Ich muss ein bisschen ausholen, weil es für mich nicht einfach nur ein Rezept oder eine Info über eine Pflanze ist. Es ist eine Geschichte, die sich in meinem Leben über Jahre entwickelt hat. Als Kind hatte ich ehrlich gesagt keine Ahnung, was eine Klette überhaupt ist. Ich kannte nur diese grünen, stacheligen Kugeln, die sich immer in den Haaren meines Hundes verfangen haben, wenn wir im Spätsommer über die Felder gelaufen sind. Meine Mutter hat sich oft geärgert, weil sie die Dinger kaum wieder aus dem Fell rausbekommen hat. Für mich war das nur Unkraut, etwas Lästiges, das piekst und klebt. Dass in diesen Pflanzen eine Wurzel steckt, die seit Jahrhunderten als Heilmittel gilt, das wusste ich damals natürlich nicht.
Später, als ich älter war und anfing, mich ein bisschen mehr für gesunde Ernährung und Naturheilkunde zu interessieren, bin ich auf die Klettenwurzel gestoßen. Zuerst war es nur so ein Nebensatz in einem Buch über Heilpflanzen: „Klettenwurzel – entgiftend, gut für Haut und Leber, traditionelles Mittel in Europa und Asien.“ Ich hab das gelesen und mir gedacht: na ja, klingt interessant, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass eine Wurzel so viel bewirken kann. Trotzdem blieb das Wort in meinem Kopf hängen. Irgendwie hatte es was Geheimnisvolles, fast schon Mystisches.
Ein paar Jahre später kam dann der Moment, wo ich mich intensiver damit beschäftigt habe. Ich hatte ständig Probleme mit unreiner Haut, müde war ich auch dauernd und meine Verdauung war nicht die beste. Ein Freund meinte damals zu mir: „Probier doch mal Klettenwurzel-Tee, meine Oma schwört da drauf.“ Ich hab gelacht und gesagt: „Na gut, warum nicht, schaden kann’s ja nicht.“ Ich bin also in die Apotheke gegangen, hab mir einen Beutel mit getrockneter Klettenwurzel gekauft, zuhause einen Tee gekocht und war ehrlich gesagt beim ersten Schluck nicht begeistert. Der Geschmack war erdig, ein bisschen bitter, nicht so wie ein frischer Kräutertee mit Pfefferminze oder Kamille. Aber ich hab mich gezwungen, ihn ein paar Tage lang zu trinken, morgens und abends.
Und dann, so nach zwei Wochen, hab ich wirklich einen Unterschied gespürt. Meine Haut war klarer, ich hatte das Gefühl, mein Körper ist leichter, als ob er Ballast losgeworden wäre. Ich weiß, das klingt vielleicht übertrieben, aber genau so hab ich es empfunden. Seitdem bin ich der Klettenwurzel treu geblieben. Ich mach nicht jeden Tag Tee, aber regelmäßig, besonders nach der Winterzeit oder wenn ich das Gefühl habe, mein Körper braucht eine Art Reset.
Wenn man dann tiefer gräbt, findet man unglaublich viel über die Inhaltsstoffe dieser Pflanze. Arctigenin zum Beispiel, ein Stoff, über den es sogar Studien gibt, dass er das Wachstum von Krebszellen hemmen könnte. Quercetin und Luteolin, zwei Flavonoide, die entzündungshemmend wirken und das Immunsystem unterstützen. Inulin, eine präbiotische Faser, die wichtig für die Darmflora ist. Alles Dinge, die nicht neu erfunden wurden, sondern schon seit Jahrhunderten in dieser einen Wurzel stecken, die am Wegrand wächst und die die meisten Leute nicht mal beachten.
Ich finde das faszinierend: Wir geben so viel Geld für Nahrungsergänzungsmittel aus, für Tabletten und Kapseln, während die Natur direkt vor unserer Tür oft schon alles bereithält. Natürlich will ich nicht behaupten, dass Klettenwurzel eine Chemotherapie ersetzen könnte oder dass man nur mit Tee schwere Krankheiten heilt – das wäre Quatsch. Aber ich glaube fest daran, dass solche Pflanzen den Körper unterstützen können, sanft und ohne Nebenwirkungen, wenn man sie richtig einsetzt.
Ich habe im Laufe der Zeit verschiedene Formen ausprobiert: Tee, Tinktur, auch Pulver. Am einfachsten ist für mich der Tee. Ein Esslöffel getrocknete Wurzel auf zwei Tassen Wasser, 10 bis 15 Minuten köcheln lassen, abseihen, fertig. Ich süße ihn manchmal mit einem Löffel Honig oder ein paar Tropfen Zitronensaft, damit er angenehmer schmeckt. Und wenn man ihn regelmäßig trinkt, merkt man wirklich, wie er den Körper reinigt.
Einmal habe ich auch eine Tinktur angesetzt, das geht so: frische Klettenwurzel klein schneiden, in ein Glas füllen und mit Wodka oder Apfelessig übergießen. Das Ganze lässt man vier bis sechs Wochen an einem dunklen Ort stehen, dann abseihen und in kleine Flaschen füllen. Davon nehme ich manchmal ein bis zwei Teelöffel am Tag, verdünnt in Wasser oder Tee. Es gibt mir das Gefühl, mein Immunsystem zu stärken, besonders in der Erkältungszeit.
Frische Klettenwurzel hab ich auch schon in der Küche ausprobiert. Sie schmeckt mild, ein bisschen nussig, leicht erdig. Ich hab sie geschält, in dünne Scheiben geschnitten und mit Möhren und Pilzen angebraten, dazu etwas Ingwer – das war eine tolle Beilage. Auch in der Suppe macht sie sich gut, weil sie eine leicht süßliche Note hat. Man muss nur ein bisschen herumprobieren, bis man die richtige Menge findet.
