Krampfadern gehören zu den Veränderungen, die viele Menschen zunächst vor allem aus kosmetischen Gründen bemerken. Unter der Haut zeichnen sich bläuliche oder violette Venen ab, manchmal nur als feine Linien, manchmal deutlich hervortretend und geschlängelt. Besonders häufig sind die Beine betroffen. Im Internet findet man zahlreiche Hausmittel, die versprechen, solche sichtbaren Venen innerhalb kurzer Zeit weniger auffällig zu machen. Eines davon ist die Zitrone.
Immer wieder wird behauptet, Zitronensaft könne auf die Beine aufgetragen werden und Krampfadern nach und nach verschwinden lassen. Teilweise wird sogar von einem „geheimen Trick“ gesprochen, mit dem sich die erweiterten Venen auf natürliche Weise entfernen ließen. Genau hier ist jedoch Vorsicht angebracht: Zitronen sind zwar ein wertvolles Lebensmittel und enthalten unter anderem Vitamin C und verschiedene Pflanzenstoffe, bestehende Krampfadern können sie jedoch nicht einfach beseitigen.
Um zu verstehen, warum das so ist, muss man wissen, was hinter sichtbaren Krampfadern steckt. Es handelt sich nicht lediglich um eine Verfärbung der Haut, die sich mit einem Hausmittel aufhellen lässt. Die eigentliche Veränderung betrifft die darunterliegenden Venen. Deshalb sollte klar zwischen allgemeiner Hautpflege, Ernährung und einer tatsächlichen Behandlung von Krampfadern unterschieden werden.
Warum entstehen Krampfadern überhaupt?
Die Venen in unseren Beinen haben eine anspruchsvolle Aufgabe. Sie transportieren das Blut entgegen der Schwerkraft zurück in Richtung Herz. Dabei helfen unter anderem die sogenannten Venenklappen. Sie funktionieren vereinfacht gesagt wie kleine Ventile und sollen verhindern, dass das Blut wieder nach unten zurückfließt.
Funktionieren diese Klappen nicht mehr ausreichend oder erweitern sich die Venen dauerhaft, kann sich Blut in bestimmten Abschnitten zurückstauen. Die betroffenen Gefäße werden dadurch sichtbarer und können sich zunehmend erweitern und schlängeln.
Deshalb befinden sich Krampfadern nicht einfach auf der Hautoberfläche. Genau das ist entscheidend, wenn Hausmittel wie Zitronensaft beurteilt werden.
Eine Flüssigkeit, die auf die Haut gerieben wird, kann eine strukturell veränderte Vene darunter nicht einfach wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzen.
Können Zitronen Krampfadern entfernen?
Kurz gesagt: Zitronensaft sollte nicht als Mittel dargestellt werden, das bestehende Krampfadern entfernt.
Die Vorstellung klingt zunächst verlockend. Eine Zitrone kostet wenig, ist praktisch überall erhältlich und enthält verschiedene Nährstoffe. Daraus entsteht schnell die Schlussfolgerung, dass ihre Inhaltsstoffe möglicherweise auch sichtbare Venen beeinflussen könnten.
Doch zwischen „enthält wertvolle Nährstoffe“ und „behandelt Krampfadern“ besteht ein großer Unterschied.
Eine bereits erweiterte Vene wird nicht dadurch wieder normal, dass Zitronensaft auf die darüberliegende Haut aufgetragen wird. Ebenso wenig werden geschwächte Venenklappen durch eine solche Anwendung repariert.
Das bedeutet nicht, dass Zitronen grundsätzlich uninteressant wären. Man sollte ihnen lediglich keine Wirkung zuschreiben, die sie nicht leisten können.
Warum Vitamin C trotzdem interessant ist
Zitronen sind vor allem für ihren Vitamin-C-Gehalt bekannt. Vitamin C erfüllt im menschlichen Körper zahlreiche Funktionen. Unter anderem trägt es zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Blutgefäße bei.
Diese Aussage wird im Internet allerdings häufig zu stark vereinfacht.
Aus der wichtigen Rolle von Vitamin C für normale Körperfunktionen folgt nicht automatisch, dass zusätzliche Zitronen bestehende Krampfadern rückgängig machen können.
Noch weniger bedeutet es, dass Vitamin C besonders wirksam wäre, wenn Zitronensaft direkt auf die Beine aufgetragen wird.
