1899 – Uromas Quarkstuten
Vorgeschichte:
Vor einigen Jahren, als ich gerade nach einem einfachen, aber dennoch besonderen Kuchenrezept für den Sonntagskaffee suchte, fiel mir eine alte, etwas vergilbte Karte in die Hände. Sie steckte inmitten eines Stapels von Rezepten, die über die Jahre in unsere Familie weitergegeben worden waren. „Uromas Quarkstuten 1899“ stand handschriftlich darauf – ein Titel, der mich sofort neugierig machte. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ein Rezept aus so längst vergangenen Zeiten schmecken würde. Wäre es trocken und altmodisch? Oder doch ein Schatz aus Großmutters Backstube, der in Vergessenheit geraten war?
Die Vorstellung, etwas nachzubacken, das meine Urgroßmutter möglicherweise selbst zubereitet hatte, berührte mich tief. Ich stellte mir vor, wie sie am Herd stand, den Duft frischer Zutaten in der Küche, umgeben von der Familie, die sich darauf freute, ein Stück dieses besonderen Stuten zu probieren. Also beschloss ich, dieses traditionsreiche Rezept auszuprobieren, um meine Familie an einem Sonntag mit einem ganz besonderen Geschmackserlebnis zu überraschen.
Ich bereitete die Zutaten vor, die Küche füllte sich schnell mit dem Duft von frischer Hefe, Vanille und gebackenem Teig. Der Geruch brachte mich zurück in meine Kindheit, erinnerte mich an meine Großmutter, die oft das Leben mit kleinen Duftnoten zum Strahlen brachte. Während der Stuten im Ofen langsam goldbraun wurde, versammelte sich die ganze Familie um den Tisch, neugierig auf das Ergebnis.
Das erste Stück, noch leicht warm mit einem Klacks Butter bestrichen, bescherte uns ein Gefühl von Geborgenheit und Wärme. Die Krume war wunderbar saftig und weich, der Geschmack mild und leicht süßlich durch den Quark, mit einer angenehmen Frische, die den Stuten besonders machte. Seit jenem Tag backe ich diesen Quarkstuten regelmäßig – sei es zum Frühstück, zum Nachmittagskaffee oder einfach, um eine kleine Auszeit vom Alltag zu genießen. Er ist zu einer kleinen Tradition geworden, die ich mit großer Freude an meine eigenen Kinder weitergebe.
Zutaten:
500 g Mehl (Typ 405 oder 550)
1 Würfel frische Hefe (42 g)
250 g Quark (Mager- oder Speisequark)
125 ml lauwarme Milch
100 g Zucker
80 g Butter, weich
2 Eier (Größe M)
1 Prise Salz
1 Päckchen Vanillezucker
Abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone
Optional: 50 g Rosinen oder gehackte Mandeln
Butter zum Bestreichen vor dem Backen
Zubereitung:
Zunächst bereitet man die Hefe vor. Erhitze die Milch vorsichtig, bis sie nur lauwarm ist – sie darf nicht heiß sein, sonst verliert die Hefe ihre Wirkung. Zerbrösele die Hefe in einer kleinen Schüssel und löse sie vorsichtig in der lauwarmen Milch auf. Rühre einen Teelöffel Zucker unter, um der Hefe etwas Energie zu geben. Lasse diese Mischung etwa 10 Minuten an einem warmen Ort stehen, bis sich auf der Oberfläche kleine Bläschen bilden – das ist ein Zeichen dafür, dass die Hefe aktiviert ist.
Während die Hefe ruht, kannst du die übrigen Zutaten vorbereiten. Siebe das Mehl in eine große Schüssel, damit keine Klümpchen entstehen und der Teig schön locker wird. Gib den Zucker, Vanillezucker, die Prise Salz und die Zitronenschale dazu und mische alles kurz durch. Nun füge den Quark, die weiche Butter und zwei Eier hinzu. Beginne nun, die Hefemilch hinzuzufügen und mische alles mit den Händen oder einem Knethaken zu einem glatten Teig. Der Teig fühlt sich zunächst etwas klebrig an, wird aber mit der Zeit geschmeidiger.
Wenn du Rosinen oder gehackte Mandeln verwenden möchtest, kannst du sie jetzt unter den Teig heben. Achte darauf, dass du sie vorher eventuell mit etwas Mehl bestäubst, damit sie beim Backen nicht alles zu sehr beschweren oder auf den Boden sinken.
Der Teig sollte nun abgedeckt an einem warmen Ort für etwa eine Stunde gehen, bis er sichtbar an Volumen zunimmt und sich leicht weich anfühlt. Ich lege meinen Teig gerne in den leicht vorgeheizten, aber ausgeschalteten Backofen – das gibt ihm eine angenehme Wärme. Manchmal decke ich die Schüssel zusätzlich noch mit einem feuchten Geschirrtuch ab, um zu verhindern, dass die Oberfläche austrocknet.
Sobald der Teig gut gegangen ist, knete ich ihn noch einmal kurz durch, um kleine Luftblasen zu entfernen. Anschließend forme ich ihn zu einem länglichen Laib oder einem runden Stuten – je nachdem, wie es gerade besser passt. Lege den geformten Teig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech oder in eine gefettete Kastenform.
Nun folgt die zweite Gehzeit, diesmal etwa 30 Minuten, damit der Stuten im Backofen noch einmal an Volumen gewinnt und schön fluffig wird. Währenddessen kannst du den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Ich bevorzuge Ober-/Unterhitze, da der Teig dadurch besser gleichmäßig backt und nicht zu schnell braun wird.
