Butterkuchen und Bienenstich von Oma
Vorgeschichte:
Manchmal begegnet man in alten Schränken oder tief in den Erinnerungen der Familie kleinen Schätzen, die durch ihren Duft, ihre Geschichte und ihre Einfachheit faszinieren. So ging es mir vor einiger Zeit, als ich auf der Suche nach einem unkomplizierten und gleichzeitig herrlich leckerem Gebäck für den Sonntagskaffee war. Ich wollte etwas machen, das nicht zu kompliziert ist, aber dennoch die Familie begeistern kann – etwas, das warmherzig und ein bisschen nostalgisch ist.
Meine Mutter hatte immer wieder vom Butterkuchen gesprochen, und die liebe Nachbarin erzählte mir gerade letzte Woche von ihrem Bienenstich, den sie immer noch wie in ihrer Kindheit backt. Da kam mir die Idee, beide zusammenzunehmen und mit meiner eigenen Familie zu teilen. Also durchstöberte ich alte Rezepte aus Omas Zeiten, konnte aber weder ein Rezept finden, das mich vollständig überzeugte, noch eins, das das Besondere dieser beiden Klassiker so einfing, wie ich es mir vorstellte. Also entschloss ich mich, ein neues Rezept zu kreieren, das von der Wärme und dem bodenständigen Charakter Omas Backkunst inspiriert ist.
Der erste Versuch war magisch. Als der Butterkuchen im Ofen vor sich hin bäckerte, zog dieser unvergleichliche Duft von Butter, Zucker und Vanille durch die Küche. Die Vorfreude stieg mit jeder Minute, und ich konnte es kaum erwarten, den ersten Bissen zu probieren. Die Familie versammelte sich um den Tisch, und es wurde sofort klar: Das war mehr als nur ein Kuchen – es war ein Stück Heimat, das wir teilen konnten. Die karamellisierten Mandeln auf dem Bienenstich, die zarte Hefeteigbasis und die leichte Vanillecreme erfüllten den Raum mit Erinnerungen an frühere Generationen, über die bei Kaffee und Kuchen gesprochen wurde.
Seit diesem Tag hat sich das Rezept zu einem echten Favoriten entwickelt, fast traditionell bei uns geworden. An Wochenenden, Geburtstagen oder wenn einfach mal „etwas Süßes“ her muss, zaubere ich Butterkuchen und Bienenstich. Manchmal sitzen die Kinder am Tisch und erinnern sich lachend an die Geschichten, wie Oma den Kuchen damals mit viel Liebe gemacht hat – und für mich ist das das schönste Kompliment.
Zutaten:
Für den Hefeteig:
500 g Weizenmehl (Type 550)
70 g Zucker
1 Prise Salz
1 Päckchen Trockenhefe oder 21 g frische Hefe
250 ml lauwarme Milch
80 g weiche Butter
1 Ei (Größe M)
Für den Butterkuchenbelag:
150 g Butter
150 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
100 g gehobelte Mandeln (optional)
Für die Bienenstich-Creme:
300 ml Milch
1 Päckchen Vanillepuddingpulver
50 g Zucker
200 g Butter (zimmerwarm)
2 EL Honig
1 Päckchen Vanillezucker
100 g gehobelte Mandeln
Für den Belag des Bienenstichs:
100 g Butter
80 g Zucker
1 EL Honig
70 g Honigmandeln (gehobelt)
Zubereitung:
Zunächst bereiten wir den Hefeteig vor. Für einen luftigen, soften Teig beginnt man am besten damit, die Milch lauwarm zu erwärmen – ungefähr auf Körpertemperatur, also etwa 37 Grad Celsius. Ist die Milch zu heiß, kann die Hefe nicht gut arbeiten, ist sie zu kalt, dauert das Aufgehen unnötig lange. In eine große Schüssel geben wir die Hefe zusammen mit einem Teelöffel Zucker aus der Gesamtmenge und verrühren sie in der Milch. Das Ganze lassen wir für etwa zehn Minuten stehen, bis sich Bläschen oder Schaum an der Oberfläche zeigen – ein Zeichen, dass die Hefe aktiv ist.
