Apfel und Zitrone gehören zu den Lebensmitteln, die fast jeder zu Hause hat. Zusammen ergeben sie ein angenehm frisches Getränk, das süße und säuerliche Aromen miteinander verbindet. Im Internet wird dieser Kombination allerdings teilweise eine erstaunliche Wirkung zugeschrieben: Sie soll angeblich das Blut „reinigen“, die Gefäße stärken, den Cholesterinspiegel senken und sogar Blutgerinnsel auflösen.
Gerade die letzte Behauptung klingt spektakulär, ist aber irreführend. Apfel-Zitronen-Saft kann keine bestehenden Blutgerinnsel auflösen und ersetzt keine medizinische Behandlung. Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick auf die beiden Zutaten, denn Äpfel und Zitronen liefern tatsächlich interessante Nährstoffe und können problemlos Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein.
Warum Äpfel ernährungsphysiologisch interessant sind
Äpfel bestehen zu einem großen Teil aus Wasser und enthalten natürliche Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe sowie verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.
Besonders interessant sind ihre Ballaststoffe. Dazu gehört Pektin, ein löslicher Ballaststoff, der hauptsächlich im Fruchtfleisch und in der Schale vorkommt.
Ballaststoffe erfüllen verschiedene wichtige Funktionen innerhalb einer ausgewogenen Ernährung. Sie können unter anderem zu einer normalen Verdauung beitragen und sorgen häufig dafür, dass Lebensmittel länger sättigen.
Wer möglichst viele Ballaststoffe aus einem Apfel aufnehmen möchte, sollte allerdings bedenken, dass ein ganzer Apfel etwas anderes ist als klarer Apfelsaft.
Ganzer Apfel oder Apfelsaft?
Beim Entsaften werden große Teile der festen Bestandteile des Apfels entfernt. Genau dort befindet sich jedoch ein erheblicher Anteil der Ballaststoffe.
Deshalb ist es sinnvoll, für dieses Getränk nach Möglichkeit den ganzen Apfel im Mixer zu verarbeiten und die Mischung nicht vollständig durch ein sehr feines Sieb zu filtern.
So bleiben mehr Bestandteile der ursprünglichen Frucht erhalten.
Was steckt in Zitronen?
Zitronen sind vor allem für ihren Vitamin-C-Gehalt bekannt. Daneben enthalten sie verschiedene pflanzliche Verbindungen und sorgen durch ihre natürliche Säure für den charakteristischen Geschmack.
Vitamin C erfüllt im Körper zahlreiche normale Funktionen. Es trägt beispielsweise zu einer normalen Funktion des Immunsystems und zu einer normalen Kollagenbildung für die normale Funktion der Blutgefäße bei.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Zitronensaft bereits geschädigte Blutgefäße repariert oder vorhandene Gefäßerkrankungen beseitigt.
Hier liegt ein wichtiger Unterschied zwischen der normalen Funktion eines Nährstoffs und einer medizinischen Behandlung.
Kann Apfel-Zitronen-Saft das Blut „reinigen“?
Der Ausdruck „Blut reinigen“ wird bei Hausmitteln häufig verwendet, ist medizinisch aber missverständlich.
Unser Körper besitzt bereits hoch entwickelte Systeme, um Stoffwechselprodukte zu verarbeiten und auszuscheiden. Dabei spielen unter anderem Leber und Nieren eine zentrale Rolle.
Ein Glas Apfel-Zitronen-Saft übernimmt diese Aufgaben nicht und spült auch keine vermeintlichen „Giftstoffe“ aus dem Blut.
Das macht das Getränk nicht nutzlos. Man sollte lediglich zwischen einem normalen Lebensmittel und einem angeblichen Detox-Mittel unterscheiden.
Kann das Getränk Blutgerinnsel auflösen?
Nein. Diese Behauptung sollte besonders vorsichtig behandelt werden.
Ein Blutgerinnsel beziehungsweise eine Thrombose kann eine ernsthafte medizinische Situation darstellen. Ein Getränk aus Äpfeln und Zitronen ist keine Behandlung dafür.
Auch Zitronensäure oder andere natürliche Bestandteile der Früchte machen das Getränk nicht zu einem natürlichen „Blutverdünner“, mit dem sich vorhandene Gerinnsel einfach auflösen lassen.
Wer gerinnungshemmende Medikamente verschrieben bekommen hat, sollte diese deshalb keinesfalls durch solche Hausmittel ersetzen oder eigenständig absetzen.
Was ist mit dem Cholesterinspiegel?
Hier ist die Situation etwas differenzierter.
Eine insgesamt ballaststoffreiche Ernährung kann für die Herz-Kreislauf-Gesundheit sinnvoll sein. Äpfel können aufgrund ihrer Ballaststoffe Bestandteil einer solchen Ernährung sein.
