Wenn ich heute zurückblicke, kann ich selbst kaum glauben, dass es inzwischen mehr als ein Jahr her ist, seit ich bewusst aufgehört habe, Zucker zu essen und mich von all diesen klebrigen Versuchungen zu lösen, die mich früher an jeder Ecke verfolgt haben. Es begann nicht etwa mit einer großen Entscheidung oder einem dramatischen Arztbesuch – nein, es war viel banaler: ein Morgen, an dem ich mich einfach nur müde fühlte. Müde im Kopf, müde im Körper, müde im Herzen. Ich hatte in dieser Zeit ständig das Gefühl, als würde mir jemand Energie aus meinem Körper ziehen, und ich suchte verzweifelt nach einem Weg, wieder leichter zu werden, nicht nur körperlich, sondern auch gedanklich. Und als ich irgendwann feststellte, dass ich täglich viel mehr Zucker aß, als ich dachte, war plötzlich klar: Ich muss etwas ändern.
Am Anfang war es schwer – ich will da gar nichts schönreden. Überall lauerten süße Snacks, kleine Kekse im Schrank, Marmelade im Kühlschrank, sogar diese scheinbar gesunden Bonbons in der Handtasche. Doch nach einigen Wochen begann ich, Alternativen zu suchen. Nicht nur, um „etwas zu essen“, sondern um mir selbst wieder das Gefühl zu geben, dass Essen gut tut, Kraft gibt, nährt und nicht nur kurzfristig beruhigt. Und irgendwann, ausgerechnet an einem Nachmittag, an dem ich dachte, dass ich wirklich keine Idee mehr habe, kam ich auf das einfachste Rezept der Welt: 1 Tasse Haferflocken und 2 Äpfel. Mehr brauchte ich für den Anfang gar nicht.
Natürlich – und das sage ich immer dazu – blieb es nicht bei dieser Minimalversion. Denn wie jede Hausfrau, die irgendwann Lust bekommt zu experimentieren, fing auch ich an, mein kleines Basisrezept auszubauen. Heute ist daraus ein richtiger Lieblingskuchen geworden, ein kleines Ritual, das ich mehrmals die Woche mache, weil es mich an die Kraft erinnert, die in den einfachsten Dingen steckt. Und jedes Mal, wenn jemand zu mir sagt: „Du isst keinen Zucker? Und trotzdem duftet es in deiner Küche so gut?“, muss ich ein bisschen lachen. Denn das ist das Schöne: Wenn man erst einmal anfängt zu verstehen, wie viel natürlich Süßes in Früchten steckt, wie viel Aroma Hafer hat und wie schön es ist, bewusst zu backen, fragt man sich irgendwann, warum man jemals etwas anderes gebraucht hat.
Aber bevor ich mich verzettle – und das tue ich gern, wie man merkt – fange ich lieber am Anfang an, nämlich an dem Tag, an dem dieser Kuchen wirklich „mein Kuchen“ wurde. Ich stand in meiner Küche, wie so oft, und öffnete meinen Küchenschrank mit leicht resigniertem Blick, weil ich wusste, dass ich nichts „Süßes“ mehr essen wollte. Nichts mit Mehl, nichts mit Zucker. Und doch wollte mein Bauch etwas Warmes, etwas, das nach Zuhause schmeckt. Nicht dieses typische „Diätenessen“, das man nur kaut und hofft, dass die Zeit schnell vergeht. Nein, ich wollte Genuss, Wärme, etwas, das mich begleitet wie früher ein Stück Apfelstrudel, aber eben ohne all die Dinge, die mir nicht mehr guttaten.
Im Obstkorb lagen Äpfel, einige schöner, andere schon ein wenig müde. Aber Äpfel werden beim Backen sowieso magisch. Neben ihnen lag eine Banane, sehr reif, fast schon fleckig, aber perfekt für Teig, der keine zusätzlichen Süßungsmittel braucht. Auf dem Regal stand meine große Glasdose mit Haferflocken, die inzwischen mein täglicher Begleiter geworden waren. Ich hatte seit Wochen begonnen, Hafer jeden Morgen zu essen, weil ich merkte, wie gut er meinem Körper tat – kein Zuckercrash, kein komisches Völlegefühl, nur Wärme und Energie. Und so entstand in einer Art stiller Selbstverständlichkeit der Gedanke: Warum nicht aus diesen drei Zutaten etwas backen? Etwas Weiches, Saftiges, Natursüßes?
Ich nahm also eine große Schüssel und begann die Banane zu zerdrücken, bis sie fast flüssig war. In diesem Moment roch die ganze Küche nach Banane, und ich lächelte, weil mich dieser Duft immer an meine Tochter erinnerte, als sie klein war und ich ihr die ersten Bananenbreie gemacht habe. Dann schälte ich zwei große Äpfel, würfelte sie und gab sie in die Schüssel. Ich betrachtete die Mischung – schlicht, einfach, aber voller Möglichkeiten. Dann griff ich nach der Haferdose und gab eine Tasse (100 g) Haferflocken dazu.
Doch wie gesagt – ich bleibe selten bei der Basisversion stehen. Also dachte ich weiter. In meiner Schublade lag eine kleine Tüte getrocknete Cranberries, daneben Rosinen, die ich sonst in meinen Frühstücksbrei gebe. Ich wusste, dass Rosinen etwas zusätzliche Süße bringen würden – eine natürliche Süße, die seit einem Jahr meine kleine Rettung ist. Also nahm ich eine Handvoll Cranberries und Rosinen, übergoß sie mit heißem Wasser, ließ sie kurz ziehen, damit sie weich werden und der überschüssige Zucker abgespült wird. Nachdem sie abgetropft waren, wanderten sie ebenfalls in die Schüssel.