In einer großen Rührschüssel das Mehl sieben, den restlichen Zucker, Salz und den Vanillezucker einrieseln lassen. Die weiche Butter stückchenweise dazugeben, das Ei aufschlagen und alles gut vermischen. Erst jetzt kommt die Hefemilch dazu. Am besten nimmt man eine Küchenmaschine mit Knethaken oder einen robusten Handmixer. Den Teig so lange kneten, bis er glatt, geschmeidig und nicht mehr klebrig ist. Das dauert meist 8 bis 10 Minuten. Deckt die Schüssel ab und stellt sie an einen warmen Ort, zum Beispiel an die Heizung oder in den leicht erwärmten Backofen – bei etwa 35 Grad –, damit der Teig innerhalb einer Stunde sein Volumen deutlich vergrößert.
Während der Teig ruht, bereiten wir den Belag für den Butterkuchen vor, der später einfach auf den ausgerollten Teig gegeben wird. Die Butter wird in einem kleinen Topf vorsichtig zum Schmelzen gebracht, dabei ist es wichtig, sie nicht zu heiß werden zu lassen, sonst trennt sie sich. Zucker und Vanillezucker werden hinzugegeben und langsam unter Rühren karamellisiert. Die Butter-Zucker-Mischung duftet jetzt schon köstlich süß, ein leichter Karamellduft liegt in der Luft. Die gehobelten Mandeln rühren wir ebenfalls unter, damit sie später leicht knusprig werden.
Nach dem Aufgehen den Hefeteig auf einer bemehlten Arbeitsfläche noch einmal kurz durchkneten und dann auf ein mit Backpapier belegtes Blech ausrollen. Die Größe des Blechs kann variieren, aber für unsere Menge eignet sich etwa 30×40 cm. Den ausgerollten Teig mit einer Gabel mehrmals einstechen, so dass sich während des Backens keine Luftblasen bilden. Nun gleichmäßig die Butter-Zucker-Mandel-Mischung auf dem Teig verteilen und mit einem Löffel andrücken.
Ab in den vorgeheizten Ofen bei 180 Grad Ober- und Unterhitze für etwa 25 bis 30 Minuten. Beobachtet den Kuchen gegen Ende mal genau, denn die Mandeln und der Zucker dürfen nicht verbrennen, sondern sollten schön goldgelb und knusprig sein. Danach gut auskühlen lassen, denn der Belag ist heiß, wenn der Kuchen frisch aus dem Ofen kommt.
Während der Butterkuchen abkühlt, wenden wir uns der feinen Bienenstich-Creme zu. Dafür kochen wir aus der Milch, dem Vanillepuddingpulver und Zucker einen Vanillepudding, wie auf der Packung beschrieben, jedoch ohne Sahne. Diesen lassen wir vollständig auskühlen.
Die Butter für die Creme sollte zimmerwarm sein, sie wird mit dem Vanillezucker, Honig und dem abgekühlten Vanillepudding in einer Schüssel mit dem Handrührgerät zu einer cremigen Masse aufgeschlagen. Die Konsistenz sollte luftig, aber gleichzeitig streichfest sein, sodass sich der Bienenstich später gut bestreichen lässt und nicht verläuft.
Für den Bienenstich-Teig wird nochmals ein Hefeteig aus circa 300 g Mehl, 50 g Zucker, 100 ml Milch, 20 g Butter und einem halben Würfel Hefe zubereitet. Am besten den Vorteig ansetzen, danach alle Zutaten zu einem geschmeidigen Teig kneten und gehen lassen. Auf dem Backblech wird dieser Teig dünn ausgerollt. Für den herrlichen Kipfel-Honig-Mandel-Guss schmelzen wir Butter, Zucker und Honig gemeinsam in einem kleinen Topf, bis die Mischung leicht blubbert – wir müssen aufpassen, dass sie nicht verbrennt, sondern nur schön karamellisiert. Dann werden die gehobelten Mandeln untergerührt und die Mischung zügig auf den ausgerollten Teig gestrichen.
Der Bienenstich kommt bei 180 Grad Ober-/Unterhitze für etwa 20 Minuten in den Backofen, bis die Mandelmasse goldbraun und verführerisch duftet.
Nach dem Auskühlen halbieren wir den Mandelboden vorsichtig waagerecht. Die untere Hälfte bestreichen wir mit der Vanillecreme. Danach das Ganze mit der zweiten Hälfte bedecken – und fertig ist der herrlich süße Bienenstich.
