13.10.2026

Diese simple Bad-Gewohnheit kostet dich jährlich 36.000 Liter Wasser

Warum ich nicht mehr nach jedem Toilettengang spüle: Eine Geschichte über Wasser, Gewohnheiten und Aha-Momente

Wenn ich heute zur Toilette gehe, fühlt sich etwas ganz Alltägliches nicht mehr ganz so gewöhnlich an. Ich drücke nicht mehr automatisch auf die Spülung – zumindest nicht nach jedem kleinen Toilettengang. Und das hat einen Grund, der weit mehr mit Verantwortung und Nachdenken zu tun hat als mit Bequemlichkeit oder Nachlässigkeit.

Ich erinnere mich noch genau, wie alles anfing. Es war ein ganz normaler Dienstagmorgen, als ich bei meiner Freundin Maren zu Besuch war. Wir tranken gemeinsam Tee in ihrer Küche, die Sonne fiel durch die Fenster und irgendwo läutete eine Kirchturmuhr die volle Stunde. Ich ging zur Toilette, und als ich zurückkam, fragte Maren ganz nebenbei: “Du hast nicht gespült?” Etwas peinlich berührt, lachte ich verlegen. Sie winkte ab: “Keine Sorge. Wir machen das hier so. Nur bei ‘groß’. Spart Wasser.”

Ich war irritiert. Und neugierig.

Später zeigte sie mir einen Aufkleber am Spülkasten: »If it’s yellow, let it mellow. If it’s brown, flush it down.« Ich hatte diesen Spruch schon mal gehört, aber nie ernsthaft darüber nachgedacht. Bis dahin war Spülen einfach Teil des Rituals. Wie Zähneputzen. Wie Händewaschen. Man tut es, weil man es so gelernt hat.

Doch dieser Tag brachte mich zum Nachdenken.

Wussten Sie, dass bei jeder Toilettenspülung zwischen 3 und 9 Litern Trinkwasser in die Kanalisation rauschen? Für ein bisschen Urin, der in den allermeisten Fällen völlig harmlos ist. Trinkwasser! Also aufbereitetes, teures Wasser von hoher Qualität, das wir in Deutschland mit großer Selbstverständlichkeit aus der Leitung nutzen. Und wofür? Um gelblich gefärbte Flüssigkeit wegzuspülen, die ohnehin bald wieder durch den nächsten Toilettengang ersetzt wird.

Wenn man es so betrachtet, wirkt es fast absurd.

Ich fing an zu recherchieren. Eine Familie mit vier Personen spült im Schnitt etwa 15-20 Mal pro Tag. Das sind gut 100 Liter Wasser täglich. Über 36.000 Liter im Jahr! Und dabei geht es nur um das WC. Viele Menschen weltweit haben nicht einmal diesen Betrag pro Monat zur Verfügung – zum Trinken, Kochen und Waschen zusammen.

Inzwischen ist bei uns zu Hause alles anders. Mein Mann war zunächst skeptisch. “Und was ist mit dem Geruch?” fragte er. Ich hatte vorgesorgt. Ein paar Tropfen Zitronen-öl im Schälchen neben der Toilette, ein gelegentlich geöffnetes Fenster und eine selbstgemachte Mischung aus Wasser, Essig und Lavendel im Zerstäuber – das reicht völlig. Der Urin selbst ist in den meisten Fällen geruchsneutral, solange man genügend trinkt.

Natürlich spüle ich trotzdem – aber bewusster. Bei stark gefärbtem Urin, nach dem Aufstehen, wenn Besuch da ist. Und natürlich nach dem “großen Geschäft”. Aber eben nicht mehr aus Gewohnheit.