Daraus sollte jedoch nicht die Behauptung werden, ein bestimmtes Glas Apfel-Zitronen-Saft würde einen erhöhten LDL-Cholesterinspiegel behandeln.
Außerdem enthält klarer Saft wesentlich weniger Ballaststoffe als die ganze Frucht.
Wer Äpfel gerade wegen ihrer Ballaststoffe essen möchte, ist deshalb mit einem ganzen Apfel oder einem nicht abgesiebten Mix häufig besser bedient.
Ein einfaches Apfel-Zitronen-Getränk
Für eine unkomplizierte Variante braucht man nur wenige Zutaten:
Zutaten
– 2 Äpfel
– 1/2 Zitrone
– 200–300 ml Wasser
– nach Wunsch einige Eiswürfel
– optional ein kleines Stück Ingwer
Zubereitung
Die Äpfel gründlich waschen, vierteln und das Kerngehäuse entfernen. Die halbe Zitrone schälen beziehungsweise auspressen.
Die Apfelstücke zusammen mit Zitronensaft und Wasser in einen Mixer geben und alles gründlich pürieren.
Wer eine dünnere Konsistenz bevorzugt, gibt etwas mehr Wasser hinzu. Für ein kaltes Sommergetränk können zusätzlich einige Eiswürfel mitgemixt oder anschließend ins Glas gegeben werden.
Wer möglichst viele feste Bestandteile des Apfels behalten möchte, sollte das Getränk anschließend nicht vollständig abseihen.
Variante mit Ingwer
Wer es etwas kräftiger mag, kann ein kleines Stück frischen Ingwer hinzufügen.
Dadurch bekommt das Getränk eine deutlich würzigere und leicht scharfe Note, die gut mit der Säure der Zitrone harmoniert.
Auch Ingwer sollte dabei nicht als „Wundermittel“ betrachtet werden. Er ist in erster Linie eine aromatische Zutat, die zahlreiche Speisen und Getränke geschmacklich ergänzen kann.
Wann trinkt man den Saft am besten?
Für das Getränk gibt es keinen besonderen Zeitpunkt, an dem es plötzlich stärker wirkt.
Es kann morgens, zu einer Mahlzeit oder zwischendurch getrunken werden. Entscheidend ist eher, wie es in die gesamte Ernährung passt.
Auch die häufige Behauptung, Zitronengetränke müssten unbedingt morgens auf nüchternen Magen getrunken werden, damit der Körper „entgiftet“ wird, ist unnötig.
Wer empfindlich auf saure Getränke reagiert, verträgt die Mischung möglicherweise sogar besser zusammen mit einer Mahlzeit.
Vorsicht bei sehr sauren Getränken
Zitronensaft enthält Säure. Wird sehr häufig stark konzentrierter Zitronensaft getrunken, kommt diese Säure auch mit den Zähnen in Kontakt.
Deshalb muss das Getränk nicht besonders sauer zubereitet werden. Eine halbe Zitrone und ausreichend Wasser reichen für eine angenehm frische Mischung normalerweise vollkommen aus.
Menschen mit empfindlichem Magen können ebenfalls ausprobieren, ob eine geringere Zitronenmenge angenehmer ist.
Warum die Kombination trotzdem interessant ist
Apfel und Zitrone brauchen keine spektakulären Heilversprechen, um interessant zu sein.
Äpfel bringen Süße, Ballaststoffe und verschiedene Pflanzenstoffe mit. Zitronen liefern Vitamin C und eine kräftige Säure. Zusammen entsteht mit etwas Wasser ein einfaches Getränk, das ohne komplizierte Zutaten auskommt.
Wer die ganze Frucht verarbeitet, erhält zudem mehr ihrer festen Bestandteile als bei einem stark gefilterten Saft.
Das Wichtigste zum Schluss
Apfel-Zitronen-Saft kann ein erfrischender Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung sein. Äpfel liefern unter anderem Ballaststoffe und Zitronen Vitamin C.
Die spektakulären Behauptungen, die man im Internet dazu findet, sollte man jedoch nicht mit den tatsächlichen Eigenschaften der Lebensmittel verwechseln.
Der Saft löst keine Blutgerinnsel auf, „reinigt“ nicht das Blut und ersetzt keine Behandlung von Gefäß- oder Cholesterinproblemen.
Gerade deshalb ist die Kombination eigentlich interessanter, wenn man sie als das betrachtet, was sie wirklich ist: ein einfaches Getränk aus zwei alltäglichen Lebensmitteln, die auch ohne Wunderwirkung ihren Platz in einer ausgewogenen Ernährung haben.
