13.10.2026

Eine halbe Tasse am Morgen? Was hinter dem alten Magnesium-Tipp wirklich steckt

Es gibt solche Tipps, die einem irgendwann begegnen und dann im Kopf bleiben. Bei mir war es die Geschichte von einem einfachen Mineralstoffgetränk, von dem angeblich schon eine kleine Menge am Morgen ausreichen soll, damit man sich ausgeglichener, weniger erschöpft und insgesamt wohler fühlt. Im Internet werden daraus schnell große Versprechen: weniger Schmerzen, bessere Nerven, ruhigerer Schlaf und sogar Hilfe bei Diabetes, Angstzuständen oder Depressionen. Genau bei solchen Aussagen werde ich allerdings vorsichtig. Kein Getränk und kein einzelner Mineralstoff kann ernsthafte Erkrankungen einfach „wegtrinken“. Trotzdem steckt hinter dem Thema Magnesium etwas Interessantes, denn der Mineralstoff erfüllt tatsächlich wichtige Aufgaben im menschlichen Körper.

Magnesium benötigen wir unter anderem für eine normale Funktion von Muskeln und Nervensystem, für zahlreiche Stoffwechselvorgänge und für die Erhaltung normaler Knochen. Fehlt es tatsächlich, können Beschwerden auftreten. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass Müdigkeit, Schmerzen, Nervosität oder schlechter Schlaf immer durch Magnesiummangel verursacht werden. Gerade deshalb wollte ich genauer wissen, was an diesem alten Hausmittel dran ist und wie man es vernünftig verwendet, ohne daraus ein angebliches Wundermittel zu machen.

Warum Magnesium überhaupt so wichtig ist

Magnesium gehört zu den Mineralstoffen, die unser Körper nicht selbst herstellen kann. Wir müssen es deshalb regelmäßig über die Nahrung aufnehmen. Gute Quellen sind beispielsweise Nüsse und Samen, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und verschiedene grüne Gemüsearten.

Normalerweise lässt sich der Bedarf mit einer abwechslungsreichen Ernährung gut decken. Trotzdem greifen viele Menschen zusätzlich zu Magnesiumpräparaten. Besonders bekannt sind Magnesiumcitrat, Magnesiumoxid und Magnesiumchlorid.

Und genau Magnesiumchlorid taucht immer wieder in alten Hausrezepten auf.

Das Interessante daran ist, dass Magnesium an sehr vielen Vorgängen im Körper beteiligt ist. Muskeln benötigen es ebenso wie Nerven. Auch beim Energiestoffwechsel spielt es eine Rolle. Deshalb können die Auswirkungen eines echten Mangels recht unterschiedlich sein.

Das Problem beginnt dort, wo aus dieser Tatsache der Umkehrschluss gemacht wird: Wenn Magnesium wichtig für Muskeln ist, müsse zusätzliches Magnesium automatisch Muskelschmerzen beseitigen. Wenn es für das Nervensystem benötigt wird, müsse mehr Magnesium automatisch gegen Angst helfen.

So einfach funktioniert unser Körper leider nicht.

Wer ausreichend mit Magnesium versorgt ist, bekommt durch immer größere Mengen nicht automatisch immer größere Vorteile. Und Beschwerden wie starke oder anhaltende Schmerzen, depressive Symptome oder auffällige Veränderungen des Blutzuckers gehören medizinisch abgeklärt und nicht mit einem Internetrezept selbst behandelt.

Trotzdem kann es sinnvoll sein, einmal einen Blick auf die eigene Ernährung zu werfen.

Das Getränk, über das so viele sprechen

Das traditionelle Rezept wird häufig als konzentrierte Magnesiumchlorid-Lösung beschrieben. Dabei wird Magnesiumchlorid in Wasser aufgelöst und anschließend nur eine kleine, genau bemessene Menge dieser Lösung verwendet.

Und hier liegt ein wichtiger Punkt, der in vielen Internetrezepten fehlt: Magnesiumchlorid sollte nicht einfach nach Gefühl dosiert werden.

Wie viel elementares Magnesium eine bestimmte Menge enthält, hängt vom konkreten Produkt und dessen Konzentration ab. Deshalb halte ich nichts von Anleitungen wie „zwei Esslöffel Pulver in ein Glas geben und jeden Morgen trinken“. Je nach Produkt können damit vollkommen unterschiedliche Mengen Magnesium aufgenommen werden.

Wer Magnesiumchlorid als Nahrungsergänzung verwenden möchte, sollte deshalb ein ausdrücklich zur Einnahme geeignetes Produkt verwenden und sich an die Dosierungsangabe des Herstellers halten.

Technisches Magnesiumchlorid oder Produkte, die beispielsweise ausschließlich für Bäder gedacht sind, gehören nicht automatisch ins Trinkglas.

Ich persönlich würde es noch einfacher machen: Statt irgendeine selbst berechnete konzentrierte Mischung herzustellen, würde ich die vorgesehene Tagesportion eines zur Einnahme zugelassenen Magnesiumprodukts entsprechend der Packungsanweisung in Wasser geben.