Vor dem Backen streiche ich den Stuten noch mit etwas weicher Butter ein – das verleiht der Kruste einen besonders schönen Glanz und macht sie angenehm weich. Dann wandert der Quarkstuten für circa 45 bis 50 Minuten in den Ofen. Während des Backens steigt der Teig weiter an, die Küche erfüllt sich mit einem herrlichen Duft nach Vanille, Zitrone und frischem Brot.
Nach Ablauf der Backzeit lasse ich den Stuten noch etwa zehn Minuten in der Form ruhen, bevor ich ihn vorsichtig herausnehme und auf einem Gitter vollständig auskühlen lasse. Besonders lecker schmeckt er frisch und noch leicht warm, aber auch am nächsten Tag ist er noch saftig und wunderbar zum Frühstück.
Tipps und Varianten:
Zu diesem besonderen Quarkstuten gibt es unzählige Möglichkeiten, ihn ganz nach eigenem Geschmack zu variieren und anzupassen. Zum Beispiel lassen sich Trockenfrüchte wie Aprikosen, Cranberries oder Sultaninen sehr gut unter den Teig mischen. Wer es knackiger mag, kann auch geröstete Nüsse oder Mandelsplitter zugeben, was dem Stuten eine schöne Textur verleiht und den Geschmack abrundet.
Wer keinen frischen Quark verwenden möchte, kann auch Magerquark aus dem Becher nehmen; allerdings trägt der frische Quark mehr zur saftigen Konsistenz bei. Wichtig ist, dass der Quark nicht zu flüssig ist. Sollte er sehr feucht sein, am besten leicht abtropfen lassen oder einen etwas festeren Quark verwenden.
Auch die Butter kann man nach Belieben durch Pflanzenmargarine ersetzen, falls eine laktosefreie Variante gewünscht wird. Die Eier geben dem Teig Struktur und binden die Zutaten, hier empfehle ich, sie nicht komplett wegzulassen, um den typischen Quarkstuten-Charakter zu erhalten.
Für die Zitrone kann man alternativ auch Orangenschale verwenden, was dem Gebäck eine mild fruchtige Note verleiht. Ein kleiner Schuss Rum in den Teig macht sich ebenso gut, besonders wenn Rosinen mit verarbeitet werden.
Aufbewahrung:
Der Quarkstuten hält sich gut in einer Blechdose oder in Frischhaltefolie eingewickelt etwa zwei bis drei Tage frisch und saftig. Wenn er einmal nicht gleich aufgegessen wird, empfiehlt es sich, ihn bei Zimmertemperatur zu lagern und vor dem Servieren noch einmal leicht anzuwärmen – dann schmeckt er fast, als käme er frisch aus dem Ofen.
Aufwärmen gelingt im Backofen bei 150 Grad für etwa 5 bis 10 Minuten oder kurz in der Mikrowelle bei mittlerer Leistung, wobei man darauf achten sollte, dass der Stuten nicht zu trocken wird.
Serviervorschläge:
Der Quarkstuten ist eine perfekte Begleitung zum Kaffee oder Tee, aber auch pur mit etwas Butter und Marmelade ein echter Genuss. Wer es süßer mag, kann ihn auch mit Honig oder Nutella bestreichen. Zum Frühstück passt er wunderbar zu einem Glas Milch oder einem frischen Obstsalat.
Das Rezept eignet sich hervorragend für Familien und kleinere Besuche, da der Stuten schnell zubereitet ist und die meisten Zutaten meistens schon im Haus sind. Auch Kinder lieben die weiche, leicht süße Konsistenz, die sanfte Frische des Quarks und das angenehm zarte Aroma.
Fehler vermeiden:
Damit der Stuten wirklich gelingt, sollte die Hefe nicht zu heiß angerührt werden, da sie sonst ihre Wirkung verliert und der Teig nicht aufgeht. Die Gehzeiten sind zudem sehr wichtig – zu kurz, und der Teig bleibt fest; zu lang, und er kann zusammenfallen.
Achte auch darauf, den Teig nicht zu viel zu kneten, sobald die Zutaten zusammenkommen. Zu langes, kräftiges Kneten kann die Struktur beeinträchtigen und den Teig zäh machen. Lieber lieber sanft und mit Gefühl arbeiten.
Und beim Backen: Öffne nicht zu früh die Ofentür, damit der Stuten nicht zusammenfällt, sondern lasse ihn die volle Zeit in Ruhe goldbraun backen.
Zusammenfassend ist Uromas Quarkstuten ein echter Klassiker, der durch seine Einfachheit besticht und doch durch die Zugabe von Quark eine herrlich saftige und feine Note erhält. Ob für einen gemütlichen Nachmittag, Familienfeier oder ein entspanntes Frühstück – dieser Quarkstuten ist vielseitig, unkompliziert und bringt ein Stück Tradition direkt in deine Küche.
Ich wünsche dir viel Freude beim Nachbacken und hoffe, dass auch deine Familie diesen besonderen Quarkstuten lieben wird, so wie meine. Es ist immer schön, Rezepte weiterzugeben, die Geschichten erzählen, nostalgische Momente schenken und Menschen zusammenbringen – genau das schafft Uromas Quarkstuten auf wunderbare Weise. Guten Appetit!
