10.02.2026

Was man nach einem Abschied besser loslässt – Gedanken einer ganz normalen Frau über Erinnerungen, Dinge und inneren Frieden

Es gibt Momente im Leben, auf die man sich nicht vorbereiten kann, egal wie organisiert oder vorausschauend man ist. Der Abschied von einem nahestehenden Menschen gehört ganz sicher dazu. Plötzlich ist da nicht nur die Leere, die Stille, das Vermissen, sondern auch ganz viel ganz Praktisches. Schränke, Schubladen, Kisten, Regale. Dinge, die bleiben, obwohl der Mensch gegangen ist. Und genau darüber spricht kaum jemand offen – darüber, wie schwer es sein kann, zu entscheiden, was man behält und wovon man sich trennen sollte.

Ich schreibe das nicht als Expertin, nicht als Psychologin, sondern als ganz normale Frau, die selbst durch diesen Prozess gegangen ist. Mit Tränen in den Augen, mit Pausen zwischendurch, mit Tagen, an denen ich eine Schublade geöffnet und sofort wieder geschlossen habe, weil es einfach zu viel war. Und ich weiß: Vielen geht es genauso.

Am Anfang denkt man oft, man müsse alles behalten. Jeder Gegenstand scheint wichtig. Jede Kleinigkeit trägt eine Erinnerung in sich. Der alte Schal, der Lieblingsbecher, die halbvolle Creme im Bad. Man sagt sich: „Das kann ich doch nicht wegwerfen.“ Und das ist auch völlig in Ordnung – zumindest am Anfang. Trauer braucht Zeit, und niemand sollte sich drängen lassen.

Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass nicht alles, was bleibt, auch gut für einen ist. Manche Dinge halten uns fest, statt uns zu stützen. Manche Gegenstände wirken leise weiter, belasten, erinnern an Schmerz, an offene Fragen, an Dinge, die man nicht ändern kann. Und genau deshalb ist es wichtig, irgendwann bewusst hinzuschauen.

Es gibt Dinge, die sollte man wirklich nicht aufbewahren – nicht aus Respektlosigkeit, sondern aus Verantwortung sich selbst gegenüber.

In vielen Haushalten finden sich zum Beispiel Medikamente, Salben, Tropfen oder Tabletten, die niemand mehr braucht. Gerade nach einem Todesfall bleibt oft vieles ungeordnet zurück. Alte Rezepte, angebrochene Packungen, Mittel, deren Zweck man gar nicht mehr genau kennt. So schwer es fällt: Diese Dinge gehören nicht in den Alltag. Abgelaufene Medikamente können gefährlich sein, falsche Einnahmen ebenso. Ich habe mir Hilfe geholt, bin zur Apotheke gegangen und habe gefragt, was entsorgt werden sollte. Allein dieser Schritt hat mir ein Stück Sicherheit zurückgegeben.

Ähnlich ist es mit Reinigungsmitteln, Farben, Lösungsmitteln oder alten Chemikalien. Viele stehen jahrelang ungenutzt in Kellern oder Abstellräumen. Man denkt: „Vielleicht braucht man das noch.“ Aber ehrlich gesagt: Meistens braucht man es nicht. Und oft weiß man nicht einmal mehr, was genau sich in der Flasche befindet. Hier geht es nicht um Erinnerungen, sondern um Gesundheit. Loslassen ist in diesem Fall kein Verlust, sondern Schutz.

Dann gibt es die Dinge, die auf den ersten Blick harmlos wirken: alte Lebensmittel, Gewürze, Tees, eingefrorene Reste, Pflanzen. Gerade nach einem Abschied bleibt der Alltag manchmal stehen, und man übersieht solche Kleinigkeiten. Doch sie entwickeln Gerüche, ziehen Ungeziefer an oder sorgen einfach für ein Gefühl von Unordnung. Ich habe gemerkt, wie sehr ein aufgeräumter Raum auch den Kopf entlastet. Es ist kein Verrat an der Erinnerung, wenn man Platz schafft. Es ist Fürsorge für sich selbst.

Besonders schwierig fand ich den Umgang mit Unterlagen. Papiere, Verträge, Briefe, Dokumente. Manche davon sind wichtig, andere haben nur emotionalen Wert, wieder andere können rechtliche Folgen haben, wenn man sie einfach liegen lässt. Ich habe mir Zeit genommen, alles zu sortieren. Schritt für Schritt. Manchmal mit Unterstützung, manchmal alleine. Wichtig war für mich, nichts zu überstürzen, aber auch nichts ewig aufzuschieben. Klarheit bringt Ruhe – auch wenn der Weg dahin mühsam ist.