Tipps und Varianten:
Wenn Ihr einmal Lust habt, den Butterkuchen oder Bienenstich für Gäste oder für einen gemütlichen Nachmittag auszuprobieren, braucht Ihr nicht viel zu beachten, aber ein paar kleine Tipps helfen dem Ergebnis noch auf die Sprünge. Für den Hefeteig ist es wichtig, die Milch nie zu heiß einzurühren, da sonst die Hefe abstirbt und der Teig nicht richtig aufgeht. Alternativ zur Trockenhefe könnt Ihr unbedingt frische Hefe verwenden, die ich persönlich sehr mag. Sie bringt noch einen feinen Geschmack und lässt den Teig wunderbar locker werden.
Solltet Ihr es eilig haben, statt den Vorteig anzusetzen, könnt Ihr den Hefeteig auch direkt mit allen Zutaten gemeinsam kneten – vorausgesetzt, die Hefe ist frisch und die Milch richtig temperiert. Der Teig braucht dann aber eine längere Gehzeit, mindestens 90 Minuten, bis man ihn weiterverarbeiten kann.
Der Belag für den Butterkuchen lässt sich wunderbar variieren. Neben Mandeln könnt Ihr auch gehackte Haselnüsse oder Walnüsse nehmen, die dem Kuchen eine leicht herbe Note geben. Auch Zimt im Zucker sorgt für eine besondere Geschmacksnuance. Wenn Ihr den Kuchen nicht ganz so süß mögt, reduzier einfach die Zuckermenge im Belag um 20 Prozent – der Geschmack bleibt trotzdem schön.
Für die Füllung des Bienenstichs habe ich schon Varianten mit Sahne und Quark ausprobiert. Das geht auch prima, wenn Ihr die Creme etwas leichter bevorzugt. Ein klassicher Vanillepudding mit Butter aufgeschlagen bleibt aber der Favorit in meiner Familie. Falls Ihr es lieber vegan wünscht, kann Vanillepudding auch mit pflanzlicher Milch und veganem Puddingpulver zubereitet und Margarine statt Butter verwendet werden. Auch hier werden die Ergebnisse überraschend lecker.
Lagert den Kuchen am besten abgedeckt bei Zimmertemperatur. Am nächsten Tag schmecken Butterkuchen und Bienenstich fast noch besser, da dann alle Aromen zusammengezogen sind. Sollte mal etwas übrig bleiben, könnt Ihr die Stücke im Kühlschrank einige Tage frisch halten oder kurz im Toaster oder Backofen aufbacken – so sind sie fast wie frisch.
Serviert werden Butterkuchen und Bienenstich klassisch zum Nachmittagskaffee oder Teekränzchen. Sie passen aber auch wunderbar zu Geburtstagen, Familienfeiern oder zum Sonntagnachmittag mit den Kindern. Gäste werden immer wieder nach dem Rezept fragen, weil der Duft und der Geschmack einfach nach Hause und Geborgenheit schmecken.
Ein kleiner Fehler, der häufig vorkommt, ist das zu starke Ausrollen des Hefeteiges beim Butterkuchen. Denkt daran: Der Teig soll etwa 2 bis 3 cm dick sein, damit er beim Backen noch richtig schön fluffig bleibt und der Belag nicht zu dünn wird. Außerdem sollte die Mandel-Butter-Zucker-Mischung nicht zu heiß aufgetragen werden, sonst sinken die Mandeln zu sehr in den Teig ein und werden klebrig statt knusprig.
Ich kann Euch auch empfehlen, die Kuchen auf Wunsch vor dem Servieren mit etwas Puderzucker zu bestäuben oder beim Bienenstich ein wenig frische Früchte, wie Himbeeren oder Erdbeeren, dazu zu reichen. Das hebt die Süße ein wenig und gibt Frische dazu.
Ich freue mich, wenn Ihr dieses Rezept ausprobiert und bei Euch daheim genauso gute Erinnerungen wie bei mir entstehen. Denn genau das macht Backen aus – Freude teilen, Geschichten erzählen und sich ein bisschen Oma-Zauber ins Leben holen. Guten Appetit!
