Fleisch butterzart und lässt die Aromen wunderbar verschmelzen. Zwischendurch kann man vorsichtig umrühren, aber nicht zu oft – einfach so, dass nichts ansetzt.
Wenn das Fleisch fast fertig ist, kontrolliert man noch einmal die Konsistenz der Soße. Sollte sie zu dünn sein, kann man die Soße mit etwas Mehl, das zuvor in kaltem Wasser angerührt wurde (eine sogenannte „Mehlbutter“ oder Einbrenn), andicken. Dazu gibt man die angedickte Flüssigkeit langsam in das Gulasch und lässt es noch einige Minuten aufkochen, bis die gewünschte Sämigkeit erreicht ist.
Am Ende schmeckt man das Gulasch noch einmal mit Salz, Pfeffer und eventuell etwas Paprikapulver ab. Die Lorbeerblätter entfernt man vor dem Servieren unbedingt. Frisch gehackte Petersilie darüber gestreut sorgt für ein angenehmes Farbspiel und einen frischen Kontrast.
Tipps und Varianten:
Gulasch ist ein wahres Allround-Gericht, das sich je nach Geschmack und Anlass wunderbar abwandeln lässt. Wer zum Beispiel ein bisschen mehr Gemüse mag, kann zusätzlich Karotten, Sellerie oder Champignons mit in den Topf geben. Diese sorgen für eine leicht süßliche Note und mehr Biss. Wer einen intensiveren Geschmack bevorzugt, kann auch einen kleinen Schuss Balsamico-Essig oder ein wenig Paprikapulver geräuchert dazugeben – das bringt eine rauchige Tiefe.
Auch die Wahl des Fleisches ist variabel. Während Rinderschulter klassisch ist, kann man für ein zarteres Ergebnis Rinderwade oder sogar Rinderbraten verwenden. Wichtig ist, dass das Fleisch gut zum Schmoren geeignet ist, also nicht zu mager und eher durchwachsen. Rindergulasch schmeckt übrigens auch wunderbar, wenn man es mit Schweinefleisch mischt, was die etwas feinere Note schön ergänzt.
Die Aufbewahrung des Gulaschs ist denkbar einfach: In einem luftdichten Behälter hält es sich im Kühlschrank 2–3 Tage, und beim Aufwärmen werden die Aromen sogar noch intensiver, weshalb Gulasch am zweiten Tag oft noch besser schmeckt. Für längere Lagerung eignet sich das Einfrieren prima – portionsweise eingefroren lässt es sich jederzeit schnell auftauen und genießen.
Zum Servieren harmoniert das Gulasch hervorragend mit klassischen Beilagen wie Kartoffelpüree, Spätzle oder einfachen Salzkartoffeln. Auch ein frisch gebackenes Bauernbrot oder ein leichtes Sauerkraut passen toll dazu. Für Festtage kann man das Gulasch sogar mit selbstgemachten Knödeln und einem frischen Salat kombinieren.
Wer es gerne etwas schneller möchte, kann die Garzeit in einem Schnellkochtopf deutlich verkürzen, dabei aber darauf achten, dass das Fleisch schön zart wird und die Soße die richtige Konsistenz erhält.
Ein kleiner Fehler, den man vermeiden sollte, ist das „Überwürzen“ zu Beginn. Es ist besser, die Hauptwürze erst später anzupassen, da sich die Aromen während des langen Kochens stark konzentrieren und sonst das Gericht schnell zu salzig oder zu scharf werden könnte.
Dieses Gulasch eignet sich prima für gemütliche Familienessen an kühlen Tagen, aber auch zum Auftischen bei Freunden, die ein kräftiges, bodenständiges Gericht schätzen. Es bringt Wärme und Geborgenheit an den Tisch und ist so vielseitig, dass es sowohl im Alltag als auch am Wochenende zu einem echten Lieblingsessen werden kann.
Abschließend mag ich sagen, dass dieses Rezept für mich ein Schatz ist. Es zeigt, dass mit ein wenig Geduld, guten Zutaten und ganz viel Liebe in der Küche wahre Magie entstehen kann – und das Ergebnis ist ein unvergleichlich zartes Rindergulasch, das einfach jeder lieben wird.
