Wenn man in die kulinarische Welt der ehemaligen DDR eintaucht, stößt man unweigerlich auf den berühmten LPG Kuchen. Schon der Name weckt Erinnerungen an eine Zeit, in der die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) das dörfliche Leben prägten. Viele Festlichkeiten, Brigadefeiern oder Dorfzusammenkünfte wären ohne diesen Kuchen gar nicht denkbar gewesen. Er war nicht nur ein süßes Highlight, sondern auch ein Stück Gemeinschaft – man teilte ihn, man sprach darüber, man freute sich darauf. Heute, viele Jahre später, hat der LPG Kuchen fast schon Kultstatus erreicht. Er wird gebacken, um ein Stück Nostalgie aufleben zu lassen, aber auch, weil er einfach unverschämt lecker ist. Cremige Puddingfüllung, buttriger Boden, ein Hauch von Alkohol in den Keksschichten und der typische Schokoguss mit Kokosfett – das macht ihn unverwechselbar. In diesem langen Text möchte ich dich mitnehmen auf eine Reise in die Zeit, als der LPG Kuchen noch auf Blechen durch die Brigaden wanderte, und gleichzeitig das Rezept so ausführlich und lebendig beschreiben, dass du es sofort nachbacken kannst.
Zutaten & Zubereitung
Zutaten und Anleitung auf Seite 2
Zutaten
Für den Boden
300 g Butter
4 Eier, getrennt
250 g Puderzucker
1 Packung Vanillinzucker
1 Prise Salz
250 g Dinkelmehl, glatt
2 TL gestrichenes Weinsteinbackpulver
Für die Füllung
1 Pck. Vanillepuddingpulver
2 EL Zucker
½ Liter Milch
250 g Butter
250 g Butterkekse
etwas Weinbrand
Für den Guss
220 g Puderzucker
3 EL feines Kakaopulver
2 Eier
250 g Kokosfett, zerlassen
Zubereitung – Schritt für Schritt erklärt
Zuerst bereitest du den Boden vor. Die Butter wird zusammen mit Eigelb, Puderzucker, Vanillinzucker und einer Prise Salz zu einer cremigen Masse aufgeschlagen. Dieser Schritt ist entscheidend, denn die Masse muss schön hell und luftig werden, damit der Boden nicht zu fest, sondern angenehm locker bleibt. Anschließend mischt du Mehl und Backpulver, rührst sie unter und hebst schließlich den Eischnee vom getrennten Eiweiß vorsichtig unter. Dieser Luftigkeitstrick war schon zu DDR-Zeiten Standard, auch wenn man nicht viel hatte – Eier waren meist da, und wer schlau war, schlug sie getrennt auf. Dann wird der Teig gleichmäßig auf ein Backblech gestrichen und bei etwa 180 Grad 20 Minuten gebacken, bis er goldgelb ist.
Während der Boden im Ofen ist, kümmerst du dich um die Füllung. Dazu bereitest du aus Milch, Zucker und Puddingpulver einen klassischen Vanillepudding zu. Der muss vollständig auskühlen, bevor er weiterverarbeitet werden kann – sonst gerinnt die Butter. In der Zwischenzeit legst du eine Schicht Butterkekse bereit, die später zwischen die Puddingbuttercreme kommen. Wer es originalgetreu mag, tunkt die Kekse leicht in Weinbrand – das gibt dem Kuchen den typischen Geschmack, der schon damals kleine Kinder neugierig machte, aber eigentlich den Erwachsenen vorbehalten war. Sobald der Pudding ausgekühlt ist, wird die weiche Butter cremig geschlagen und löffelweise unter den Pudding gerührt. So entsteht eine herrlich glatte Buttercreme.
Nun folgt der Aufbau: Auf den gebackenen Boden kommt die Hälfte der Buttercreme. Darauf legst du eine Schicht Kekse, die eventuell leicht in Weinbrand getunkt wurden. Dann folgt die restliche Buttercreme, sodass alles schön umschlossen ist. Jetzt kommt der wichtigste Teil: der Guss.
Für den Guss schlägst du Eier, Zucker und Kakaopulver zusammen auf. Dann wird das geschmolzene Kokosfett untergerührt. Diese Mischung ist etwas ungewöhnlich, weil Kokosfett damals eines der wenigen leicht erhältlichen Fette für Glasuren war. Es gibt dem Guss eine besondere Konsistenz – schnittfest, aber dennoch angenehm schmelzend. Den Guss gießt du gleichmäßig über den Kuchen, lässt ihn abkühlen und am besten über Nacht durchziehen.
