Es gibt Gerüche, die begleiten uns ein Leben lang, und für mich gehört der Duft von frisch gekochter Apfelmarmelade unbedingt dazu. Schon wenn die Äpfel im Topf langsam weich werden, der Zucker schmilzt und sich mit dem fruchtigen Aroma verbindet, fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt. Ich sehe sofort meine Oma in ihrer kleinen Küche, die Hände flink und routiniert, während sie die Äpfel schälte und in Stücke schnitt. Daneben stand immer ein Stapel frisch ausgekochter Gläser, und wir Kinder durften zusehen, wie nach und nach ein Vorrat entstand, der uns den ganzen Winter über begleiten sollte. Es war ein einfaches Ritual, aber es war auch eine Art Fest, denn wir wussten: jetzt kommt wieder dieser besondere Brotaufstrich auf den Tisch, der besser war als alles, was man kaufen konnte.
Zutaten & Zubereitung
Zutaten und Anleitung auf Seite 2
Das Schönste an Apfelmarmelade ist, dass sie mit wenigen Zutaten gelingt und doch so viele Möglichkeiten bietet. Jeder Topf ist ein kleines Experiment, mal süßer, mal fruchtiger, mal mit einer Prise Zimt oder ein paar Nelken, mal ganz pur, nur mit Zitronensaft. Und genau das macht sie so besonders. Sie ist wandelbar und passt sich dem an, was man gerade zu Hause hat. Für mich ist sie nicht nur ein Aufstrich, sondern ein Stück Kindheit, ein Stück Geborgenheit, das man jederzeit wieder hervorholen kann, wenn man ein Glas öffnet.
Zutaten für ca. 6 Gläser à 200 ml
1,5 kg Äpfel (Boskoop, Elstar oder Jonagold sind ideal)
500–700 g Gelierzucker (je nach gewünschter Süße, 2:1 oder 3:1)
Saft einer Zitrone
Optional: 1 TL Zimt oder 2–3 Nelken für winterliches Aroma
Zuerst werden die Äpfel gründlich gewaschen, geschält, entkernt und in kleine Würfel geschnitten. Schon das Schneiden allein ist für mich ein vertrautes Geräusch, wenn das Messer durch die knackigen Früchte gleitet und ein frischer, säuerlicher Duft die Küche erfüllt. Die Apfelstücke kommen zusammen mit dem Zitronensaft in einen großen Topf. Der Zitronensaft sorgt dafür, dass die Äpfel nicht braun werden und gibt der Marmelade gleichzeitig eine angenehme Frische. Bei mittlerer Hitze lasse ich die Äpfel nun etwa zehn Minuten köcheln, bis sie weich sind. Dann püriere ich die Masse mit einem Stabmixer, manchmal fein, manchmal nur grob, je nachdem, ob ich Lust auf eine cremige oder eine stückige Marmelade habe.
Nun kommt der Gelierzucker dazu. Ich rühre ihn gründlich unter, bis er sich mit den Äpfeln verbindet. Wer möchte, gibt jetzt Zimt oder Nelken dazu, und schon beim Umrühren verbreitet sich ein Duft, der sofort an Weihnachten erinnert. Danach lasse ich die Masse sprudelnd aufkochen und mache den klassischen Geliertest: Ein Tropfen auf einen kalten Teller, kurz abkühlen lassen, mit dem Finger durchziehen. Wenn die Marmelade Falten wirft, ist sie fertig. Wenn nicht, lasse ich sie noch ein paar Minuten köcheln.
