Eines Abends, als ich das Briam wieder einmal machte, hatte ich Gäste eingeladen, die sonst eher skeptisch sind, wenn es um vegetarische Gerichte geht. Sie kamen mit einem Lächeln, aber auch mit dieser typischen Frage: „Gibt’s heute wirklich kein Fleisch?“ Ich nickte nur und sagte: „Wartet ab.“ Als ich das Briam aus dem Ofen holte, stieg dieser unverwechselbare Duft auf – herzhaft, würzig, leicht süßlich vom Gemüse. Ich servierte es auf großen Tellern, mit etwas Feta und einem Spritzer Zitronensaft darüber. Nach dem ersten Bissen wurde es still am Tisch. Dann sagte einer: „Wenn Gemüse so schmeckt, brauche ich kein Fleisch mehr.“ Ich musste lachen.
Das Schöne an diesem Gericht ist, dass es immer gelingt. Es ist fast unmöglich, es zu ruinieren – selbst wenn man die Mengen nicht genau abmisst oder das Gemüse etwas länger im Ofen lässt. Je länger es backt, desto intensiver werden die Aromen. Das Olivenöl sorgt dafür, dass alles saftig bleibt, und die Kräuter geben dem Ganzen diesen typischen griechischen Charakter.
Auch am nächsten Tag schmeckt das Briam fast noch besser. Ich bewahre die Reste im Kühlschrank auf, und wenn man es am nächsten Tag aufwärmt – ob im Ofen oder in der Pfanne – sind die Aromen noch tiefer, das Gemüse noch weicher, die Sauce noch aromatischer. Manchmal fülle ich den Rest in Wraps oder esse ihn kalt als mediterranen Salat. Es gibt unzählige Möglichkeiten, dieses Gericht neu zu interpretieren.
Ich erinnere mich an einen Sommer, als wir Freunde zu einem kleinen Gartenfest eingeladen hatten. Es war heiß, die Sonne stand tief, und ich hatte keine Lust, den Grill anzuwerfen. Stattdessen bereitete ich drei große Auflaufformen Briam vor. Während es im Ofen schmorte, hatte ich Zeit, den Tisch draußen zu decken, Wein einzuschenken und Musik anzumachen. Als ich das Briam servierte, kamen alle sofort näher, weil der Duft einfach unwiderstehlich war. Eine Freundin sagte: „Das sieht aus, als wäre es aus einem griechischen Kochbuch!“ Und ich antwortete: „Nein, es ist einfach das, was man mit ein paar Kartoffeln, Zucchini und etwas Liebe zaubern kann.“
Viele unterschätzen, wie raffiniert einfaches Gemüse sein kann. Aber genau das ist die Magie dieses Rezepts: Jede Zutat hat ihren Moment. Die Kartoffeln geben Substanz, die Zucchini bringen Frische, die Aubergine sorgt für Tiefe, die Tomaten bringen Saftigkeit, und der Knoblauch fügt diese Wärme hinzu, die alles verbindet. Zusammen ergeben sie ein harmonisches Ganzes, das nicht nur satt macht, sondern auch ein Gefühl von Zufriedenheit hinterlässt.
Wenn ich heute an Briam denke, denke ich nicht nur an ein Gericht. Ich denke an Abende voller Lachen, an das Klingen von Gläsern, an den Duft, der aus der Küche kam, während draußen der Sommerwind durch die Fenster zog. Ich denke an Gespräche über das Leben, an Freunde, die sagten: „Kannst du uns das Rezept schicken?“ – und an meinen Mann, der immer wieder sagt: „Mach das bitte wieder.“
Das ist das Schöne an der Küche: Sie erzählt Geschichten. Und dieses Briam erzählt meine. Von einem Abend, an dem ich eigentlich nichts Besonderes kochen wollte – und am Ende etwas geschaffen habe, das alle begeistert hat. Es ist ein Rezept, das zeigt, dass Einfachheit manchmal die größte Form von Genuss ist.
Wenn du also das nächste Mal vor deinem Kühlschrank stehst und dich fragst, was du aus ein paar Kartoffeln, Zucchini und Tomaten zaubern kannst – denk an dieses Rezept. Es wird nicht nur deinen Hunger stillen, sondern auch dein Herz wärmen. Und wer weiß – vielleicht wird auch jemand neben dir sagen: „Das schmeckt wie im Urlaub.“
Denn genau das ist Briam: Ein Stück Sonne, eingefangen in einer Auflaufform, das deine Küche mit Leben erfüllt. Es braucht keine komplizierten Worte, keine teuren Zutaten – nur ein bisschen Zeit, Geduld und Liebe. Und am Ende steht da ein Gericht, das nicht nur satt macht, sondern glücklich.
Und vielleicht, ganz vielleicht, wirst du – so wie ich – merken, dass du mit diesem einfachen Ofengemüse mehr geschaffen hast, als du wolltest. Nämlich einen kleinen Moment von Glück.
