Zutaten
Zutaten & Zubereitung
Zutaten und Anleitung auf Seite 2
40 g Hefe
75 g Zucker
1/4 Liter Milch
500 g Mehl
1 Prise Salz
50 g Butter
125 g Butter (für den Belag)
100 g Zucker (für den Belag)
75 g Mandeln (gehobelt)
Nach Bedarf Butter (zum Ausfetten)
Es gibt Rezepte, die man nicht einfach nur aus einem Kochbuch übernimmt, sondern die einen begleiten wie ein stiller Freund. Rezepte, die in der Familie weitergegeben wurden, manchmal auf zerknitterten Zetteln, manchmal nur mündlich überliefert, und die doch so viel mehr erzählen als eine bloße Zubereitungsanleitung. Eines dieser Rezepte ist für mich der Zuckerkuchen. Ein Rezept, das nach Kindheit riecht, nach Wärme und nach den vertrauten Düften aus der Küche meiner Großmutter.
Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als ich in einer alten Schublade, tief unten im Küchenschrank meiner Oma, ein kleines Notizheft fand. Es war vergilbt, die Seiten etwas wellig, an den Rändern vom vielen Umblättern abgenutzt, und doch spürte ich sofort, dass es etwas Besonderes war. Mit krakeliger Handschrift hatte meine Großmutter dort Rezepte notiert, die sie entweder von ihrer eigenen Mutter oder von Freundinnen im Dorf erhalten hatte. Viele davon waren typische DDR-Rezepte, einfach, bodenständig, mit Zutaten, die man auch in Zeiten der Knappheit irgendwie beschaffen konnte. Und zwischen all den Suppen, Aufläufen und kleinen Kuchenvarianten fand ich den Eintrag: „Zuckerkuchen“.
Meine Oma erzählte mir damals, dass dieser Kuchen in ihrer Jugend etwas ganz Besonderes war. Er war nicht aufwendig, nicht prunkvoll, nicht überladen mit exotischen Zutaten. Nein, er war schlicht, aber gerade das machte ihn so wertvoll. In einer Zeit, in der die Auswahl an Backzutaten nicht so reichlich war wie heute, war ein fluffiger Hefeteig, der mit Zucker und Butter veredelt wurde, ein Fest für die ganze Familie. Besonders dann, wenn es gelang, ein paar gehobelte Mandeln aufzutreiben, die den Kuchen knusprig und festlich machten.
Ich erinnere mich an diese Nachmittage, wenn der Duft von frisch gebackenem Hefeteig durchs Haus zog. Meine Großmutter hatte ein großes Backblech voller Zuckerkuchen vorbereitet, und wir Kinder saßen ungeduldig am Küchentisch, während er im Ofen goldbraun wurde. Schon das leise Knistern des Zuckers, der in der Butter schmolz und eine karamellige Kruste bildete, machte uns ganz hibbelig. Und dann, wenn das Blech endlich herausgezogen wurde, war es wie ein kleines Fest. Jeder schnappte sich ein Stück, noch warm, so weich, dass der Zucker an den Fingern klebte. Wir pusteten, weil wir es nicht abwarten konnten, und doch verbrannten wir uns manchmal die Zunge, so gierig waren wir.
Was mir an diesem Rezept so gefällt, ist nicht nur der Geschmack, sondern auch die Geschichte, die dahintersteht. Denn der Zuckerkuchen war nicht nur ein Kuchen. Er war Symbol für das, was man aus wenig machen konnte, wenn man Fantasie, Liebe und ein bisschen Geduld hatte. Meine Oma sagte immer: „Ein Hefeteig ist wie ein Kind – er braucht Wärme, Zuwendung und Zeit. Dann gedeiht er.“
Als ich älter wurde und selbst begann, mehr zu backen, habe ich dieses Rezept oft hervorgeholt. Und jedes Mal, wenn ich den Teig knete, sehe ich meine Oma vor mir. Ihre kräftigen Hände, die mit einer Selbstverständlichkeit den Teig bearbeiteten, als wäre es das Natürlichste der Welt. Ich höre ihre Stimme, wie sie sagt: „Gib dem Teig Zeit. Er muss atmen.“ Und tatsächlich, wenn der Teig unter dem Geschirrtuch aufgeht, fast so, als ob er lebendig würde, dann spürt man diese alte Weisheit.
Die Zubereitung selbst ist simpel, und doch hat sie etwas Meditatives. Die Hefe wird in lauwarmer Milch angerührt, und schon nach wenigen Minuten beginnt sie zu schäumen. Es ist, als ob die kleinen Hefepilze jubeln, endlich Futter bekommen zu haben. Das Mehl, gesiebt in eine große Schüssel, bildet die Grundlage. Man macht eine kleine Vertiefung, gießt die Hefemischung hinein, deckt sie mit Mehl ab und wartet. Dieses Warten, diese zehn Minuten, sind ein Moment der Ruhe. Früher nutzte meine Oma diese Zeit, um die Küche aufzuräumen oder die Kaffeekanne vorzubereiten. Ich hingegen bleibe oft einfach davor sitzen, schaue auf die Schüssel und denke an all die Generationen vor mir, die genau das Gleiche getan haben.
