Es gibt Gerichte, die begleiten uns durch alle Lebensphasen, ohne dass wir ihnen jemals besondere Aufmerksamkeit schenken. Pommes gehören für mich genau dazu. Sie waren einfach immer da. Als Kind auf dem Jahrmarkt, später im Schwimmbad, irgendwann schnell aus der Tiefkühltruhe, wenn keine Zeit war, groß zu kochen. Pommes waren nie etwas Besonderes, eher selbstverständlich. Und genau deshalb habe ich sie lange unterschätzt. Erst als ich älter wurde und anfing, bewusster zu essen, merkte ich, dass ich Pommes eigentlich liebe – nur nicht das Gefühl danach. Dieses Schwere, dieses „eigentlich hätte ich das jetzt nicht gebraucht“, dieses schlechte Gewissen, das sich leise dazugesellt.
Als dann die Heißluftfritteuse bei uns einzog, war ich zunächst skeptisch. Pommes ohne Fritteuse? Ohne dieses typische Blubbern von Öl, ohne den Geruch, der sich in der ganzen Wohnung festsetzt? Ich hatte niedrige Erwartungen. Aber manchmal sind es genau diese kleinen Alltagsversuche, die einen überraschen. Die ersten selbstgemachten Pommes aus dem Airfryer waren nicht perfekt. Sie waren essbar, ja, aber noch nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Mal zu weich, mal zu trocken, mal ungleichmäßig gebräunt. Und trotzdem ließ mich das Thema nicht los. Weil ich spürte, dass da Potenzial ist.
Mit der Zeit habe ich gelernt, dass gute Pommes nichts mit viel Fett oder komplierten Tricks zu tun haben. Sie brauchen Geduld, die richtigen Kartoffeln und ein bisschen Gefühl. Und vielleicht auch die Bereitschaft, alte Gewohnheiten loszulassen. Heute sind diese Airfryer-Pommes fester Bestandteil unseres Alltags. Nicht als Ausnahme, sondern als ganz normales Essen. Sie passen zu vielem, manchmal sind sie sogar das Hauptgericht. Und jedes Mal, wenn ich sie aus dem Airfryer hole, knusprig, goldgelb, duftend, denke ich mir: Mehr braucht es eigentlich nicht.
Diese Pommes sind kein Ersatz, kein Kompromiss und keine Diät-Version. Sie sind einfach Pommes. Ehrlich, hausgemacht, mit Zutaten, die jeder kennt. Und genau deshalb liebe ich sie.
Zutaten
800 g mehligkochende Kartoffeln
2 EL Pflanzenöl
1 TL Paprikapulver (optional)
½ TL Salz
Zubereitung
Ich beginne immer mit den Kartoffeln. Nicht hastig, nicht nebenbei, sondern bewusst. Gute Pommes fangen bei der Auswahl an. Mehligkochende Kartoffeln sind für mich ideal, weil sie innen weich werden und außen schön knusprig. Ich schäle sie, wasche sie gründlich und schneide sie dann in gleichmäßige Stifte. Nicht zu dünn, nicht zu dick. Gleichmäßigkeit ist hier wirklich entscheidend, denn nur so garen alle Pommes gleichzeitig und werden am Ende gleichmäßig knusprig.
Nachdem die Kartoffeln geschnitten sind, lege ich sie für etwa zwanzig bis dreißig Minuten in kaltes Wasser. Dieser Schritt klingt vielleicht überflüssig, macht aber einen großen Unterschied. Durch das Wässern wird überschüssige Stärke entfernt, und genau das sorgt später für die bessere Knusprigkeit. Während die Kartoffeln im Wasser liegen, habe ich Zeit, die Küche aufzuräumen oder einfach kurz durchzuatmen. Auch das gehört für mich zum Kochen dazu.
Nach dem Wässern gieße ich die Kartoffeln ab und trockne sie gründlich. Wirklich gründlich. Ich lege sie auf ein sauberes Küchentuch und tupfe sie ab, bis sie möglichst trocken sind. Feuchtigkeit ist der größte Feind von knusprigen Pommes. Erst wenn sie trocken sind, kommen sie in eine große Schüssel. Dort gebe ich das Pflanzenöl dazu. Nicht mehr. Zwei Esslöffel reichen völlig aus. Ich mische alles gut durch, sodass jede Kartoffel leicht benetzt ist, aber nichts schwimmt.
Wenn ich Lust auf Würze habe, gebe ich jetzt das Paprikapulver dazu. Manchmal edelsüß, manchmal etwas schärfer, je nach Stimmung. Salz kommt bei mir meist erst nach dem Backen dazu, damit es die Feuchtigkeit nicht zu früh aus den Kartoffeln zieht. Aber auch hier gibt es kein Dogma. Kochen darf flexibel sein.
Nun heize ich den Airfryer auf etwa 190 Grad vor. Währenddessen verteile ich die Kartoffeln im Korb. Sie sollten möglichst in einer Schicht liegen oder zumindest nicht übereinanderkleben. Lieber in zwei Durchgängen backen als alles auf einmal. Geduld zahlt sich hier wirklich aus. Die Pommes kommen in den Airfryer und backen dort etwa 20 bis 25 Minuten. Alle zehn Minuten schüttle ich den Korb oder rühre die Pommes vorsichtig um. So bekommen sie von allen Seiten Hitze und werden gleichmäßig goldbraun.
Gegen Ende der Garzeit schaue ich genau hin. Jede Heißluftfritteuse ist ein bisschen anders, und Pommes mögen Aufmerksamkeit. Wenn sie die gewünschte Farbe haben, nehme ich sie heraus. Erst jetzt salze ich sie. Das Salz haftet besser an der heißen Oberfläche, und der Geschmack ist intensiver.
Wenn ich die Pommes auf den Tisch stelle, ist es jedes Mal ein kleiner Moment. Dieses Geräusch, wenn man hineingreift, dieses Knuspern beim ersten Biss. Außen knusprig, innen weich. Genau so, wie Pommes sein sollen. Ohne Fettfilm, ohne Schwere, ohne schlechtes Gewissen.
