In dieser Zeit bereite ich die Roux vor – das ist die Mehlschwitze, die der Soße ihre cremige Bindung gibt. Ich nehme einen kleineren Topf, schmelze die Butter darin vorsichtig bei mittlerer Hitze und rühre dann das Mehl gründlich unter. Es ist wichtig, dass die Mehlschwitze ganz ohne Klümpchen entsteht, deshalb wird hier ständig und gründlich gerührt, bis sich eine fein-cremige Masse bildet, die leicht anfängt, einen nussigen Duft zu verströmen. Genau dann gieße ich vorsichtig die Sahne langsam unter Rühren hinzu – erst ein bisschen, dann immer mehr, damit eine schöne glatte Soße entsteht.
Nun noch eine Prise Salz, frisch gemahlenen Pfeffer und die Muskatnuss, gerade so viel, wie eine kleine Wolke aus der Muskatreibe ergibt. Wer mag, kann jetzt auch das Eigelb einrühren, das gibt der Soße eine zarte, samtige Textur. Vorsichtig erwärme ich alles ein letztes Mal, aber darauf achten, dass die Soße nicht kocht – sonst gerinnt das Ei.
Sind die Zutaten in der Brühe schön weich und das Fleisch zart, wird die Stärke der Soße durch das Hinzufügen der Sahne-Mehl-Mischung ganz wunderbar spürbar. Jetzt noch den Zitronensaft dazugeben, das gibt dem Gericht diesen kleinen, frischen Kick, der die Sahne auflockert und das Geschmackserlebnis abrundet. Er sollte jedoch vorsichtig dosiert werden, damit die Soße nicht sauer wird.
Zum Schluss werden die Erbsen hinzugefügt – ich bevorzuge frische, doch tiefgekühlte tun es auch. Die Erbsen brauchen nur noch ein paar Minuten, um warm zu werden. Zum Aufräumen und zum Krönen des Hünerfrikassees hacke ich eine Bündel frische Petersilie, die über das fertige Gericht gestreut wird und jedem Teller diesen wunderschönen frisch-grünen Farbtupfer verleiht.
Das fertige Frikassee ist nun bereit zum Servieren. Ich habe oft beobachtet, dass ein Klacks Reis oder auch Kartoffeln hervorragend dazu passen, denn sie nehmen die herrliche Soße wunderbar auf.
Tipps und Varianten:
Dieses einfache Hünerfrikassee lässt sich ganz wunderbar variieren. Wer es gern etwas frischer mag, kann neben Petersilie auch ein paar Blätter Schnittlauch oder sogar Dill hinzufügen. Auch ein kleiner Schuss Weißwein in der Brühe bringt eine raffinierte Note und macht das Gericht noch aromatischer.
Für alle, die sich vegetarisch ernähren oder keine Lust auf Fleisch haben, kann ich empfehlen, das Hünerfrikassee mit Austernpilzen oder Tofu zu probieren. Die Pilze bieten eine schöne fleischige Konsistenz und saugen die Soße prächtig auf.
Falls die Zeit mal knapp sein sollte, funktioniert das Rezept auch mit bereits gekochtem Hühnchenfleisch vom Vortag oder einem Rest Brathähnchen – einfach Würfel schneiden und gegen Ende der Garzeit zugeben, damit das Fleisch seine zarte Konsistenz behält.
Aufbewahren kann man das Frikassee wunderbar im Kühlschrank – in einem luftdichten Behälter hält es sich 2-3 Tage. Zum Aufwärmen empfehle ich, einen Teil der Soße mit warmem Wasser oder Brühe zu verdünnen, falls sie zu fest geworden ist. Am besten rührt man das Frikassee langsam bei mittlerer Hitze auf dem Herd wieder heiß. Die Mikrowelle geht natürlich auch, aber da bin ich manchmal vorsichtig, weil es schnell trocken wird.
Das Gericht eignet sich super für gemütliche Familienessen unter der Woche, wenn man etwas Schnelles, aber doch Besonderes auf den Tisch bringen möchte. Genauso gut passt es aber auch zu einem kleinen Festtagsmittagessen mit Gästen, denn es ist klassisch, lecker und erfreut die meisten Gaumen.
Wer Hünerfrikassee zum ersten Mal kocht, sollte darauf achten, das Hähnchen nicht zu lange zu garen, damit es schön zart bleibt und nicht zu trocken wird. Auch das Anrühren der Mehlschwitze braucht etwas Geduld und Sorgfalt – lieber langsam und gründlich rühren, das macht eine leckere Cremigkeit aus.
Ich selbst kombiniere das Frikassee gerne mit frisch gekochtem, lockerem Langkornreis, manchmal gibt es auch kleine Kartoffelklöße dazu. Dazu passt ein frischer gemischter Salat genauso gut wie ein Glas leichter Weißwein, wenn man den Abend etwas feierlicher gestalten möchte. Für die Kinder gibt es oft noch ein Stück Butterbrot dazu, um die herrliche Soße aufzutunken – das sorgt immer für strahlende Gesichter am Esstisch.
Dieses Hünerfrikassee ist für mich so viel mehr als nur ein Gericht. Es ist ein kleines Wohlfühlpaket, das nette Erinnerungen weckt, das Herz wärmt und an manchen Tagen ein Stück geborgene Heimat auf den Teller bringt. Es lässt sich einfach zubereiten, schmeckt liebevoll und macht jeden Biss zu einem kleinen Genussmoment. Genau deshalb hat es seinen festen Platz in meinem Repertoire und ich bin mir sicher, dass es bei vielen anderen genauso gut ankommt.
Ich wünsche viel Freude beim Nachkochen und viele schöne gemeinsame Stunden mit diesem herrlich unkomplizierten Hünerfrikassee!
