Jedes Stück zerfällt im Mund – Quarkkuchen ohne Boden, das Rezept meiner Oma, das man in nur wenigen Minuten anrühren kann und das trotzdem wie ein kleines Meisterwerk schmeckt. Ich erinnere mich noch sehr genau an die erste Begegnung mit diesem Kuchen. Es war ein Sonntag, draußen war es kalt und regnerisch, und meine Oma stand wie so oft in ihrer kleinen, warmen Küche. Sie war nie eine Frau der großen Worte, aber wenn sie den Schneebesen in der Hand hatte, dann erzählte sie durch ihre Rezepte Geschichten, die man nie wieder vergisst. Auf dem Tisch lag ein Stapel Eier, daneben ein großer Topf Quark, ein kleines Fläschchen Zitronenaroma und ein Päckchen Vanillezucker. Mehr brauchte sie nicht, um die Familie glücklich zu machen. „Kind“, sagte sie zu mir, „das ist ein Kuchen, der keinen Boden braucht, und er ist so leicht, dass er dir fast auf der Zunge verschwindet.“
Zutaten & Zubereitung
Zutaten und Anleitung auf Seite 2
Und sie hatte recht. Während die meisten Käsekuchen mit schwerem Teigboden daherkommen, war dieser Quarkkuchen von Anfang an anders. Er hatte keine Basis aus Mürbe- oder Hefeteig, sondern bestand nur aus der cremigen Quarkmasse, die beim Backen eine goldene Kruste bekam und innen herrlich weich und saftig blieb. Schon als Kind konnte ich kaum warten, bis er aus dem Ofen kam. Ich stand oft am Fenster, atmete den süßlichen Duft ein, der durch die ganze Wohnung zog, und zählte die Minuten, bis Oma das Blech aus dem Ofen zog. Dann hieß es noch einmal geduldig sein, denn er musste abkühlen, damit er nicht zusammenfiel. Aber das Warten lohnte sich jedes Mal.
Dieses Rezept begleitet mich bis heute, und auch wenn ich inzwischen selbst Familie habe, hat sich an der Magie nichts geändert. Es ist einer dieser Kuchen, die ohne viel Aufwand gelingen und doch jedes Mal schmecken, als hätte man dafür stundenlang in der Küche gestanden. Der Teig ist in fünf Minuten angerührt, es braucht keine aufwendigen Geräte und keine komplizierten Zutaten. Alles, was man braucht, findet man meist schon zu Hause, und genau das macht diesen Quarkkuchen so sympathisch.
Die Zutaten sind denkbar einfach und trotzdem perfekt aufeinander abgestimmt. Man nehme:
3 EL neutrales Öl
2 Packungen Vanillepuddingpulver
5 Eier
850 g Quark (Magerquark oder normal, je nach Geschmack)
220 g Zucker
2 Becher süße Sahne (à 200 g)
2 Becher saure Sahne (à 200 g)
3 Tropfen Zitronenaroma oder etwas Abrieb von einer Bio-Zitrone
1 Packung Vanillezucker
Fett und Paniermehl für die Form
Allein diese Zutatenliste zeigt schon, wie unkompliziert das Ganze ist. Keine Butter, kein schwerer Boden, kein kompliziertes Backen. Und doch entsteht daraus ein Kuchen, der so leicht und luftig ist, dass man kaum glauben kann, wie wenig Aufwand dahintersteckt.
Die Zubereitung ist ebenso simpel. Zuerst trennt man die Eier und schlägt das Eiweiß zu festem Schnee. Dieser Schritt ist entscheidend, denn er gibt dem Kuchen seine Luftigkeit. Während das Eiweiß im Mixer steif wird, rührt man die Eigelbe mit dem Quark, dem Zucker, dem Öl, der süßen und sauren Sahne, dem Vanillezucker, dem Puddingpulver und dem Zitronenaroma zu einer cremigen Masse. Der Duft von Vanille und Zitrone liegt sofort in der Luft, und schon beim Anrühren bekommt man Lust, die Masse zu probieren. Wenn alles schön glatt ist, hebt man vorsichtig den Eischnee unter – nicht rühren, sondern sanft unterziehen, damit die Luftbläschen erhalten bleiben. Genau das ist der Trick, der den Kuchen so fluffig macht.
Nun gießt man die Masse in eine gefettete und mit Paniermehl ausgestreute Springform. Dieses kleine Detail mit dem Paniermehl hat mir meine Oma beigebracht: es sorgt dafür, dass der Kuchen nicht kleben bleibt und beim Herauslösen seine schöne Form behält. Der Kuchen wandert dann bei 170 Grad Ober- und Unterhitze für etwa eine Stunde in den Ofen. Während dieser Zeit verwandelt sich die helle Quarkmasse langsam in ein goldgelbes Wunder. Die Oberfläche bekommt kleine Risse, der Duft von Vanille und Zitrone erfüllt die Küche, und man spürt, dass hier etwas ganz Besonderes entsteht.
Wenn er fertig ist, sollte man ihn nicht sofort aus dem Ofen nehmen, sondern noch bei leicht geöffneter Tür ruhen lassen. Dadurch fällt er nicht so stark zusammen und behält seine schöne, gleichmäßige Form. Am besten schmeckt er, wenn er vollständig ausgekühlt ist, und noch besser, wenn er einige Stunden im Kühlschrank gestanden hat. Dann wird er schnittfest und gleichzeitig cremig, so dass jedes Stück im Mund zerfällt.
