Ich fand alles Mögliche:
– Pilz
– Allergie
– Kontaktdermatitis
– Stressreaktion
– Nickelunverträglichkeit
– Überpflege der Hände
– Unterpflege der Hände
– „Trockene Winterhaut“ (im Hochsommer!)
– „Zu viel Händewaschen“
– „Zu wenig Händewaschen“
– „Vielleicht reagieren Sie auf Ihr Waschmittel“
– „Vielleicht auf Ihre Handcreme, auf Spülmittel, auf Wasser, auf Seife, auf Metall, auf Lebensmittel“
Und natürlich den Klassiker:
„Das ist bestimmt nichts, das geht schon weg.“
Aber es ging nicht weg.
Im Gegenteil: Die Abstände wurden kürzer.
Manchmal vier Wochen.
Manchmal drei.
Ich begann, meine Hände zu verstecken. Ich mochte es nicht mehr, wenn jemand mir die Hand gab. Ich konnte kaum Geschirr spülen, weil das Wasser brannte. Ich konnte keine Zitrone schneiden, ohne dass es stach. Manchmal fiel es mir schwer, überhaupt die Finger zu bewegen, wenn die Haut gerade abgeheilt war und sich spannte wie Papier.
Und das Schlimmste: Der Juckreiz.
Ich habe zwei Kinder geboren. Ich kenne Schmerzen. Aber dieser Juckreiz war anders. Es war nicht „nur Jucken“, es war wie ein elektrisches Kribbeln, das tiefer sitzt als jede Creme kommt.
Der Moment, in dem ich die Diagnose hörte (und fast lachen musste)
Als ich endlich zum Dermatologen ging, tat ich es halb aus Verzweiflung, halb aus Pflichtgefühl. Ich rechnete damit, dass man mir wieder irgendeine Kortisoncreme verschreiben würde (die ich von einer früheren Hautreizung noch zuhause hatte und die gegen diese Bläschen übrigens NICHTS getan hatte).
Der Arzt schaute einmal hin und sagte:
„Das ist ein dyshidrotisches Ekzem.“
Ich sah ihn an, als hätte er mir gerade auf Latein gesagt, ich hätte Gold aus der Haut wachsen.
Er erklärte weiter:
„Es ist eine Form des Ekzems, die vor allem die Handflächen und Fingerseiten betrifft. Kleine, tief gelegene Bläschen, sehr juckend, sehr hartnäckig.“
Ich fragte:
„Warum bekomme ich das?“
Er antwortete:
„Es gibt viele Gründe. Stress. Allergien. Kontaktstoffe. Schwitzen. Atopie. Veranlagung. Niemand weiß es genau. Aber es ist typisch. Und es kommt in Schüben.“
Ich hätte schreien können.
Diese zwei Jahre – und dann eine Diagnose in nicht mal zwei Minuten.
Wie sich ein Schub wirklich anfühlt – die Wahrheit, die Betroffene kennen
Damit du verstehst, wie es ist, beschreibe ich dir einen typischen Schub, so wie ich ihn erlebt habe. Nicht klinisch, sondern real.
Tag 1 – das Vorzeichen
Es beginnt mit einem Wärmegefühl in den Fingern. Nicht heiß, eher wie ein Kribbeln. Ich weiß, was kommt. Es kommt immer zu unerwarteten Zeiten – nach Stress, nach Kontakt mit Spülmittel, nach einem langen Tag oder komplett ohne erkennbaren Auslöser.
Tag 2 – die ersten Punkte
Eine winzige Erhebung, kaum sichtbar. Wenn ich darüber streiche, spüre ich sie. Und mit dieser Erhebung kommt das Jucken. Und zwar so, dass ich nachts wach werde.
Tag 3–5 – die Eskalation
Die Bläschen werden mehrere. Sie liegen dicht nebeneinander, bilden kleine Grüppchen. Sie sind prall, gefüllt mit Flüssigkeit. Wenn man sie aufkratzt, kommt eine klare, etwas gelbliche Flüssigkeit. Brennen, Jucken, Spannung – alles gleichzeitig.
Tag 6–10 – das Platzen
Die Haut reißt ein. Die Oberfläche wird rissig. Jede Bewegung brennt. Händewaschen ist eine Qual.
Tag 10–14 – die Abschuppung
Die Haut löst sich in kleinen Schuppen. Es sieht aus, als würde man sich häuten.
Tag 14–20 – die Erleichterung
Die Haut wird wieder normal. Bis der nächste Schub kommt.
Wie ich lernte, das Ganze zu kontrollieren (so gut es eben geht)
Ich habe viel ausprobiert – manche Dinge funktionierten, manche waren reine Zeitverschwendung. Und ich teile das ehrlich, ohne Werbung, ohne Schönreden.
