Warum verändern sich Nägel überhaupt?
Der sichtbare Nagel entsteht in der sogenannten Nagelmatrix. Diese befindet sich größtenteils unter der Haut am Nagelansatz.
Dort werden ständig neue Nagelzellen gebildet.
Wird dieser Prozess vorübergehend verändert, kann sich das später an der Oberfläche zeigen. Deshalb wachsen Schäden oder Veränderungen häufig langsam mit dem Nagel heraus.
Ein kompletter Fingernagel braucht mehrere Monate, um sich vollständig zu erneuern.
Das erklärt auch, warum Nagelveränderungen selten innerhalb weniger Tage verschwinden.
Brüchige Nägel und Rillen
Manchmal treten Rillen zusammen mit brüchigen oder splitternden Nägeln auf.
Dabei können äußere Einflüsse eine große Rolle spielen.
Wer häufig mit Wasser arbeitet, Reinigungsmittel verwendet oder regelmäßig Gel- und Acrylnägel trägt, belastet die Nagelplatte deutlich stärker.
Auch häufiges Entfernen von Nagellack kann die Nägel austrocknen.
In solchen Fällen hilft häufig schon konsequente Pflege: Hände nach dem Waschen eincremen, Nagelöl verwenden und bei Hausarbeit Handschuhe tragen.
Das verändert die Rillen zwar nicht über Nacht, kann aber verhindern, dass die Nägel zusätzlich austrocknen und brechen.
Veränderungen der Nagelfarbe
Nicht nur Linien, sondern auch auffällige Farbveränderungen können interessant sein.
Gelbliche Nägel können beispielsweise durch Nagellack, Rauchen oder Pilzinfektionen entstehen.
Weiße kleine Punkte sind häufig Folge kleiner Verletzungen der Nagelmatrix und nicht automatisch ein Zeichen für Kalziummangel, wie oft behauptet wird.
Dunkle Streifen sollten dagegen genauer beobachtet werden.
Ein dunkler Längsstreifen kann harmlose Ursachen haben, sollte aber besonders dann ärztlich beziehungsweise dermatologisch beurteilt werden, wenn er neu entstanden ist, breiter wird, unregelmäßig aussieht oder nur einen einzelnen Nagel betrifft.
Wann sollte man einen Arzt fragen?
Ein paar harmlose Längsrillen allein sind normalerweise kein Grund für einen Arztbesuch.
Sinnvoll ist eine Untersuchung jedoch, wenn sich die Nägel plötzlich deutlich verändern.
Das gilt beispielsweise bei tiefen Querrillen über mehreren Nägeln, starken Farbveränderungen, Schmerzen, Schwellungen, Ablösung des Nagels oder wenn sich die Form eines Nagels auffällig verändert.
Auch Veränderungen, die über Wochen zunehmen und nicht herauswachsen, sollte man nicht einfach ignorieren.
Der Vorteil einer ärztlichen Untersuchung ist, dass nicht nur der Nagel selbst betrachtet wird. Falls tatsächlich ein Mangel oder eine andere Ursache vermutet wird, können weitere Untersuchungen gezielt durchgeführt werden.
Was man selbst für gesunde Nägel tun kann
Eine ausgewogene Ernährung ist grundsätzlich wichtiger als einzelne sogenannte „Nagelvitamine“.
Nägel bestehen überwiegend aus Keratin, also einem Protein. Deshalb gehört eine ausreichende Eiweißzufuhr genauso zu einer normalen Ernährung wie Eisen, Zink und verschiedene Vitamine.
Wer ausgewogen isst, benötigt nicht automatisch Nahrungsergänzungsmittel.
Auch Biotin wird häufig für schöne Nägel beworben. Eine zusätzliche Einnahme ist jedoch nicht für jeden notwendig und sollte nicht einfach als Lösung für jede Nagelveränderung betrachtet werden.
Pflege von außen ist mindestens genauso wichtig.
Eine reichhaltige Handcreme und etwas Nagelöl können trockene Nagelhaut und spröde Nägel deutlich angenehmer machen.
Die Nagelhaut besser nicht abschneiden
Viele schneiden die Nagelhaut sehr weit zurück, weil die Nägel dadurch gepflegter wirken sollen.
Dabei erfüllt die Nagelhaut eine wichtige Schutzfunktion.
Sie bildet eine Barriere zwischen Nagel und Haut und hilft dabei, Keime fernzuhalten.
Statt sie stark abzuschneiden, kann man sie nach dem Duschen oder Händewaschen vorsichtig zurückschieben und anschließend eincremen.
Auch aggressives Feilen an der Nageloberfläche sollte man vermeiden.
Wer ausgeprägte Rillen ständig glatt poliert, macht die Nagelplatte dünner. Dadurch können Nägel am Ende empfindlicher und brüchiger werden als vorher.
Die wichtigste Unterscheidung
Bei Nagelrillen hilft eine einfache Regel:
Feine Längsrillen sind häufig normal. Deutliche neue Querlinien oder andere plötzlich auftretende Veränderungen verdienen eher Aufmerksamkeit.
Natürlich ersetzt auch diese Regel keine medizinische Untersuchung.
Nägel können Hinweise geben, aber sie sind kein zuverlässiger „Gesundheitstest“, mit dem sich Krankheiten anhand eines einzelnen Merkmals diagnostizieren lassen.
Genau deshalb sollte man dramatische Behauptungen wie „Diese Linie bedeutet, dass Ihnen Vitamin X fehlt“ mit Vorsicht betrachten.
Der menschliche Körper ist komplexer.
Fazit
Rillen auf den Fingernägeln sehen manchmal auffälliger aus, als sie tatsächlich sind. Besonders feine senkrechte Linien gehören bei vielen Menschen einfach zur normalen Nagelstruktur und werden mit zunehmendem Alter deutlicher.
Trockene Haut, häufiges Händewaschen und mechanische Belastung können sie zusätzlich hervorheben.
Anders sieht es aus, wenn plötzlich tiefe Querrillen, deutliche Farbveränderungen, Schmerzen oder Veränderungen an mehreren Nägeln auftreten.
Dann ist es sinnvoll, die Ursache professionell abklären zu lassen.
Für die meisten Menschen gilt jedoch: Ein paar feine Längsrillen sind kein Grund zur Panik – und allein daraus lässt sich weder ein Vitaminmangel noch eine bestimmte Krankheit ableiten.
