06.03.2026

Lorbeer- und Nelkentee – das abendliche Ritual, das in meiner Küche nie fehlt

Es gibt diese Abende, an denen der Tag einfach zu schwer war. Nicht dramatisch, nicht laut, sondern still anstrengend. Der Kopf ist voll, der Körper müde, und obwohl man weiß, dass Schlaf guttun würde, findet man keine Ruhe. Genau an solchen Abenden greife ich seit Jahren zu einem ganz einfachen Ritual, das mir meine Großmutter beigebracht hat – lange bevor „Achtsamkeit“ ein Modewort wurde und Kräutertees in hübschen Verpackungen verkauft wurden.

Ich spreche von einem Tee aus Lorbeerblättern und Nelken. Zwei Zutaten, die fast jeder zu Hause hat. Zwei Gewürze, die wir sonst achtlos in Suppen oder Soßen werfen, ohne ihnen viel Beachtung zu schenken. Und doch steckt in dieser schlichten Kombination etwas ungemein Beruhigendes, etwas Erdendes, das mich jedes Mal daran erinnert, wie wenig es manchmal braucht, um sich wieder ein Stück wohler zu fühlen.

Ich bin keine Ärztin, keine Heilpraktikerin, keine Expertin für Kräuterkunde. Ich bin einfach eine Frau, die gern kocht, gern für ihre Familie sorgt und im Laufe der Jahre gelernt hat, auf ihren Körper zu hören. Und genau aus dieser Perspektive erzähle ich heute von diesem Tee – so, wie man es am Küchentisch tun würde.

Wie dieser Tee Teil meines Alltags wurde

Meine Großmutter hatte eine kleine Küche mit einem alten Gasherd, der immer ein bisschen nach warmem Metall roch. In einer Schublade lagen lose Lorbeerblätter, Nelken, Kümmel und Fenchelsamen – nichts beschriftet, nichts sortiert. Sie wusste einfach, was wofür war. Wenn ich sie fragte, warum sie etwas tat, sagte sie oft nur: „Das hat sich bewährt.“

An Abenden, an denen der Magen schwer war oder der Kopf nicht abschalten wollte, stellte sie einen kleinen Topf auf den Herd, gab Wasser hinein und legte ganz selbstverständlich ein paar Lorbeerblätter und Nelken dazu. Kein großes Tamtam. Kein Versprechen. Einfach ein warmes Getränk, das gut tat.

Erst viel später habe ich verstanden, dass genau diese Schlichtheit der Schlüssel ist.

Warum Lorbeer und Nelken so gut zusammenpassen

Lorbeerblätter haben einen tiefen, warmen Duft. Nicht aufdringlich, sondern ruhig. Nelken dagegen sind intensiver, würziger, fast ein bisschen scharf – aber in kleiner Menge sehr harmonisch. Zusammen ergeben sie einen Tee, der nicht süß ist, nicht bitter, sondern angenehm rund.

Ich habe im Laufe der Zeit gemerkt, dass dieser Tee vor allem abends gut passt. Nicht, weil er „etwas heilt“, sondern weil er ein Signal setzt: Der Tag ist vorbei. Jetzt darf es langsamer werden.

Und genau das ist etwas, was wir heute viel zu selten bewusst tun.

Mein ganz persönliches Abendritual

Wenn ich weiß, dass ich diesen Tee trinken möchte, beginne ich schon mit dem Zubereiten langsamer zu werden. Ich fülle Wasser in einen kleinen Topf, lege drei oder vier getrocknete Lorbeerblätter hinein und fünf bis sieben Nelken. Mehr braucht es nicht.

Während das Wasser langsam warm wird, räume ich die Küche ein wenig auf. Kein Perfektionismus, nur Ordnung. Dann lasse ich den Tee leise köcheln, nicht sprudelnd, sondern sanft. Der Duft breitet sich aus, warm und vertraut.

Allein dieser Moment hat etwas Beruhigendes. Der Tee zwingt mich, nicht zu hetzen. Er braucht seine Zeit. Und ich nehme sie mir.