Es begann an einem kalten Januarmorgen. Ich stand an der Bushaltestelle, eingepackt in Mantel, Schal und Mütze – doch meine Finger fühlten sich an, als würden sie erfrieren. Ich zog die Handschuhe aus, um meine Hände anzuatmen, und erschrak: Einer meiner Finger war kreideweiß, während die anderen bereits eine bläuliche Farbe annahmen. Taubheit kroch langsam in meine Hand. Damals dachte ich, das sei ganz normal – einfach Kälte. Doch später erfuhr ich, dass es sich um ein ernstzunehmendes Phänomen handelt: das Raynaud-Syndrom.
Was zunächst wie eine harmlose Reaktion auf Kälte erscheint, kann sich als Hinweis auf eine zugrunde liegende Gesundheitsstörung entpuppen. Wenn Ihre Finger oder Zehen plötzlich weiß werden, kribbeln oder sogar schmerzen, sollten Sie genauer hinsehen – besonders, wenn das regelmäßig geschieht.
Was ist das Raynaud-Phänomen?
Das Raynaud-Phänomen – benannt nach dem französischen Arzt Maurice Raynaud, der es im 19. Jahrhundert erstmals beschrieb – ist eine Durchblutungsstörung der kleinen Blutgefäße, die meist Finger und Zehen betrifft. In kalten Umgebungen oder bei Stress verengen sich die Gefäße plötzlich und heftig, was zu einer dreiphasigen Farbveränderung führen kann: zuerst weiß (wegen Sauerstoffmangel), dann blau (wegen Sauerstoffunterversorgung), schließlich rot (wenn die Durchblutung wieder einsetzt).
Dieses Phänomen betrifft laut Schätzungen rund 10 % der Bevölkerung, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Besonders Menschen, die in kühlen Klimazonen leben oder beruflich viel mit vibrierenden Geräten arbeiten, gelten als Risikogruppe.
Mögliche Ursachen
Raynaud kann primär oder sekundär auftreten. Die primäre Form ist harmloser, tritt oft bei jungen Frauen auf und ist nicht mit anderen Erkrankungen verbunden. Die sekundäre Form hingegen ist häufig ein Symptom einer Autoimmunerkrankung wie Sklerodermie, Lupus oder rheumatoider Arthritis.
Häufige Auslöser:
- Kälteexposition (auch milde Temperaturschwankungen, z. B. im klimatisierten Büro)
- Emotionaler Stress
- Nikotin und Koffein, die die Blutgefäße zusätzlich verengen
- Medikamente wie Betablocker oder Migränemittel
- Berufliche Belastung, etwa durch vibrierende Werkzeuge oder dauernde Feinarbeit
- Hormonelle Faktoren, vor allem bei Frauen in den Wechseljahren
Typische Symptome
Wer betroffen ist, erkennt das Raynaud-Phänomen meist schnell:
- Plötzliche Farbveränderung an Fingern oder Zehen (weiß → blau → rot)
- Kribbeln, Taubheit oder sogar brennender Schmerz
- Kalte, wachsartige Haut an den betroffenen Stellen
- In schweren Fällen: Hautveränderungen, Risse oder Wunden
Weniger bekannt, aber ebenfalls möglich: Auch Nase, Ohren, Lippen oder Brustwarzen können betroffen sein – besonders beim Stillen, was für viele Mütter eine echte Belastung darstellt.
