Ein Zeckenstich kann plötzlich Lebensmittel zum Problem machen
Es klingt zunächst unglaublich:
Ein Mensch isst jahrelang problemlos Rindfleisch, Schweinefleisch oder andere Produkte von Säugetieren.
Dann kommt es zu einem Zeckenstich.
Einige Zeit später treten nach einer Mahlzeit plötzlich Nesselsucht, Bauchbeschwerden oder sogar eine schwere allergische Reaktion auf.
Dahinter kann das sogenannte Alpha-Gal-Syndrom (AGS) stecken.
Dabei handelt es sich um eine potenziell schwere Allergie gegen das Kohlenhydrat Alpha-Gal, das in Gewebe vieler Säugetiere vorkommt.
In den USA ist das Syndrom besonders eng mit Stichen der Lone-Star-Zecke verbunden.
Das bedeutet allerdings keineswegs, dass jeder Mensch nach einem Stich diese Allergie entwickelt.
Das tut er nicht.
Das Merkwürdige an dieser Allergie ist der Zeitpunkt
Normale Lebensmittelallergien verbindet man häufig mit einer schnellen Reaktion:
Man isst etwas und kurze Zeit später treten Beschwerden auf.
Beim Alpha-Gal-Syndrom kann das anders sein.
Der CDC beschreibt, dass Beschwerden typischerweise erst etwa zwei bis sechs Stunden nach dem Verzehr bestimmter alpha-gal-haltiger Lebensmittel auftreten können.
Genau diese Verzögerung macht den Zusammenhang für Betroffene schwer erkennbar.
Man isst beispielsweise abends Fleisch.
Stundenlang passiert nichts.
Und mitten in der Nacht treten plötzlich Beschwerden auf.
Wer würde dabei sofort an das Abendessen denken?
Welche Beschwerden können auftreten?
Die Reaktionen unterscheiden sich stark von Person zu Person.
Möglich sind unter anderem:
Nesselsucht und Juckreiz
Schwellungen
Übelkeit oder Durchfall
Bauchschmerzen
Atembeschwerden
Schwindel beziehungsweise Blutdruckabfall
In schweren Fällen kann eine Anaphylaxie auftreten, die eine medizinische Notfallsituation darstellt.
Aber noch einmal: Ein Zeckenstich bedeutet nicht automatisch, dass anschließend eine Fleischallergie entsteht.
Und es geht offenbar nicht ausschließlich um diese eine Zeckenart
Lange wurde das Thema besonders stark mit der Lone-Star-Zecke verbunden.
Inzwischen ist das Bild differenzierter.
Alpha-Gal-Syndrom wurde auch außerhalb ihres bekannten Verbreitungsgebietes beobachtet. Untersuchungen deuten darauf hin, dass möglicherweise weitere Zeckenarten eine Sensibilisierung gegen Alpha-Gal auslösen können.
Das ist auch für Europa wesentlich interessanter als die Behauptung, überall müsse plötzlich die amerikanische Lone-Star-Zecke auftauchen.
Was sollte man tun, wenn man eine Zecke auf der Haut findet?
Zunächst einmal nicht in Panik geraten.
Eine Zecke sollte möglichst zeitnah entfernt werden.
Dabei greift man sie mit einer geeigneten Pinzette oder einem Zeckenwerkzeug hautnah an den Mundwerkzeugen und zieht sie kontrolliert heraus.
Öl, Klebstoff oder andere Hausmittel sollte man nicht auf eine festsitzende Zecke schmieren.
Anschließend kann es sinnvoll sein, sich Datum und Stelle des Stichs zu merken.
Wer möchte, kann auch ein Foto der Zecke machen.
Das kann später bei der Identifikation hilfreich sein.
Die Einstichstelle anschließend beobachten
Eine kleine lokale Rötung unmittelbar nach einem Zeckenstich kann zunächst durch die Hautreizung entstehen.
Interessanter wird es, wenn sich in den folgenden Tagen oder Wochen ungewöhnliche beziehungsweise zunehmende Beschwerden entwickeln.
Dann sollte man ärztlichen Rat einholen und den Zeckenstich erwähnen.
Dasselbe gilt natürlich bei stärkeren Beschwerden wie Fieber oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl.
Und was ist mit der angeblichen „Fleischallergie“?
Auch hier sollte man sich nicht aufgrund eines Internetfotos selbst diagnostizieren.
Wenn nach einem Zeckenstich wiederholt einige Stunden nach dem Verzehr von Säugetierfleisch oder anderen entsprechenden Produkten allergische Beschwerden auftreten, gehört das ärztlich abgeklärt.
Zur Diagnose des Alpha-Gal-Syndroms werden die Krankengeschichte und entsprechende Antikörpertests herangezogen.
Wer Atemnot, Kreislaufprobleme oder Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion entwickelt, benötigt dagegen sofort medizinische Hilfe.
Warum dieses kleine Tier so viel Aufmerksamkeit bekommt
Das Faszinierende an der Lone-Star-Zecke ist letztlich nicht ihre Größe.
Es ist die Kombination aus ihrem ungewöhnlichen Aussehen und den gesundheitlichen Zusammenhängen, die Wissenschaftler inzwischen untersuchen.
Dieser winzige weiße Punkt auf dem Rücken eines erwachsenen Weibchens wirkt beinahe dekorativ.
Doch er kann ein wichtiges Erkennungsmerkmal einer Zeckenart sein, die in den USA unter anderem mit Ehrlichiose und dem Alpha-Gal-Syndrom in Verbindung gebracht wird.
Deshalb lohnt sich nach Aufenthalten in Gras, Gebüsch und Wald grundsätzlich ein kurzer Zeckencheck – unabhängig davon, ob das Tier einen weißen Punkt trägt oder nicht.
Und falls du auf genau so ein Foto stößt, weißt du jetzt zumindest, warum dieser kleine helle Fleck so viel Aufmerksamkeit bekommt.
